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Wohnungsmarkt Düsseldorf Massenbesichtigungen am Rhein

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Baugeld ist immer noch billig

Beruflich etabliert zwar, aber immer ein wenig auf Abruf. „Man weiß ja nie, ob man nicht beruflich noch mal umziehen muss“, sagt Daniel Perak, der Maschinenbau-Ingenieur, „und anders als in London oder Paris sind die Mieten ja auch immer noch erschwinglich.“

Deutschland hat mit nur 40 Prozent nach der Schweiz die niedrigste Wohneigentumsquote im europäischen Vergleich. Aber auch das beginnt sich zu verändern. Die alten Flexibilitäts-Argumente wiegen bei vielen plötzlich weniger als „der starke Wunsch, was Eigenes zu haben“, sagt Daniela Perak, „der entsteht doch bei fast jedem, so zwischen 30 und 40 “, meint die Galeristin.

„Sie wurden überboten“

Das Geld dazu wäre auch bei ihnen da, allein am geeigneten Objekt scheitert bisher der Plan. In der Cranachstraße im Düsseldorfer Stadtteil Flingern hatten sie eine Wohnung im Auge. Die Cranachstraße ist keine schöne Straße. Vierspurig umtost der Verkehr dort die dreckig-grauen Fassaden; hohe Häuser bilden eine enge Schlucht, aus der weder Staub noch Lärm so leicht entweichen. Peraks zögerten: die Wohnung ganz nett, aber die Lage?

350.000 Euro wollte der Verkäufer haben. Nach zwei Tagen rief er an und teilte mit, die Wohnung sei weg, ein Interessent habe 375.000 Euro bar auf den Tisch gelegt. Ein anderer ließ 40 Interessenten zu einer Massenbesichtigung antanzen. Im Flur lagen, abgezählt, 40 Paar alte Socken. Weil der Verkäufer Schmutz und Kratzer im Parkett fürchtete, sollten die Interessenten die Socken überziehen.

Einmal waren Peraks mit dem Verkäufer einig. Sie hatten die Kreditzusage der Bank in der Tasche, „wir saßen mit gezücktem Füller beim Notar“, sagt Daniel. Da stand der Verkäufer plötzlich auf und lief telefonierend aus dem Raum. „Tut mir leid, Sie wurden überboten“, teilte er lapidar mit. „Der Makler wollte uns überreden, auch höher mitzubieten, aber wir waren schon davor über unsere Schmerzgrenze gegangen“, sagt Daniel.

13 Mal ist ihnen das so oder so ähnlich passiert in den letzten Monaten. Daniel Perak ist inzwischen „Immobilien-Suchprofi“, sagt er. Er schiebt die schwarze Hornbrille zurecht, bestellt sich noch ein Peroni-Pils, und erzählt: „Ich gehe nicht mehr ohne Digitalkamera aus dem Haus. Von Baustellenschildern fotografiere ich die Telefonnummern der Bauträger ab“, erklärt er, „damit ich auf die Liste komme, bevor das Ding in die Vermarktung geht – aber man ist selten der Erste, der anruft.“

Dabei wird so viel gebaut wie seit Jahren nicht. In Düsseldorf kann man schon in Stein und Beton besichtigen, was in Hamburg-Altona noch vage Planung ist: ein gigantisches Wohnbauprojekt auf der Fläche eines früheren Bahngeländes. Auf 36 Hektar – das sind 360.000 Quadratmeter oder mehr als 50 Fußballfelder – sollen bis 2015 rund 1500 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 140.000 Quadratmetern entstehen. Die Baustelle frisst sich entlang der Bahntrasse von Süden nach Norden, mitten durch das zentrale Viertel Derendorf. Im Süden, wo schon 2007 die ersten Häuser aus dem Boden gestampft wurden, sind bereits 400 Wohnungen bewohnt; vor Kurzem war im mittleren Abschnitt Richtfest; die letzten Hausschlüssel sollen 2015 im Norden an die neuen Besitzer übergeben werden.

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