Wohnungsmarkt So ist Deutschlands Wohnungsmangel lösbar

In Deutschlands Städten fehlen Wohnungen. Aber das Problem ist lösbar: durch neue Wohnformen und weniger bürokratische Regeln.

Papierzettel mit Wohnungsgesuchen. Quelle: dpa

Mangel provoziert Auswüchse – auf dem Wohnungsmarkt haben wir uns daran gewöhnt. In Köln zahlen Studenten inzwischen bis zu 25 Euro Miete für den Quadratmeter; mehr als das Doppelte dessen, was Vermieter durchschnittlich in der Domstadt für Kleinwohnungen in guter Lage verlangen. Wer da nicht mehr mithalten kann, weicht wie viele Alleinerziehende und Familien mit kleinem Einkommen in Gebiete fern der teuren Städte aus, muss dafür aber zeitraubend zur Arbeit pendeln.

Vor allem in Metropolen wie München, Hamburg und Köln, aber auch an begehrten Studienorten wie Münster und Göttingen herrscht akuter Wohnungsmangel. Der treibt die ohnehin schon hohen Mieten weiter nach oben. In Freiburg müssen Mieter schon fast ein Drittel ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Suchen wie jetzt zusätzlich Hunderttausende Flüchtlinge eine Bleibe, verschärft das die Lage.

5 Schritte für mehr Wohnraum

Schon vergangenes Jahr hausten, so die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, rund 335 000 Menschen in Notunterkünften. Besser wird es nicht. Zwar entstanden 2014 etwa 245 000 neue Wohnungen, aber nur 70 000 preisgünstige. Gebraucht werden dem Verbändebündnis Sozialer Wohnungsbau zufolge aber mindestens 140 000 günstige Bleiben im Jahr – also doppelt so viele.

Mietpreisexzesse, Knappheit, Verdrängung: Wie kommen die begehrten Regionen raus aus dieser verhängnisvollen Spirale? Unter dem Druck der Flüchtlingskrise macht sich nun endlich die Politik daran, Antworten auf diese schon lange drängende Frage zu suchen. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) hat sich festgelegt und setzt auf eine Mischung aus finanziellen Anreizen sowie dem Entrümpeln der Bauordnungen. An diesem Freitag macht das von ihr initiierte Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen mit Vertretern der Wirtschaft, der Mieter und Gewerkschaften dazu Vorschläge. Doch bis das Wirkung erzielt, wird noch einige Zeit vergehen. Daher ist weiter die Kreativität von Architekten und Bauherren gefordert, die schon heute in Projekten von Freiburg bis Flensburg zeigen: Günstiges Bauen geht auch ohne große Abstriche.

Was bewirkt die Mietpreisbremse?
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16 Vorschriften für Aufzüge

Wer in Ballungsgebieten Wohnraum für Menschen ohne viel Geld schafft, den soll der Staat befristet fördern – das zumindest wünscht sich Bauministerin Hendricks. Zurzeit verhandelt sie mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) darüber, in den ersten Jahren besonders hohe Steuerabschreibungen für Investoren zuzulassen (degressive AfA). Zwei Milliarden Euro zusätzlich will der Bund bis 2019 für den sozialen Wohnungsbau an die Länder geben, insgesamt wären es dann vier Milliarden Euro.

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen stört sich zudem an der Grunderwerbsteuer. Spitzenreiter wie Nordrhein-Westfalen verlangen 6,5 Prozent Taxe auf den Immobilienpreis. Nur Bayern und Sachsen begnügen sich noch mit 3,5 Prozent; der Satz galt bis zur Föderalismusreform 2006 bundesweit. Das Bündnis wird daher fordern, die Grunderwerbsteuer wieder auf diesen Prozentsatz zu beschränken.

Die Mieten-Pläne der Bundesregierung

Auch die vielen verschiedenen Vorschriften der Bundesländer treiben die Kosten, weil sie ein standardisiertes – und damit günstiges Bauen – behindern. So gibt es etwa 16 verschiedene Bestimmungen für Aufzüge in Wohnhäusern, für jedes Land eine. Auch Dichte und Höhe des Wohnungsbaus sind penibel geregelt. „Wien und Paris sind beste Beispiele dafür, dass man höher und dichter bauen, kann, ohne dass die Lebensqualität leidet“, sagt Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA). Das Bündnis will daher Lärm- und Emissionsvorschriften entschärfen, die das Bauen in bel(i)ebten Vierteln und nahe Gewerbegebieten fast unmöglich machen (siehe Kasten Seite 60). Selbst der baupolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Chris Kühn, ist für eine dichtere Bebauung in Ballungszentren: „Das ist billiger, als neue Viertel zu erschließen.“ Die heftig umstrittene Forderung, Standards bei den Energiesparvorschriften zu senken, ist vom Tisch.

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