Wohnraum für Studenten Jung, ledig sucht

Der Bäcker um die Ecke, die Kneipe und die nächste U-Bahn-Station nur wenige Hundert Meter entfernt - die ideale Lage einer Studenten-WG. Eine Studie zeigt, welchen Stadtteile bei Studenten am beliebtesten sind.

Wo junge Menschen in Deutschland wohnen wollen. Quelle: obs

„Wohnheim statt Wohnwagen“ wirbt das Studentenwerk Berlin auf seiner Internetseite für die Vermietung seiner 9500 Wohnheimplätze, „die außerordentlich nachgefragt sind“. Wie außerordentlich wird dem wohnungssuchenden Studenten ganz schnell klar, wenn er auf „Freie Plätze“ klickt und anschließend liest: „Leider keine freie Wohnung gefunden“.

Dabei geht die Jagd der Studenten auf ein Dach über dem Kopf in den deutschen Universitätsstädten doch erst zu Beginn des Wintersemesters im September und Oktober so richtig los. Für viele Erstsemester bleibt dann tatsächlich nur der Wohnwagen oder eine Turnhalle. Selbst in Kinosälen wurden Studenten schon untergebracht, weil sie nicht rechtzeitig eine Bleibe fanden.

Ab nächstem Monat schnellen die Zugriffszahlen auf den Internetportalen, die kleine Wohnungen oder Wohngemeinschaftszimmer anbieten, wieder schlagartig hoch. Doch nicht nur Studenten sind auf Wohnungssuche, sondern auch junge Berufstätige.

In diesen Städten wollen Studenten später arbeiten
Wirtschaftswissenschaftler haben besonders großes Interesse an einem Job im Ausland. Quelle: dpa
neun Prozent der befragten Studenten nach ihrem Abschluss nach Nürnberg gehen, um dort zu arbeiten. Quelle: dpa
Dresden zieht dagegen zehn Prozent der Absolventen an. Quelle: dpa
Elf Prozent der Studenten wollen in Düsseldorf arbeiten Quelle: dpa/dpaweb
Zwölf Prozent der Jungakademiker zieht es deshalb zu den Mittelständlern nach Leipzig Quelle: dpa
13 Prozent der Absolventen wollen in Stuttgart arbeiten. Quelle: dpa/dpaweb
Den vierten Platz teilen sich Frankfurt am Main und Köln am Rhein Quelle: dpa/Montage
München scheint vor allem für Absolventen der Informations- und Kommunikationstechnik interessant. Quelle: AP
Insgesamt wollen 27 Prozent in Deutschlands Start-up-Hochburg leben und arbeiten. Quelle: dpa
33 Prozent der Befragten sehen das so und wollen unbedingt in der Hansestadt leben. Quelle: dpa

Die müssen heute während der Ausbildung und den ersten Berufsjahren mobiler sein denn je. Wie die jungen Menschen wohnen wollen, ist für Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts (MMI), geklärt: „Die Wohngemeinschaft ist die beliebteste Wohnform junger Menschen.“

Wie sie in einer Stadt gerne wohnen möchten hat das MMI für sieben Metropolen herausgefunden und die Studie dem Handelsblatt vorab zur Verfügung gestellt. Die vom MMI dazu aufbereiteten Zahlen kommen von der WG-Zimmer-Vermittlungsplattform WG-Gesucht.de.

