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Wohnimmobilien Am Rhein wird’s teurer

Auch in Berlin und Düsseldorf ist der Boom bei Wohnimmobilien spürbar. Was sich in den begehrten Lagen der beiden Städte tut.

Das Brandenburger Tor in Berlin. Quelle: dpa

Berlins Zentrum zieht wie ein Magnet Immobilienkäufer aus ganz Deutschland an. So auch Hartmut Janßen, Feinkosthändler, 50, aus Oldenburg und seinen Lebenspartner: „Im November haben wir eine 72 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung im Stadtteil Wilmersdorf für etwa 150 000 Euro gekauft.“ Janßen besitzt bereits ein Zwei-Familienhaus in Oldenburg inklusive vermieteter Ferienwohnung. In Oldenburg und Umgebung habe er trotz monatelanger Suche keine Wohnung mit vernünftigem Preis-Leistungs-Verhältnis gefunden. Die Berliner Wohnung, in einem 1910 gebauten Haus mit 40 Mietparteien, das zuletzt in den 90er Jahren saniert wurde, sei sein Zweitwohnsitz. Mitte Februar werde er dort zum ersten Mal wohnen. Derzeit würden unter anderem Bad, Elektrik und Fußböden saniert. Janßen rechne mit Kosten von 25 000 bis 30 000 Euro.

Weil nach wie vor Kaufinteressenten von außerhalb nach Berlin drängen, weichen viele, die in der Hauptstadt eine Immobilie suchen, in Viertel rund um die begehrten Lagen aus. „Insbesondere Wohnungen in den bereits aufgewerteten Teilen von Wedding und Tiergarten sind derzeit als Ausweichquartiere für Mitte und Prenzlauer Berg gefragt. Die Preisspanne im sanierten Altbau liegt dort zwischen 2500 und 3000 Euro je Quadratmeter“, sagt die Berliner Maklerin Marina Buchmann. Nachgefragt würden vor allem Wohnungen mit drei und mehr Zimmern. Viele Käufer bestünden auf einem Arbeits- oder Gästezimmer. „Kaum noch jemand hat Lust seinen Laptop im Wohnzimmer auszupacken“, sagt Maklerin Buchmann.

Die Hauptstadt zählt zwar nicht zu den Top-Ten, dennoch ziehen auch dort die Preise an. „360 000 Euro habe ich bekommen, doch was nützt mir das“, klagt Albrecht Witzold*. Der 66-jährige Pensionär hat vor drei Monaten in Berlin-Charlottenburg seine 85 Quadratmeter große Wohnung verkauft. „Altbau mit Stuck, hat 2009 nur 185 000 Euro gekostet.“

Doch trotz des immensen Preiszuwachses ist der Mediziner im Ruhestand nicht glücklich. Angelandet in Düsseldorf, seiner alten Heimat, in der er aus familiären Gründen zurückgekehrt, muss er feststellen, das mit dem Geld zwar Wohnungen zu haben sind, aber „einen Altbau in guter Lage, den gibt es hier wohl dafür nicht mehr. Da muss ich mich wohl kleiner setzen“.

Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens, eng am Rhein gebaut, hat insbesondere im innenstadtnahen Bereich kaum noch Platz. Erstmals seit 1979 bevölkern seit vergangenem Sommer wieder mehr als 600 000 Einwohner die kleine Rheinmetropole, seit 1999 sind 30 000 neue Bürger hinzugekommen. Trend steigend: Düsseldorf wuchs zuletzt sogar um rund 500 Einwohner – pro Monat.

Vor allem Neubauten sind deshalb schon so teuer, dass „mir die Software ganz andere Werte bei der Finanzierung vorgibt“, so die Immobilienberaterin einer großen Volksbank. Übersetzt: Die Preise für Neubauten sprengen schon jetzt den üblichen Rahmen. Wer sich etwa im bei hippen Leuten beliebten Stadtteil Pempelfort in eine 127-Quadratmeter-Wohnung des Projekts „Le Flair“ einkauft, zahlt inklusive obligatorischer Garage und Nebenerwerbskosten rund 529 000 Euro. Statt zu kaufen, gibt es (vergleichbare) Wohnungen dort auch zu Mieten: Für rund 19 500 Euro inklusive Stellplatz jährlich.

Im feinen Düsseldorfer Stadtteil Golzheim hat die Kölner Patrizia Immobilien der Deutschen Bundesbank vor kurzem einen vor 40 Jahren errichteten Wohnkomplex abgekauft. Nun werden die Wohnungen des „Nordpark Ensemble“ einzeln oder in Paketen vermarktet. Geworben wird mit einer „äußerst gepflegten Wohnungsanlage“ und „grundsoliden Mietern“. Mehr als die 30-fache Jahresnettokaltmiete plus Kosten sollen Anleger hinlegen, etwa für eine 68-Quadratmeter-Wohnung, die genau 617,97 Euro Miete pro Monat einbringt. Die Bundesbank, so heißt es, soll das Objekt verkauft haben, weil es unter anderem energetisch noch sanierungsbedürftig sei.

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Dafür spricht, dass der Energieverbrauchskennwert laut Patrizia bei sehr schlechten 213 kWh liegt. Zudem kaufen Anleger den Mieter im Sack. Wie es in den oft seit Jahrzehnten an dieselben Personen vermieteten Wohnungen aussieht, lässt sich nur vermuten. Bilder gibt es öffentlich nicht. So wäre es nicht verwunderlich, verströmten Bäder noch den Charme der Siebziger.

*Name von der Redaktion geändert

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