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Vorsicht vor schwarzen Schafen Der schwierige Weg zum besten Fertighaus-Anbieter

Fertighaus: Der schwierige Weg zum besten Anbieter Quelle: imago

Der Markt für Fertighäuser boomt, doch neben seriösen Anbietern tummeln sich auch schwarze Schafe. Das erfuhr auch Familie Schmidt – und fand schließlich doch das perfekte Haus.

Eigentlich wollte Familie Schmidt gar kein Fertighaus bauen. Das junge Paar suchte nach einem gebrauchten Haus, mit genug Zimmern für künftige Kinder und vor allem: nicht zu teuer. Doch sie fanden keins, und das, obwohl sie am ländlichen Niederrhein suchten und nicht in einer der überlaufenen Metropolen.

Da empfahl ihnen eine Freundin, doch stattdessen selbst zu bauen. Ein Fertighaus. „Wir wussten gar nicht, dass es so etwas überhaupt gibt“, sagt Frau Schmidt. Doch nach einer kurzen Internetrecherche stand die Entscheidung fest: Es sollte ein Fertighaus werden.

Wie die Schmidts, die im echten Leben anders heißen, entscheiden sich immer mehr Menschen in Deutschland. Inzwischen geht jede fünfte Baugenehmigung an ein Fertighaus, in Süddeutschland ist es sogar jede dritte. Die Branche lockt mit kurzer Bauzeit und geringen Kosten. Doch im boomenden Markt gibt es viele schwarze Schafe.

Das mussten auch die Schmidts erleben. In ihrer ersten Euphorie suchten sie sich zunächst einen Fertighausbauer aus ihrer Region. Doch schon beim ersten Treffen kam ihnen einiges komisch vor, erinnert sich das junge Paar: Statt mit ihnen ein individuelles Angebot zu planen, wollte sie der Anbieter mit Flatrates fürs Wändeverschieben und einer Pauschalküche für 2500 Euro locken. Auf ihre Fragen ging er nicht ein. Das junge Paar beschloss, den Suchradius zu erweitern, und fuhr eines Januartages in die Fertighauswelt in Wuppertal.
Auf dem 18.000 Quadratmeter großen Grundstück haben 19 Fertighaushersteller ihre Häuser errichtet, die die Vorzüge des Fertigbaus zeigen sollen. Wie in einer Vorstadtsiedlung reiht sich ein weiß getünchtes Haus ans andere – eine sehr moderne Siedlung mit Solarpaneelen, Holz-Elementen und begrünten Vordächern.

Jeden Sonntag strömen etwa 500 Menschen in die Fertighauswelt, um die Häuser zu besichtigen. 2017 waren es insgesamt 43.000 Besucher. Die müssen Eintritt zahlen, vier Euro pro Erwachsenem, sechs Euro pro Familie. Der Bundesverband Deutscher Fertigbauer (BDF), der das Gelände betreibt, will so erreichen, dass möglichst nur Menschen mit ernsthaften Kaufabsichten kommen. Schließlich steht in jedem der 19 Häuser nur ein Berater zur Verfügung, der seine Zeit lieber mit zahlungsfähigen Kaufinteressenten als mit Sonntagsausflüglern verbringen will.

Undine Wilting ist eine von ihnen. An acht Tagen im Monat steht sie in einem der Musterhäuser, einem zweigeschossigen, weiß-orangen Flachbau, und wartet auf Kundschaft. Um die Vorteile des Fertigbaus zu untermalen, hat sie stets ein Modell zur Hand, dass den Querschnitt einer Wand zeigt: Dämmmaterial und Holz, kompakt und unentflammbar, betont sie, um etwaige vorbehalte der Kunden gegen die Holzbauweise auszuräumen. Noch wichtiger sind jedoch ein Stift und ein Blatt Papier, um mit den Kunden sofort eine persönliche Analyse zu beginnen.

Diese Analyse war es auch, die dafür sorgte, dass das junge Ehepaar Schmidt das Haus von Frau Wilting nicht so schnell verließ wie viele der Häuser zuvor. Die Schmidts hatten sich ein paar Kennziffern aufgeschrieben: Wie viel Geld sie maximal aufbringen konnten (etwa 400.000 Euro inklusive Grundstück), wie viele Zimmer sie brauchten (mindestens sechs), welche Bauvorschriften das Haus erfüllen musste.

Einige der Anbieter hätten noch nicht einmal nach diesen grundlegenden Werten gefragt, sagen die Schmidts. „Die haben einfach ihr Standardprogramm abgespult.“ So verließen sie ein ums andere Haus mit tütenweise Material und sehr wenig Ahnung, wie sie sich entscheiden sollten. „Obwohl die Häuser unterschiedlich sind, sind sie doch sehr gleich.“ Als sie schließlich das Haus von Frau Wilting betraten, waren ihre Köpfe voll. „Wir waren eigentlich total fertig“, sagt Frau Schmidt, „aber sie war hartnäckig“.

Das Erfolgsrezept von Wilting ist so einfach wie durchschlagend: Sie nimmt ein weißes Blatt und malt ein Kreuz darauf, das die Fläche in vier gleich große Rechtecke unterteilt. In den oberen Bereich kommen die Grundvoraussetzungen: links die Daten über das Grundstück, rechts die über die Finanzen. Darunter skizziert Wilting, welches Haus auf dieser Basis umsetzbar wäre: links der Baukörper, also das Haus von außen, rechts das Innere des Hauses.

Drei Treffen später stand der Plan für das Traumhaus der Schmidts. Der habe maximal „zu 0,001 Prozent“ etwas mit dem Musterhaus aus der Fertighauswelt zu tun, sagt Herr Schmidt. Das ist ihm wichtig. Bekannte hätten, als sie von ihren Plänen hörten, gelästert: „Das ist ja dann gar nicht euer Haus.“ Sie dachten an Kataloghäuser, an Standardbauteile, an Uniformität.

Tatsächlich hatten Fertighäuser lange ein schlechtes Image. Die Häuser der ersten Generationen ähnelten einander alle und brachten zu allem Unglück oft bauliche Mängel mit sich. Seit dem kämpft die Branche darum, diese Makel abzustreifen. Die Anbieter, die sich im Dachverband BDF zusammengeschlossen haben, verpflichten sich freiwillig zu besonders hohen Qualitätsstandards. Zudem bieten sie mannigfaltige Individualisierungsmöglichkeiten an. Nur noch jedes dritte Fertighaus stammt inzwischen noch aus dem Prospekt.

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