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Vonovia Platz für neue Mieter, Tortur für Altmieter

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Kleines Schmerzensgeld für die Kundin

Vonovia verspricht nun, Heldts Wohnung auf Konzernkosten zu renovieren und zahlt der Mieterin ein kleines Schmerzensgeld.

Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch nennt die Vonovia-Mieter bewusst „Kunden“, um den Mitarbeitern des Dax-Unternehmens deren Stellenwert deutlich zu machen. „Marktführer zu sein ist untrennbar mit Verantwortung verbunden – Verantwortung für die rund eine Million Menschen, die bei uns zuhause sind“, schreibt Vonovia auf der Homepage.

Die Kundin Alexandra Heldt findet, dass sie stattdessen „die pure Ignoranz“ erlebt hat: „Aufgrund der ständigen Schäden und der Kopfverletzung hatte ich zwangsläufig regelmäßigen Kontakt zu verschiedenen Vonovia Angestellten. Allen voran zum Bauleiter – der dadurch wusste, wie sehr ich unter dem Bau litt. Es war bekannt, wie verzweifelt ich darüber war, mich aufgrund des Lärms nicht adäquat kurieren zu können. Auch der Projektleiter und Objektbetreuer wussten davon.“

Mit ihrer öffentlich geäußerten Kritik hofft Heldt, „Bauherren zu sensibilisieren, damit sie künftig betroffene Bestandsmieter pfleglicher behandeln“.

Vonovia hat Konsequenzen gezogen. „Wir haben inzwischen den Generalunternehmer gewechselt“, sagt Regionalchef Peterhülseweh. Eine modulare Aufstockung bei einem Mehrfamilienhaus muss nach seiner Vorstellung „nach einem halben Jahr durch sein und nicht erst nach anderthalb Jahren. Dass es schnell geht, ist ja gerade der Vorteil“. Einen Teil der Probleme entschuldigt der Manager damit, dass dies die erste serielle Dachaufstockung war, Vonovia also erstmals vorgefertigte Bauelemente auf die unteren Etagen aufsetzten ließ: „Bei einem Pilotprojekt klappt selten alles“.

Für die Zukunft nimmt Peterhülseweh sich was vor: „Natürlich müssen wir unseren Mietern die Veränderungen im Bestand erklären, sie sind dadurch mehrere Monate beeinträchtigt – obwohl wir uns große Mühe auf der Baustelle geben.“

Aber bessere Kommunikation ist zu wenig, wenn Vonovia und andere Bauherren bei den Altmietern die Akzeptanz für die gute Idee der Dachaufstockung erhalten oder sogar steigern wollen. Aktiv angebotene Ersatzwohnungen und alternativ deutliche Mietminderungen wären ein faires Angebot für die Monate, in denen der massive Umbau das Wohnen zur Qual macht.

Was Vonovia-Chef Rolf Buch zu den Pannen sagt

Wiwo.de hat Vonovia-Chef Rolf Buch bei der diesjährigen Pressekonferenz in einem feinen Hotel in Düsseldorf dazu befragt. Zu einem finanziellem Entgegenkommen bei Dachaufstockungen zugunsten seiner geplagten Kunden wollte sich der agile Topmanager nicht bekennen. Allgemein gibt er sich und den 8500 Vonovia-Mitarbeitern aber vor: „Wir sind gut beraten, wenn wir uns an den Wünschen unserer Mieter orientieren. Wir haben gelernt, dass Bürgerbeteiligung entscheidend bei Neubauprojekten.“ Noch etwas sagt der Manager: „Wir sagen nicht, dass wir schon alles perfekt machen. Aber wir wollen Fehler nicht zweimal machen.“

Genau das ist aber in Dortmund passiert. Denn zu der Quartier-Entwicklung am Rande des Kreuzviertels gehört ein Neubau im Winkel der Häuserzeilen von Metzer- und Blankensteiner Straße. Vonovia will mit den neuen Gebäuden „die Qualität des Viertels steigern“, will sie teilweise barrierefrei bauen und so groß, dass auch Familien mit Kindern dort einziehen – für eine Kaltmiete von rund neun Euro pro Quadratmeter. Genau das, was die Politik von dem Wohnungskonzern erwartet.

Als Alexandra Heldt das erfuhr, war es zu spät. Bei früherer Information darüber, dass ihre Idylle vor dem Balkon noch 2018 gerodet wird, hätte sie „vor der Aufstockung ein neues Zuhause gesucht. Niemals hätte ich mich dieser Tortur des Umbaus ausgesetzt wenn ich gewusst hätte, das danach die Wohnqualität langfristig ruiniert werden soll“.

Heldt realisierte erst irgendwann während der Leidenszeit durch die Dachaufstockung, dass sie bald nicht mehr in einen freundlichen Garten mit Baumgruppen und Eichhörnchen schauen wird, sondern auf eine Hauswand, Parkplätze, Fahrradständer. Sie erfuhr es „rein zufällig, weil Bohrungen im Garten stattfanden und einem Nachbarn die Garage gekündigt wurde“. Vonovia beteuert, sich um eine gute Informationspolitik zu bemühen und verweist auf eine Informationsveranstaltung in einer Kirche im Kreuzviertel. Heldt aber beklagt „Intransparenz als einen der zentralen Kritikpunkte an Vonovia“.

Nun versucht die freundlich auftretende, sprachgewandte Dortmunderin zusammen mit Nachbarn in einer Mieterinitiative, das aus ihrer Sicht Schlimmste zu verhindern. Sie ist keine typische Wut-Mieterin. Gerade deshalb findet sie Gehör. Die Lokalpresse berichtet viel über die Probleme bei der Quartiersentwicklung im Kreuzviertel, und Vonovia hat inzwischen eine Alternativplanung angeboten. Der Abstand der neuen zu den schon bestehenden Häusern wäre dabei etwas größer, ein paar Bäume blieben erhalten.

„Dass wir jeden überzeugen können, der durch die Veränderungen Nachteile befürchtet, kann man nicht erwarten“, sagt Peterhülseweh: „Aber wir bekommen viel positives Feedback, wenn Mieter ihre Ideen einbringen können und merken, dass wir ihre Anliegen ernst nehmen und uns Gedanken machen“.

Immerhin: Anders als noch 2017 informiert Vonovia neue Miet-Interessenten, die sich in der Blankensteiner und der Metzer Straße Wohnungen anschauen, in der Regel nun aktiv über den geplanten Neubau im Garten. „Vielleicht hat Vonovia ein Fünkchen aus unserer Kritik gelernt“, schlussfolgert Heldt daraus: „Oder sie haben keine Lust auf noch mehr Aktivisten.“

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