Wohnungspreise Immobilienkäufer können mit sinkenden Preisen rechnen

Seit 2009 sind die Immobilien-Kaufpreise nach Angaben der Immobilienweisen bundesweit um 61 Prozent gestiegen. Quelle: dpa

Die „Immobilienweisen“ erwarten ein Ende der Preisrally. Davon profitieren Käufer in drei Großstädten.

Der „Rat der Immobilienweisen“ geht in seinem Frühjahrsgutachten davon aus, dass in mancher deutschen Großstadt der nunmehr seit acht Jahren andauernde Kauf- und Mietpreisanstieg bald zu Ende sein dürfte. Für München, Berlin sowie Stuttgart „sehe ich meine letztjährigen Prognosen bestätigt, hier rechne ich weiterhin mit einem Kaufpreisrückgang“, erklärt Harald Simons, Vorstand des Forschungsinstituts Empirica. Simons analysiert im Gutachten die deutschen Wohnungsmärkte.

Für Hamburg, Köln und Düsseldorf seien die Aussichten bislang uneinheitlich, für Frankfurt werde der Brexit entscheidend sein. „Die Zeiten der stürmischen Entwicklung der Wohnungsnachfrage sind in München, Berlin und Stuttgart zu Ende gegangen“, sagt Simons, einer von vier Sachverständigen, die regelmäßig Anfang des Jahres eine Bestandsaufnahme und Prognose zum Zustand der deutschen Immobilienmärkte vorlegen.

Die Zuwanderung in diese Städte habe sich verlangsamt. Gleichzeitig wachse das Wohnungsangebot kräftig: Die vergleichsweise hohe Zahl an Baugenehmigungen, die in den vergangenen Jahren beantragt wurden, münde jetzt in höhere Fertigstellungen, argumentiert Simons.

2017 dürften mehr als 300.000 Wohnungen fertiggestellt worden sein, und 2018 dürften es nochmals mehr werden. Vor allem Berlin stehe, gemessen an den bisherigen Erfahrungen, „vor einer regelrechten Fertigstellungswelle“. Die Experten rechnen 2018 mit rund 18.700 neuen Wohnungen in der Hauptstadt, was in etwa der Nachfrage entsprechen dürfte. 2016 waren es erst 13.700, 2014 nur 8700 Wohnungen. Bundesweit dränge sich der Eindruck einer leichten Abschwächung der Kaufpreisentwicklung auf, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden, schreiben die Immobilienweisen in ihrem Frühjahrsgutachten. Konkret rechnen sie mit einem Rückgang der Kaufpreise vor allem in München und Berlin und möglicherweise auch in Stuttgart um real ein Viertel bis ein Drittel innerhalb der nächsten fünf Jahre. 

Seit 2009 sind die Kaufpreise nach Angaben der Immobilienweisen bundesweit um 61 Prozent gestiegen. Real, also unter Berücksichtigung der Inflation, sind das zehn bis 15 Prozentpunkte weniger. Die Bundesbank hatte erst am Montag erneut vor kräftigen Preisübertreibungen in deutschen Großstädten gewarnt. Die Überbewertungen hätten weiter zugenommen und lägen inzwischen bei rund 35 Prozent, teilte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Februar mit. 

Insgesamt allerdings stiegen bundesweit auch 2017 die Kaufpreise für Eigentumswohnungen weiter an. Mit 7,9 Prozent fiel das Plus im Vergleich zu 2016 jedoch weniger stark aus als zuvor. 2015 und 2016 hatten sich die Preise noch mit einer Jahresrate von 8,8 Prozent erhöht. Im bundesweiten Mittel kosten Eigentumswohnungen aus dem Bestand aktuell 2.120 Euro pro Quadratmeter.

Die Wohnungsmieten stiegen 2017 mit 4,3 Prozent etwas stärker als im Vorjahr (+ 3,1 Prozent). Unter Berücksichtigung der allgemeinen Inflation, heißt es im Frühjahrsgutachten, entspreche dies einem realen Anstieg von 2,5 Prozent. Deutschlandweit lag der mittlere Mietpreis 2017 bei 7,46 Euro pro Quadratmeter und Monat.


© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%