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Wohnungswirtschaft Baukosten und Energiespargesetze bremsen den Mietmarkt

In vielen Großstädten ist der Wohnungsmarkt leer gefegt, aber die Neubauinvestitionen sinken. Der Vorwurf der Wohnungswirtschaft: Die Politik bremse und die Bauwirtschaft setze massive Preiserhöhungen durch.

In welchen Städten es an Wohnungen fehlt
LondonDer Londoner Bürgermeister Boris Johnson will mit harten Mitteln den Wohnungsmangel bekämpfen: Er will auf dem Gelände des Flughafens Heathrow ein Wohngebiet für rund 250.000 Menschen bauen lassen. Um den Plan zu realisieren, soll das Gelände für rund 19 Milliarden Euro aufgekauft und bebaut werden. Dafür sollen neue Flughäfen am Rande der Stadt entstehen. Das berichtet die Zeitung "Die Welt". Doch London ist nicht die Stadt, in der es einen starken Wohnungsmangel gibt. Auch in deutschen Großstädten fehlt es an Immobilien. Quelle: REUTERS
In neuem Licht erstrahlt das Münster in Freiburg am Donnerstag Quelle: dpa
Eine Frau fährt am Mittwoch auf einem Fahrrad in Karlsruhe vor dem Schloss durch eine Lindenallee Quelle: dapd
Der Sitz des Verteidigungsministeriums in Bonn auf der Hardthöhe Quelle: dpa
Vor der Rathaus-Kulisse und dem NORD/LB Gebäude (r) tummeln sich am Sonntag Menschen auf dem zugefrorenen Maschsee in Hannover Quelle: dpa
Ein Frachter fährt am Dienstag im Rhein bei Düsseldorf Quelle: dpa
Der Kölner Dom, aufgenommen bei Nacht mit dem Museum Ludwig Quelle: dpa

Trotz zunehmender Wohnungsknappheit investieren deutsche Unternehmen weniger in Neubau als von der Branche erwartet. Nach Daten des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) gingen die Neubau-Investitionen im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent zurück - erwartet hatte der Verband eigentlich ein Plus von 25 Prozent. Der GdW vertritt rund 3000 Wohnungsunternehmen, die bundesweit sechs Millionen Wohnungen vermieten. Das ist rund ein Drittel des deutschen Mietwohnungsmarktes.

Mehr Sanierung und Modernisierung

Bei den Investitionen in den Bestand erwartet der GdW bei seinen Mitgliedsunternehmen für 2013 einen leichten Anstieg um 2,7 Prozent. Insgesamt seien die Rahmenbedingungen für Investitionen in den vergangenen zwei Jahren unsicherer geworden, begründete Esser. Vor allem gestiegene energetische Anforderungen wirkten sich bremsend aus. „Unsere Zahlen zeigen es ganz klar“, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Prognose für Mieten bis 2015

Beim Neubau wirkten sich 2012 zahlreiche Faktore als Investitionshemmnis aus. Ein Beispiel dafür sind die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Grunderwerbssteuern. Sie betragen inzwischen fast in ganz Deutschland 4,5 bis 5,0 Prozent des Kaufpreises, nur Bayern ist bei 3,5 Prozent geblieben. Ab 2014 soll in Schleswig-Holstein die Grunderwerbsteuer innerhalb von zwei Jahren sogar ein weiteres Mal erhöht werden, dann von 5,0 auf 6,5 Prozent. Es bleibt abzuwarten, ob andere Bundesländer dem Beispiel folgen.  „Regulierende Eingriffe wie Mietpreisbremsen und stetig steigende Anforderungen an die Energiestandards der Gebäude führen dazu, dass der Neubau nicht in dem Maße in Schwung kommt, wie er besonders in den Ballungsgebieten gebraucht wird.“ Auch Investitionen und Modernisierung werden so gebremst, heißt es beim GdW. Der Verband fordert eine „Baukostensenkungskommission“, sie sich des Themas annimmt.

Deutschlandweit sei mit einem Neubau von 213.000 Wohnungen zu rechnen. Besonders bei Mietwohnungen sei das aber noch viel zu wenig, sagte Esser. „Der Geschosswohnungsbau liegt seit dem Jahr 2000 dauerhaft unter Bedarf.“ Auch die Zahl der Sozialwohnungen habe sich drastisch reduziert - von 2002 bis 2011 um mehr als 950.000 Wohnungen.

Genügend Neubau gibt es laut Gedaschko bei Luxuswohnungen im oberen Preissegment. Im mittleren und niedrigen Segment lohne sich das Bauen dagegen kaum noch. Kostensteigerungen von 58 Prozent für Rohrdämmung oder 48 Prozent für Wärmepumpen könne er sich mit normalen Marktmechanismen nicht mehr erklären. Insgesamt hätten sich die Baukosten zwischen 2000 und 2012 um 28,6 Prozent erhöht, während die Inflationsrate über den gleichen Zeitraum bei 22,6 Prozent lag. „Die Baukosten sind der Inflation davongerannt. Wenn das Bauen immer teurer wird, wird auch das Mieten von Neubauten teurer.“

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