Wohnungspreise in Big Apple Stabile Blase auf New Yorks Immobilienmarkt

Erst Russen, dann Chinesen: Superreiche pumpen in Manhattan eine Immobilienblase auf. Das erinnert fatal an den Boom vor dem Crash auf dem US-Häusermarkt 2008.

Wo sich Blasen aufbauen
Deutschl andHauspreis zu Miete: -14 % (Unterbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: -16 % (Unterbewertung) (Hauspreise gemessen an ihrem historischen Durchschnittsverhältnis zu Mieten und Durchschnittseinkommen) Die Zahlen zeigen, dass deutsche Immobilienkäufer nach wie vor solide finanzieren. Auch wenn es in einzelnen Metropolen zu Überhitzungen gekommen ist, so geht für die gesamte Wirtschaft noch keine Gefahr vom Immobilienmarkt aus. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
NiederlandeHauspreis zu Miete: +6 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +23 % (Überbewertung) Die Niederlande kämpfen seit vielen Jahren mit einer Immobilienkrise. Inzwischen sind die Preise zwar deutlich gefallen, aber noch immer sind Häuser recht sportlich bewertet. Quelle: Deutsche Bank Quelle: AP
ÖsterreichHauspreis zu Miete: +13 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +15 % (Überbewertung) Auch in Österreich sind Immobilien teuer, gemessen an den Mieten und Durchschnittseinkommen. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
DänemarkHauspreis zu Miete: +15 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +9 % (Überbewertung) Dänen finanzieren gerne Wohnung und Haus ohne monatliche Tilgungsraten. Die Banken machen das, weil sie von deutlich steigenden Immobilienpreisen und steigenden Einkommen ausgehen. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
SpanienHauspreis zu Miete: +20 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +13 % (Überbewertung) Der Immobilienboom führte in Spanien lange zu massiver Bautätigkeit. Heute zeugen Rohbauten und leerstehende Gebäude vom Platzen der Immobilienblase. Noch sind die Preisübertreibungen nicht abgebaut. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
SchwedenHauspreis zu Miete: +32 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +16 % (Überbewertung) Die Hauspreise in Schweden haben sich wie dieses "Turning Torso" genannte Appartment-Hochhaus weit in den Himmel geschraubt. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa/dpaweb
FrankreichHauspreis zu Miete: +36 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +29 % (Überbewertung) Frankreichs Wirtschaft kommt nicht recht in Schwung. Die Gefahren für hochverschuldete Haushalte nehmen zu. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
GroßbritannienHauspreis zu Miete: +36 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +25 % (Überbewertung) Viele Briten sind besitzen Haus oder Apartment. In Londoner Stadtteilen wie Mayfair haben die Immobilienpreise utopische Höhen erreicht, die sich nur erfolgreiche Hedgefondsmanager oder andere Superreiche leisten können. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
FinnlandHauspreis zu Miete: +47 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: -2 % (Unterbewertung) Die Finnen können sich den Zahlen zufolge zwar den Immobilienkauf leisten, im Verhältnis zu den Mieten sind Immobilien dort jedoch dramatisch überteuert. Quelle: Deutsche Bank Quelle: Creative Commons - Tpienonen
AustralienHauspreis zu Miete: +52 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +29 % (Überbewertung) Der Boom der Schwellenländer bescherte Australien dank seines Rohstoffreichtums einen jahrelangen Aufschwung. Davon profitierte auch die Finanzwirtschaft. Jetzt zeigt die australische Wirtschaft zunehmend Schwächen. Quelle: Deutsche Bank Quelle: obs
SingapurHauspreis zu Miete: +58 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: - Singapur ist eine zentrale Finanzdrehscheibe für internationales Kapital. Hauskäufer brauchen viel Geld. Quelle: The Economist Quelle: dpa
BelgienHauspreis zu Miete: +62 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +50 % (Überbewertung) Auch in unserem Nachbarland sind Hauspreis und Mieten längst aus den Fugen geraten. In unserem Ranking erreicht Belgien die fünfthöchste Überbewertung von Immobilienpreisen im Verhältnis zur Miete. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
NorwegenHauspreis zu Miete: +69 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +28 % (Überbewertung) Norweger gelten als die reichen Leute Europas - und zusammen mit den Dänen als besonders zufrieden. Vielleicht sind sie auch nur besonders sorglos, denn die Immobilienpreise sind längst im roten Bereich. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
NeuseelandHauspreis zu Miete: +77 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +26 % (Überbewertung) Wir kennen Neuseeland vor allem als vielfältiges Naturparadies. Auf dem Häusermarkt ist es mit der Idylle jedoch vorbei. Die Überbewertung am Immobilienmarkt erreicht den dritthöchsten Wert in unserem Ranking. Quelle: Deutsche Bank Quelle: dpa
HongkongHauspreis zu Miete: +81 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: - Der Status als Sonderwirtschaftszone Chinas spült viel Geld nach Hongkong. Dem Häusermarkt ist das deutlich anzumerken Quelle: The Economist Quelle: REUTERS
KanadaHauspreis zu Miete: +88 % (Überbewertung) Hauspreis zu Durchschnittseinkommen: +32 % (Überbewertung) Gemessen an diesen Zahlen ist der kanadische Immobilienmarkt der teuerste der Welt - noch vor der chinesischen Sonderwirtschaftszone Hongkong. Häuser und Wohnungen verteuerten sich in den vergangenen Jahren um fast 40 Prozent. Am stärksten war Toronto von den Preissteigerungen betroffen. Inzwischen kühlt der Markt ab, die Neubaugenehmigungen gingen im Januar um sechs Prozent zurück. Dank staatlicher Ermunterung, Immobilienkäufe zu mehr als 80 Prozent auf Kredit zu finanzieren, war der kanadische Durchschnittshaushalt mit 164 Prozent seines verfügbaren Einkommens verschuldet. In den USA lag dieser Wert vor dem Platzen der Immobilienblase bei 165 Prozent. (Hauspreise gemessen an ihrem historischen Durchschnittsverhältnis zu Mieten und Durchschnittseinkommen) Quelle: Deutsche Bank Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Manhattan brummt wieder. Nicht nur die Wall Street am südlichen Zipfel der Insel feiert. Auch in der pulsierenden Midtown und den edlen Wohngebieten links und rechts des Central Park fließt das Geld in Strömen: Der Immobilienmarkt in Big Apple ist seit Monaten ein einziges rauschendes Fest.

