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Zwei Jahre Bestellerprinzip Die Maklerbranche fühlt sich verraten

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Sorge um Bestellerprinzip bei Kaufobjekten

Hinzu kommt, dass laut Marktforschungsinstitut F+B das Bestellerprinzip ein Grund dafür ist, dass die Wohnungsinserate in Immobilienportalen deutlich abgenommen haben. Einem Bericht zufolge sind dort heute 42 Prozent weniger Mietangebote zu finden als vor zwei Jahren. Da Makler zuvor die Portale intensiv genutzt haben, klingt das plausibel. Immer mehr Wohnungen, so heißt es, gingen jetzt unter der Hand weg.

Überraschenderweise gibt es aber auch Makler, die Vorteile aus dem Bestellerprinzip ziehen konnten. „Eigentlich haben wir jetzt sogar mehr Vermietungen als vorher. Die Vermieter haben wohl gemerkt, wie schwierig es sein kann, einen ordentlichen Mieter zu finden und alle gesetzlichen Vorschriften einzuhalten“, gibt ein Makler in der Homeday-Umfrage zu Protokoll. Auch andere berichten von einer Zunahme des Vermietungsgeschäfts. Das spricht dafür, dass sich gute Dienstleister auch weiterhin durchsetzen, frei werdende Nachfrage auf sich ziehen und so serviceschwache Makler aus dem Markt drängen können.

Warten auf Schutz vor unqualifizierten Maklern

Die Zunft ist sauer. Sie fühlt sich auf dem Altar der Großen Koalition geopfert. Zwar beschloss der Bundestag das Bestellerprinzip seinerzeit mit nur einer Gegenstimme. Die langjährige Forderung der Maklerbranche nach einem Sachkundenachweis für Makler kam aber - anders als zu Beginn der Legislaturperiode zugesagt - bis heute nicht. Stattdessen kam die wenig konkrete Verpflichtung für Makler, sich fortzubilden. Viele Branchenvertreter hatten gehofft, mit einem Sachkundenachweis ließen sich die schwarzen Schafe am Markt leicht aussortieren, das Image des Berufsstands würde sich verbessern. Daraus wird nun so schnell nichts, einheitlich Qualifikationsstandards sind vom Tisch.

Worauf die Deutschen bei der Wohnungssuche Wert legen
Studenten wohnen gerne in Uni-Nähe, für Familien dagegen sind die Entfernung zur Arbeitsstelle und zur nächsten Schule entscheidend. Worauf die Deutschen bei der Wohnungssuche achten, hat das Immobilienportal immowelt.de in einer repräsentativen Studie untersucht. Das Ergebnis: Auch wenn die Bedürfnisse meist individuell sind – bei den großen Standortfaktoren sind sich die 1000 Befragten überraschend einig. Die zehn wichtigsten im Folgenden. Quelle: dpa
Ob Kita, Krippe oder Kindergarten – für 7 Prozent der Deutschen ist es wichtig, in der Nähe von Betreuungsangeboten zu wohnen. Bei den befragten Familien ist der Anteil deutlich höher: Hier gaben 19 Prozent an, nahegelegene Tagesstätten in die Wohnungssuche miteinzubeziehen. Quelle: dpa
Nach dem Kneipenabend noch stundenlang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis nach Hause fahren? Für 8 Prozent der Deutschen kommt das nicht infrage. Sie gaben an, die Nähe zu Kneipen oder Restaurants bei der Suche nach einem neuen Wohnort zu berücksichtigen. Bei den Single-Haushalten liegt der Wert mit 9 Prozent leicht höher. Quelle: dpa
Ebenfalls entscheidend, vor allem für Familien mit Kindern, ist die Entfernung zur nächsten Schule. Während nur 2 Prozent der Haushalte ohne Kinder diesen Faktor wichtig finden, sind es bei den Familien 38 Prozent. Insgesamt liegt der Wert damit bei 11 Prozent. Quelle: dpa
Wer in den Urlaub fliegt, freut sich, wenn der nächste Flughafen um die Ecke ist. Das gilt auch für ICE-Bahnhofe und Autobahnanbindungen. Rund 11 Prozent der Deutschen wünschen sich, dass ihre Wohnort überregional gut angebunden ist – das gilt besonders für Mehrpersonen-Haushalte ohne Kinder (13 Prozent). Quelle: dpa
Doch warum in die Ferne schweifen... Deutlich wichtiger als überregionale Anbindung ist den meisten Deutschen die Nähe zu Kultur- und Freizeitangeboten. Insgesamt 21 Prozent der Befragten gaben an, diesen Standortfaktor bei der Wohnungssuche besonders wertzuschätzen. Bei den Single-Haushalten sehen das sogar 26 Prozent so. Quelle: dpa
Für Familien weniger wichtig, für Haushalte ohne Kinder dagegen umso mehr: Für rund 23 Prozent der Deutschen ist es entscheidend, in einer angesehenen Nachbarschaft zu wohnen. Während rund 25 Prozent kinderlosen Haushalte ihre Wohnungen nach diesem Kriterium aussuchen, sind es bei den Familien lediglich 16 Prozent. Quelle: dpa

In der Branche herrscht weiter Nervosität. Jetzt geht die Befürchtung um, nach der Bundestagswahl könnte das verhasste Bestellerprinzip auch auf Immobilienverkäufe ausgedehnt werden. SPD, Grüne und Linke wollen das, CDU und FDP lehnen es ab. Die FDP sieht darin wenig Sinn, weil die Maklercourtage, die dann vom Immobilienverkäufer zu zahlen sei, einfach auf den Kaufpreis aufgeschlagen würde.

Aus dem gleichen Grund hält auch Jürgen Michael Schick, Präsident des Maklerverbands IVD, die Idee für abwegig. Das ginge zudem zulasten der Hauskäufer, da sich dadurch die Berechnungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer weiter erhöht – einen der größten Posten bei den Kaufnebenkosten und ähnlich teuer wie die Maklerprovision.

Zudem wäre ein Bestellerprinzip bei der Vermittlung von Wohneigentum verbraucherunfreundlich, weil die Beratungsleistung des Maklers für den Käufer entfalle. Ob der aber immer im Sinne des Kaufinteressenten berät, darf bezweifelt werden. Zudem würde die Maklerprovision schon heute in den meisten Bundesländern zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt.

Kein Wunder, dass laut Umfrage rund 93 Prozent der Makler das auf Kaufobjekte erweiterte Bestellerprinzip ablehnen. BVFI-Verbandspräsident Ziegler hat es schon vor einem Jahr geahnt: "Vielleicht steht morgen das Bestellerprinzip bei Kaufobjekten vor der Tür!" Er rät Maklern, schrittweise auf die „Innenprovision“ umzustellen. „Der, der seine Leistung kennt, kann den Auftraggeber davon überzeugen.“ Zumal durch Einpreisung die Provision ohnehin vom Käufer bezahlt werde. Die Branche müsse nach vorne schauen.

Steffen Wicker, Gründer und Geschäftsführer von Homeday, kann dieser Aussicht sogar noch mehr abgewinnen. „Wir begrüßen die Ausweitung des Bestellerprinzips für Immobilienkäufe. Wir glauben, dass die gesetzliche Regelung zu einer Marktbereinigung führt und damit eine hohe Professionalisierung und Qualitätssteigerung einhergeht.” Am Ende könnte es den überlebenden Maklerbüros also besser gehen als heute.

Maklerprovisionen: Wie viel Courtage für Verkäufer und Käufer in den einzelnen Bundesländern anfällt

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