In diesen Städten können WG-Bewohner richtig sparen
WG-RabattWG oder Single-Wohnung? Viele angehende Studenten, die den Auszug aus dem elterlichen Heim planen, stehen vor dieser Frage. Das Immobilienportal „Immowelt“ hat in 65 deutschen Uni-Städten Quadratmeterpreise für Single-Wohnungen und WG-Zimmer verglichen. Das Ergebnis: In 60 Städten können Studenten sparen, wenn sie sich für eine Wohngemeinschaft entscheiden – zum Teil bis zu 47 Prozent. In Städten wie Rostock, Dresden und Düsseldorf dagegen zahlen WG-Bewohner drauf. Doch wo ist die Ersparnis am größten? Quelle: dpa
Platz 20: Trier (Rheinland-Pfalz)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10,30 Euro Quadratmeterpreis WG: 7,80 Euro Ersparnis: 24 Prozent Quelle: dpa
Platz 19: Mannheim (Baden-Württemberg)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 11,20 Euro Quadratmeterpreis WG: 8,50 Euro Ersparnis: 24 Prozent Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 18: Ingolstadt (Bayern)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 14 Euro Quadratmeterpreis WG: 10,60 Euro Ersparnis: 24 Prozent Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 17: Stuttgart (Baden-Württemberg)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 15,50 Euro Quadratmeterpreis WG: 11,70 Euro Ersparnis: 25 Prozent Quelle: dpa
Platz 16: Saarbrücken (Saarland)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 8,80 Euro Quadratmeterpreis WG: 6,60 Euro Ersparnis: 25 Prozent Quelle: dpa/dpaweb
Platz 15: Heidelberg (Baden-Württemberg)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 13,10 Euro Quadratmeterpreis WG: 9,80 Euro Ersparnis: 25 Prozent Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 14: Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 13,30 Euro Quadratmeterpreis WG: 10 Euro Ersparnis: 25 Prozent Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 13: Bamberg (Bayern)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10,60 Euro Quadratmeterpreis WG: 8 Euro Ersparnis: 25 Prozent Quelle: dpa
Platz 12: Passau (Bayern)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10,90 Euro Quadratmeterpreis WG: 8 Euro Ersparnis: 27 Prozent Quelle: dpa
Platz 11: Hildesheim (Niedersachsen)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 7,80 Euro Quadratmeterpreis WG: 5,70 Euro Ersparnis: 27 Prozent Quelle: dpa
Platz 10: Bayreuth (Bayern)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10,60 Euro Quadratmeterpreis WG: 7,40 Euro Ersparnis: 30 Prozent Quelle: dpa
Platz 9: Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10 Euro Quadratmeterpreis WG: 6,90 Euro Ersparnis: 31 Prozent Quelle: dpa
Platz 8: Paderborn (Nordrhein-Westfalen)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10 Euro Quadratmeterpreis WG: 6,80 Euro Ersparnis: 32 Prozent Quelle: dpa
Platz 7: Darmstadt (Hessen)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 13,40 Euro Quadratmeterpreis WG: 9,10 Euro Ersparnis: 32 Prozent Quelle: dpa
Platz 6: Erlangen (Bayern)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 13,50 Euro Quadratmeterpreis WG: 9 Euro Ersparnis: 33 Prozent Quelle: dpa
Platz 5: München (Bayern)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 22,70 Euro Quadratmeterpreis WG: 14,90 Euro Ersparnis: 34 Prozent Quelle: dpa
Platz 4: Koblenz (Rheinland-Pfalz)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 10 Euro Quadratmeterpreis WG: 6,60 Euro Ersparnis: 34 Prozent Quelle: dpa/dpaweb
Platz 3: Karlsruhe (Baden-Württemberg)Quadratmeterpreis Single-Wohnung: 14,20 Euro Quadratmeterpreis WG: 9,10 Euro Ersparnis: 36 Prozent Quelle: dpa
Platz 2: SiegenQuadratmeterpreis Single-Wohnung: 11 Euro Quadratmeterpreis WG: 6,90 Euro Ersparnis: 37 Prozent

Die wichtigste These des Instituts: „Wo eine hohe Nachfrage nach Wohngemeinschaftszimmern herrscht, dort wollen die jungen Menschen wohnen, auch die, die kein WG-Zimmer anstreben.“

Die Studie wurde für Investoren gemacht und von der GBI in Auftrag gegeben, die Studentenwohnungen und Hotels baut und an Investoren verkauft. Die Studie filtert anhand einer Vielzahl von Kriterien und mit Hilfe komplizierter statistischer Verfahren Quartiere von einer Größe von 500 mal 500 Metern heraus, in denen junge Menschen bevorzugt wohnen wollen.

Das Handelsblatt hat sich an zwei leicht nachvollziehbaren Auswahlkriterien der Studie orientiert, um die beliebtesten Stadtteile bei jungen Menschen herauszufiltern: Dem Anteil der 20- bis 25-jährigen in einem Stadtteil sowie die jeweilige Nachfrage nach WG-Zimmern.