Es sind vor allem Luxusimmobilien, die Investoren locken und sie scheinbar jedes Maß verlieren lassen. Für 14 neue Luxusapartments an der Upper East Side, in der 78. Straße, wurden im März die ersten Prospekte an Interessenten verschickt. Zehn Millionen Dollar kostete die günstigste Wohnung. Vier Wochen später waren bis auf drei Wohnungen alle Apartments veräußert. In der 86. Straße war ein neues Apartmentgebäude nach acht Wochen zur Hälfte verkauft – selbst das Penthouse für 20 Millionen Dollar.

Immobilienmakler fühlen sich an beste Boom-Zeiten vor dem Crash von 2008 erinnert. Sie sind in diesen Tagen eher Verteiler als Verkäufer. Nicht selten bieten Kunden ein, zwei Millionen Dollar über dem Kaufpreis, um den Zuschlag zu bekommen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Makler John Gomes. Im Szeneviertel Greenwich Village im Südwesten Manhattans wollte er unlängst 25 Apartments loswerden. 21 sind schon weg. Für die meisten Deals musste er sich noch nicht mal auf die Baustelle bemühen. Den Kunden reichten die Grundrisse für ihre Entscheidung. 485 Millionen Dollar haben Gomes und Partner bis Ende Mai umgesetzt, so viel wie im ganzen Jahr 2013.

Im ersten Quartal 2014 hob der Markt völlig ab. Der Durchschnittspreis verkaufter Immobilien stieg um 45 Prozent auf 7,4 Millionen Dollar. Ist das schon eine Blase?

Nach den Russen kommen Chinas Superreiche

Die Frage sehen New Yorker Makler entspannt. Für New Yorker Multi-Millionen-Objekte gelten andere Gesetze als für den normalen US-Immobilienmarkt. In diesem Monopoly sind schier unerschöpfliche Geldvorräte am Werk. Wie bei Kunst machen hier Superreiche die Regeln, die händeringend Anlagemöglichkeiten für Milliarden suchen.

Wie robust dieser Ultrareichen-Markt ist, bewies die Ukraine-Krise. Die Sanktionen der US-Regierung gegen Russland verschreckten russische Superreiche, die hier seit Jahren die eifrigsten Käufer waren. Nun fürchten sie, dass das FBI ihre Millionen beschlagnahmt, sobald sie in Richtung USA fließen.

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Für Manhattans Immobilien-Broker aber ist das kein Problem. Andere Käufer schließen die Lücke. Laut der Nachrichtenagentur Reuters haben infolge der Ukraine-Krise die Chinesen die Russen als wichtigste Luxusapartment-Käufer in New York überholt.

Das reichste Prozent der Menschheit wird immer reicher, wie der in New York vorgestellte Wohlstandsreport der Boston Consulting Group belegt. Die Ultrareichen kaufen wacklige Staatsanleihen, investieren in gewagte Start-ups oder eben in überteuerte Wohnungen. Dabei entstehen Blasen – aufgrund der schieren Masse an verfügbarem Kapital dürften das jedoch sehr stabile Blasen sein.

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