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WohnungsbauDiese Grafiken zeigen, warum sich die Wohnungskrise noch verschärfen wird

Der Einbruch bei Baugenehmigungen setzt sich fort. Das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. So rücken die Ziele der Ampelkoalition noch weiter in die Ferne.Martin Gerth 18.10.2023 - 18:23 Uhr

Derzeit werden in Deutschland deutlich weniger neue Wohnungen gebaut als nötig. 

Foto: imago images

Der Absturz bei Baugenehmigungen geht weiter. Im August ging deren Zahl gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,6 Prozent zurück, meldet das Statistische Bundesamt. Von Januar bis August dieses Jahr gab es 28,3 Prozent weniger Genehmigungen für neue Wohnungen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hat bereits eingeräumt, dass das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich in diesem Jahr nicht zu erreichen ist. 

Die Krise im Wohnungsbau trifft nicht nur Mehrfamilienhäuser. Auch bei Eigenheimen zeigt der Trend weiter nach unten. Von Januar 2022 bis Juli 2023 hat sich die Zahl der genehmigten Einfamilienhäuser in etwa halbiert.

Dieser Einbruch trifft vor allem Wohnraum in den Speckgürteln rund um die Städte als auch den ländlichen Raum, wo noch ausreichend Baugrundstücke für Einfamilienhäuser vorhanden sind. 

Dabei ist der Bedarf an Wohnraum enorm, nicht zuletzt durch die Migration nach Deutschland. Die Wohnungsbauunternehmen schlagen daher Alarm. „Deutschland braucht dringend neue bezahlbare Wohnungen. Ansonsten steht der soziale Frieden auf dem Spiel“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Gedaschko fordert verbilligte Kredite im Gegenzug für günstigere Mieten, so wie es in einigen europäischen Staaten bereits praktiziert werde.  

Wie sich der Wohnungsmarkt jetzt entwickelt

Richtig ist, dass die steigenden Bauzinsen das Tempo beim Neubau deutlich verlangsamt haben. So schreibt das Ifo-Institut in seiner Analyse zur aktuellen Lage am Wohnungsbau: „Bauprojekte, die noch Anfang 2022 rentabel waren, sind heute oftmals nicht mehr finanzierbar.“ Inzwischen schlägt die Flaute bei den Genehmigungen auch auf die Bautätigkeit durch. Laut Ifo-Institut meldeten zuletzt 46 Prozent der befragten Unternehmen Auftragsflaute. Das langjährige Mittel läge bei 25,6 Prozent. 

Während die Zinsen weiterhin die Bautätigkeit hemmen, entspannt sich die Lage bei den Baupreisen. Laut Ifo Institut stiegen die Baupreise von Mai bis August dieses Jahres nur noch um 0,2 Prozent. Die Ifo-Wissenschaftler erklären das so: „Die Konkurrenz um neue Aufträge treibt die Unternehmen vermehrt zu Preiszugeständnissen an die Kunden.“ Auch in den kommenden Monaten gingen die befragten Bauunternehmen von weiter sinkenden Preisen aus, so das Ifo-Institut.

Baubranche

Viele Baumaterialien werden noch teurer

Allerdings bedeutet die Entspannung bei den Baupreisen keine Entwarnung für den Wohnungsbau. Denn das Ifo-Institut geht davon aus, dass sich die Wohnungsbauinvestitionen in diesem Jahr preisbereinigt um 2,1 Prozent verringern. Im kommenden Jahr soll der Rückgang mit minus 3,6 Prozent sogar noch größer sein. Erst 2025 sei mit einer leichten Erholung zu rechnen. 

Natürlich hemmen auch Bauvorschriften und Mietpreisregulierung hierzulande den Neubau. Allerdings wäre es zu einfach, die Flaute beim Wohnungsbau allein als deutsches Problem darzustellen. Denn auch im europäischen Ausland liegt der Wohnungsbau darnieder. In Schweden beispielsweise ging im ersten Quartal dieses Jahres die genehmigte Wohnfläche um 56 Prozent zurück, wie Catella Real Estate meldet. In Frankreich lag der Rückgang bei 37 Prozent. In Deutschland waren es dagegen nur minus 31 Prozent. 

Die Folgen der lahmenden Baukonjunktur dürften auch europaweit laut Catella dramatisch sein. „Das erzeugt ein Angebotsdefizit, die Mieten im Wohnungsbestand dürften steigen und damit die soziale Kluft vergrößern“, sagt Thomas Beyerle, Research-Leiter bei Catella. 

Lesen Sie auch: Wie sich der Immobilienmarkt im dritten Quartal entwickelt hat. Statt den Kaufpreisen boomen jetzt die Mieten.

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