Wohn-Immobilien Warum die Mietpreisbremse auf Sylt nicht helfen wird

In Schleswig-Holstein soll ab Dezember die Mietpreisbremse für zwölf Kommunen gelten - und damit auch auf Sylt. Das Mietpreisniveau ist für die Insulaner bereits nahezu unbezahlbar. Doch es ist unwahrscheinlich, dass die Deckelung der Mieterhöhungen den Wohnungsmarkt dort entspannt.

Wo Bauland richtig teuer ist
Das Statistische Bundesamt erfasst die vereinbarten Preise bei Veräußerung und Erwerb unbebauter Grundstücke mit einer Größe von 100 Quadratmeter und mehr. In nachfolgenden Galerie werden die Preise für baureifes Land gelistet. Baureifes Land sind Flächen, die nach öffentlich-rechtlichen Vorschriften baulich nutzbar sind. Dazu gehören Grundstücke oder Grundstücksteile, die von der Gemeinde für die Bebauung vorgesehen sind. Sie liegen im Allgemeinen an endgültig oder vorläufig ausgebauten Straßen und sind in der Regel bereits in passende Bauparzellen eingeteilt. Quelle: Statistisches Bundesamt Quelle: dpa
Nirgendwo in Deutschland in Bauland günstiger als in Sachsen-Anhalt. Der Quadratmeter kostete 2014 im Schnitt nur 34,88 Euro. Im ersten Quartal 2015 stieg der Quadratmeterpreis zwar auf 38,78 Euro*. Dennoch befindet sich auch dieser Preis deutlich unter dem bundesdeutschen Schnitt von 138,74 Euro pro Quadratmeter. *Hinweis: Der zeitliche Vergleich der Durchschnittswerte ist nur bedingt verwendbar und hat hier nur illustrativen Charakter. Das liegt an den statistischen Massen, aus denen sie ermittelt werden, die sich jeweils aus anders gearteten Einzelfällen zusammensetzen können. Quelle: dpa
Auch in Thüringen bestätigt sich, dass Bauland im ehemaligen DDR-Gebiet deutlich günstiger ist als in den alten Bundesländern. Ein Quadratmeter kostete in Thüringen im vergangenen Jahr im Schnitt 44,60 Euro. Im ersten Quartal des laufenden Jahres stieg der Preis auf 50,59 Euro. Quelle: dpa
Dresden gehört neben Leipzig zu den größten Städten in Sachsen. Die Baufläche dürfte hier deutlich treuer sein als auf dem Land. Im Jahre 2014 kostete insgesamt der Quadratmeter durchschnittlich 45,79 Euro. Die Preise steigen allerdings deutlich an. Im ersten Quartal 2015 musste ein Quadratmeter Bauland bereits mit 53,62 Euro bezahlt werden. Quelle: dpa
Brandenburg gehört wie viele andere neuen Bundesländer zu den strukturschwachen Gebieten. Dementsprechend niedrig sind die Preise für baureifes Land. Der Quadratmeter kostete 2014 im Schnitt 60,10 Euro. 2015 stieg der Preis nur leicht auf 61,06 Euro. Quelle: dpa
Für Mecklenburg-Vorpommern gilt dasselbe wie für Brandenburg. Die Wirtschaftskraft des nordöstlichen Bundeslands ist gering. Die Preise für Bauland sind deswegen niedrig – und nicht nur das. Sie sind im ersten Quartal 2015 auch deutlich gesunken. Mussten 2014 durchschnittlich 63,85 Euro für den Quadratmeter ausgegeben werden, waren es 2015 nur noch 46,93 Euro. Quelle: dpa
Als im Jahre 2000 in Hannover die Expo eröffnet wurde, rieben sich in der Stadt die Politiker die Hände. Die Erwartungen waren groß, vor allem nach der Expo sollten sich in den Pavillons Internet- und Hightech-Firmen ansiedeln und so für dicke Einnahmen sorgen. Doch es kam alles anders. Die zerplatzende Dotcom-Blase machte alle Pläne zunichte und trieb Hannover in die Miese. Mittlerweile hat sich die Lage gebessert. Auch die Preise für Bauland sind in Niedersachsen von 76,86 Euro im Jahre 2014 auf 80,78 Euro im ersten Quartal 2015 gestiegen. Quelle: dpa

