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Wohnungseinbrüche Faktencheck: Hochsaison für Einbrecher?

Wohnungseinbrüche - Faktencheck Quelle: imago images

Alle viereinhalb Minuten brechen Kriminelle in eine Wohnung oder ein Haus ein. Sind die Deutschen immer unsicherer in den eigenen vier Wänden? Und kommen die Diebe im Schutz der Dunkelheit? Ein Faktencheck.

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Den Beginn der dunklen Jahreszeit nutzt die Polizei regelmäßig zur Warnung vor Wohnungseinbrüchen. Sicherheitsverbände rufen dazu auf, die eigenen Türen und Fenster einbruchssicherer zu machen. Aber wird tatsächlich vor allem im Herbst und Winter eingebrochen, wenn es draußen früher und länger dunkel ist? Und wie steht's um die deutsche Einbruchsquote insgesamt? Die Fakten im Überblick:

Behauptung: Es wird immer öfter eingebrochen

Falsch. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte bundesweit 2017 zum zweiten Mal in Folge einen Rückgang. Während die Zahlen von 2008 bis 2015 kräftig stiegen, war 2017 mit 319 erfassten Einbrüchen pro Tag wieder in etwa auf dem Niveau von 2009. Mögliche Gründe: Die Bundesregierung hat die Strafen verschärft, Bewohner haben ihre Häuser sicherer gemacht. Allerdings sind im Jahr 2017 in 75 deutschen Regionen die Fallzahlen nach oben gegangen. Den höchsten Anstieg im Vergleich zu 2016 verzeichneten der Rheingau-Taunus-Kreis (47 Prozent), Darmstadt (38) und Braunschweig (28).

Behauptung: Großstädter sind besonders gefährdet

Falsch. Wegen ihrer hohen Bevölkerungszahl standen bei den absoluten Zahlen zwar die Metropolen Berlin, Hamburg und Köln 2017 mit zusammen rund 17.500 registrierten Einbrüchen an der Spitze. München war mit knapp 1000 Taten weniger betroffen. Die sichersten Großstädte: Erlangen (37 Fälle), Jena (41) und Reutlingen (49). Betrachtet man aber Einbrüche anteilig zu allen registrierten Straftaten, zeigt sich ein anderes Bild. Laut BKA lagen 2017 Landkreise in Großstadtnähe ganz vorn: Osterholz bei Bremen, der Rheingau-Taunus-Kreis bei Wiesbaden sowie Harburg und Stormarn bei Hamburg. Hier war der Anteil mit je rund 5 Prozent etwa doppelt so hoch wie der Bundesschnitt.

Behauptung: Einbrecher haben im Dunkeln leichte Beute

Nicht unbedingt. Nach Angaben des BKA für 2017 kam es zwischen 21.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens zu drei von fünf Einbrüchen. Zu diesem Zeitraum wurden aber auch Fälle mit unbestimmbarer Uhrzeit gezählt – etwa wenn die Bewohner übers Wochenende weggefahren oder im Urlaub waren. Auf Monate bezogen wurde 2017 häufiger im Winter eingebrochen als im Sommer – laut BKA-Tatzeitstatistik im Dezember zum Beispiel so oft wie im August und September zusammen. Zur Umstellung von Sommer- auf Winterzeit am Sonntag hatte man deshalb unter Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wieder den „Tag des Einbruchschutzes“ ausgerufen, um mit Beginn der dunklen Jahreszeit über Einbruchschutz zu informieren. Wie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen zuletzt in einer 2017 veröffentlichten Studie über ungeklärte Taten der Jahre 2011 und 2012 in NRW herausfand, glücken Einbrüche allerdings besonders im Hellen - etwa weil die Bewohner dann außer Haus sind. Zudem kommt es auf die Lage der Häuser an.

Behauptung: Deutschland ist in Europa besonders betroffen

Falsch. Trotz seiner zentralen Lage zwischen West und Ost gibt es hierzulande weit weniger Einbrüche als in anderen wirtschaftsstarken EU-Ländern. Mit 184 erfassten Einbrüchen auf 100.000 Einwohner stand die Bundesrepublik im jüngsten Ländervergleich von Eurostat 2016 besser da als etwa Spitzenreiter Dänemark (778 Fälle), Schweden (429), Luxemburg (368), Frankreich (361) oder die Schweiz (313).