Worauf es beim WG-Casting ankommt
Platz 9: Beruf oder Studiengang (3,9 Prozent)Juristen sind Spießer und Chemiker Nerds: Solche Klischees kümmern nur 3,9 Prozent der WG-Bewohner. Damit stellt dieser Punkt das belangloseste Kriterium dar, nach denen WGs ihre Anwärter aussortieren. Das WG-Vemittlungsportal wg-suche.de von Immobilienscout 24 hat solche Kriterien zusammengetragen und dazu zwischen August und Oktober 2013 über 1.000 Studenten online befragt. Quelle: dpa
Platz 8: Alter (6,7 Prozent)In manchen WGs spielt das Alter der Interessenten eine Rolle. Schließlich ist es was anderes, ob Erstis frisch von der Schule, Masterstudenten oder ein Dauerstudenten von Mitte 30 im vierten Bachelorstudium zusammenkommen. Daher ist 6,7 Prozent das Alter der WG-Bewerber wichtig. Quelle: Fotolia
Platz 7: Geschlecht (6,9 Prozent)Ob ein Mann oder eine Frau bei ihnen einzieht, ist für 6,9 Prozent relevant. Schließlich wollen manche ihre lieb gewonnene Mädels-WG oder Junggesellenbude nicht kaputtmachen, weil ein Vertreter des anderen Geschlechts bei ihnen einzieht. Quelle: Fotolia
Platz 6: Aussehen (10 Prozent)Es kommt auf die inneren Werte an? Nicht nur! Zehn Prozent schauen bei der Wahl ihrer künftigen Mitbewohner auf deren Erscheinungsbild. Quelle: dpa
Platz 5: Hobbys (11,4 Prozent)Für viele ist die WG mehr als eine Zweckgemeinschaft, sondern eine zweite Familie: Es geht darum, neue Kontakte zu knüpfen, gemeinsam zu kochen, zu feiern und was zu unternehmen. Da ist es wichtig, gemeinsame Hobbys zu haben. Darauf achten 11,4 Prozent der Umfrageteilnehmer. Quelle: dpa
Platz 4: Raucher oder Nicht-Raucher (18,6 Prozent)Wer Raucher ist, sollte das direkt auf den Tisch legen. Schließlich gibt es einiges zu klären: Wie tolerant ist die WG beim Rauchen? Rauchen die Bewohner selbst? Ist Rauchen in der WG in Ordnung? Muss der Anwärter auf den Balkon, um sich einen Glimmstängel anzuzünden? Und was ist, wenn es keinen Balkon gibt? Auch als Nicht-Raucher sollte man die Raucherfrage stellen. Denn wer als Nicht-Raucher in eine Raucher-Gemeinschaft zieht, könnte daran wenig Freude haben. Quelle: dpa
Platz 3: Einkommen (22,8 Prozent)Studenten-Konten sind meist bescheiden gefüllt. Für Miete, Strom, Telefon & Co. sollte es aber trotzdem reichen. Daher schauen 18,6 Prozent auf das ausreichende Einkommen ihrer möglichen künftigen Mitbewohner. Quelle: dpa
Platz 2: Passen zur WG (50,3 Prozent)Passt der Anwärter zur WG? Ein Saubermann in der Schmuddel-Wohnung, ein Samstagabendlerner in der Partybude oder ein Hippie in der Business-WG: Solche Kombinationen führen über kurz oder lang zu Problemen. Daher achtet die Hälfte der Befragten darauf, ob die Interessenten zur WG passen. Quelle: Fotolia
Platz 1: Sympathisches Auftreten (69,4 Prozent)Darin sind sich über zwei Drittel einig - und damit die meisten Mitbewohner: Bei WG-Bewerbern kommt es aufs sympathische Auftreten an. Das ist somit wichtiger als Kriterien, Rauchen, Einkommen oder die Hobbys. Quelle: Fotolia

Begründung: Junge Menschen zieht es vor allem dorthin, wo viele Gleichaltrige wohnen. Die Quote der 20- bis 25-jährigen eines Stadtteils ist also bei der Untersuchung ein entscheidendes Kriterium. Doch allein die Quote reicht für die Analyse nicht aus. Das zeigt das Beispiel Hamburg: Der Anteil der 20- bis 25-Jährigen ist im gutbürgerlichen Hamburger Stadtteil Alsterdorf fast so hoch wie im Studentenviertel Eimsbüttel. Dennoch gehört Alsterdorf nicht zu den beliebtesten Stadtteilen, weil das Angebot an WG-Zimmern deutlich kleiner ist als in Eimsbüttel.

Der Grund: Alsterdorf ist stark von Einfamilienhäusern geprägt. Das legt die Vermutung nahe, dass dort junge Menschen eher zu Hause wohnen bleiben, sobald sie studieren oder eine Ausbildung beginnen. So erklärt sich der vergleichsweise hohe Anteil junger Erwachsener in Alsterdorf bei gleichzeitig geringer WG-Nachfrage.

Deshalb wurde das Kriterium „WG-Nachfrage“ vom Handelsblatt bei der Auswahl der Stadteile übergewichtet. Die vom MMI dazu aufbereiteten Zahlen kommen von der WG-Zimmer-Vermittlungsplattform WG-Gesucht.de.

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