Seit Anfang November ist es offiziell: Am 1. Dezember startet auch in Schleswig-Holstein die Mietpreisbremse, zunächst für die nächsten fünf Jahre. Damit wurde das seit Juni greifende Instrument zur Begrenzung der Mietanstiege in sieben der sechszehn Bundesländer eingeführt. In Thüringen, Hessen und Bremen ist die Einführung für die kommenden Monate geplant.
Wo sie gilt, entscheidet die Landespolitik darüber, welche Wohnungsmärkte als angespannt gelten und unter die Mietpreisbremse fallen. Dort darf bei Neuverträgen eine Miete maximal zehn Prozent oberhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Neubauten und umfassend sanierte Gebäude bleiben ausgenommen, in bestehenden Mietverhältnissen müssen keine Mieten gesenkt werden.

In Schleswig-Holstein greift die Begrenzung der Mieten zunächst in zwölf Kommunen. In den vergangenen fünf Jahren sind dort die Mieten nach einer Erhebung des Immobilienportals Immowelt.de besonders deutlich gestiegen, etwa in Kiel um 33 Prozent, Glinde um 23 Prozent, Norderstedt um 15 Prozent. Außerdem greift die Mietpreisbremse in Halstenbek, Barsbüttel, Wentorf bei Hamburg, Wyk auf Föhr und in allen Gemeinden auf Sylt.

Risiken der Mietpreisbremse

Auf Sylt jedoch herrscht Skepsis, ob die Mietpreisbremse wirklich dabei hilft, den Wegzug der heimischen Bevölkerung zu stoppen, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet. Die Zeitung zitiert den Sylter Bürgermeister Norbert Häckel mit den Worten: "Damit allein lässt sich aber der Wegzug der Insulaner nicht stoppen."

Gegen die Effektivität der Mietpreisbremse sprechen gleich ein Vielzahl von Gründen, die am Beispiel Sylt deutlich werden. Zum einen gibt es nämlich keinen Mietspiegel als Referenz für die ortsübliche Miete. Die Durchschnittsmieten sind in jeder Ortschaft anders, doch praktisch überall ein Vielfaches höher als auf dem Festland. Deshalb lohnt es sich für viele Insulaner, ihren Wohnsitz auf das Festland zu verlegen und ihre Immobilie an Feriengäste zu vermieten oder ihre Sylter Mietwohnung nur als Zweitwohnsitz zu nutzen. Dabei bliebe die Mietpreisbremse wirkungslos.

Häckel setzt laut "Hamburger Abendblatt" deshalb auf den Wohnungsbau. 2900 Wohneinheiten sollten in den kommenden zehn Jahren entstehen und den Wohnungsmarkt entspannen. Das die Mietpreisbremse ihr Wirkung vielerorts verfehlt und sogar das Potenzial hat, die Situation zu verschlimmern, lässt sich gut am Beispiel Sylt illustrieren.

Denn das Mietpreisniveau ist heute schon für die Insulaner nahezu unbezahlbar. Weil Bestandsschutz gilt, muss kein Vermieter die Mieten senken. Neubauten sind ausgenommen, insofern ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Mietpreise für Neubauwohnungen unter der ortsüblichen Miete liegen werden - zumal die Baukosten in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls massiv gestiegen sind.

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Mit Mietpreisbremse und Neubauförderung unterstützt die Politik einer Studie zufolge vielmehr eine Spaltung auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Der Fokus liege viel zu stark auf den beliebten Großstädten, ergab die am Dienstag vorgestellte Untersuchung im Auftrag des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Andere Regionen schrumpften in Zukunft noch stärker, weil sie sich nicht mehr mit günstigen Wohnungen und niedrigen Lebenshaltungskosten von den Großstädten abheben könnten. Der GdW begrüßte deshalb ausdrücklich die erhöhten staatlichen Mittel für den sozialen Wohnungsbau.

"Wir brauchen eine Neubauoffensive, und zwar jetzt", fordert Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Derzeit beläuft sich das Wohnungsdefizit in Deutschland insgesamt auf mindestens 800.000 Wohnungen. Das läge keineswegs nur an der aktuell hohen Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sondern auch an der starken Binnenwanderung, also den Wohnungswechseln innerhalb des Landes und an den bereits hohen Zuwanderungszahlen zwischen 2012 und 2014.

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