Behauptung: Einbrecher sind meistens Ausländer

Falsch. Am häufigsten ermittelte die Polizei deutsche und örtlich-regionale Tatverdächtige – oft bekannte Gewohnheitstäter, zum Beispiel Drogenkonsumenten, die durch Einbrüche ihre Rauschgiftsucht finanzieren. Die Studie des LKA NRW kam für geklärte Fälle zu dem Ergebnis, dass verdächtige Einbrecher in fast 90 Prozent der Fälle männlich und im Mittel knapp 27 Jahre alt waren. Demnach besaßen rund 64 Prozent der Verdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit; mit knapp 22 Prozent bildeten Tatverdächtige mit einer osteuropäischen Staatsangehörigkeit laut der Studie die zweitgrößte Gruppe. Nach BKA-Angaben hat der Anteil überregional und international agierender Tatverdächtiger „kontinuierlich zugenommen“. Solche „reisende Täter“ stammten häufig aus Südost- und Osteuropa.

Wie Sie Ihr Haus richtig sichern
Schwachstelle FensterBei Einfamilienhäusern kommen die Täter besonders häufig durch Fenster und Balkontüren. Sie lassen sich oft schon mit einfachsten Werkzeugen wie einem Schraubenzieher oder auch nur einem kräftigen Tritt öffnen. Bei neuen Fenstern sollte auf die sogenannte Widerstandsklasse geachtet werden - mindestens Klasse 2 nach DIN EN 1627. Fenster mit abschließbaren Fenstergriffen bieten nur eine trügerische Sicherheit. Bei praxisnahen Prüfungen wird sichergestellt, dass diese Fenster weder am Rahmen, noch beim Glas oder dem Beschlag Schwachpunkte haben. Die Einordnung in Widerstandsklassen geht bis Klasse 6, wobei 2 und 3 im privaten Bereich üblicherweise ausreichen. Beim Einbau sollte nicht gespart werden - die einbruchhemmenden Fenster erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie auch fachgerecht verbaut wurden. Lassen Sie sich eine Montagebescheinigung aushändigen. Quellen: Polizei-Beratung, Abus, K-Einbruch Quelle: dpa
Fenster nicht kippenFenster sollten auch bei kurzer Abwesenheit immer verschlossen bleiben. Generell gilt die Regel: Gekippte Fenster sind offene Fenster. Vergitterungen mindern die Gefahr eines Einbruchs. Sie können zum Beispiel an Terrassen- oder Balkontüren angebracht werden, so dass sie zum Lüften auf Kipp gelassen werden können. Quelle: dpa
Rollläden sichernRollläden bieten nur geringen Schutz, meist können sie durch einfaches Hochschieben überwunden werden. Hier sollten Sie in jedem Falle Zusatzsicherungen einbauen lassen, die das Hochschieben von außen verhindern. Geschlossene Rollläden signalisieren außerdem Abwesenheit - daher sollten sie tagsüber nicht runtergelassen werden, rät die Polizei. Quelle: dpa Picture-Alliance
Einbruchhemmende TürenBei Mehrfamilienhäusern kommen die Täter häufiger durch die Eingangstür. Einbruchhemmende Türen, ebenfalls ab Widerstandsklasse 2, bieten einen guten Einbruchschutz. Auch hier sollten Sie auf eine Montagebescheinigung bestehen. Lassen Sie sich nicht überrumpeln: Ein Zusatzschloss mit Sperrbügel verhindert ein Aufstoßen einer spaltbreit geöffneten Tür. Quelle: dpa Picture-Alliance
Sicheres TürschlossEin einfaches Türschloss ist schnell geknackt. Die Polizei empfiehlt einbruchhemmende Schlösser mit besonders geschütztem Profilzylinder. Ein Beschlag mit zusätzlicher Zylinderabdeckung bietet zusätzliche Sicherheit. Doch auch das beste Schloss bringt nichts, wenn das Türblatt zu schwach ist - dann sollte es am besten zusammen mit dem Rahmen durch eine neue einbruchhemmende Tür ersetzt werden. Quelle: dpa
Verlorene Schlüssel nicht einfach ersetzenEin großer Schwachpunkt bei Haustüren sind die Schlüssel. Haben Sie einen Schlüssel verloren, sollten sie sofort den Schließzylinder austauschen. Bei einer Tür mit Glasfenstern sollte man außerdem den Schlüssel nie von innen stecken lassen. Quelle: dpa
Schlüssel nicht versteckenOb hohle Figuren, Steine oder unter Pflanzen - das Verstecken des Schlüssels vor der Haustür ist gefährlich. Einbrecher kennen mittlerweile jedes Versteck, auch wenn es einem selbst noch so kreativ erscheint. Quelle: dpa
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