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Indexfonds Wie Anleger von Währungsturbulenzen profitieren

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Währungsturbulenzen: Auch für Privatanleger bieten sich Chancen Quelle: fotolia.com

Hoffentlich legen die Währungsexperten der Deutschen Bank rechtzeitig den Schalter um. Nicht, dass es mir so geht wie den gelangweilten Touristen auf der Kanalfähre, die ihr Kleingeld an die Spielautomaten verfüttern. Viel Lärm, jede Menge bunte Lichter und am Ende gewinnt immer die Bank – oder in diesem Fall der Aufsteller der Automaten.

Sollte die Währungswette nur zum Teil aufgehen, könnte ich noch aus einer anderen Krise Kapital schlagen. Da wären beispielsweise die lange Zeit als sicher geltenden Staatsanleihen. Gut, Argentinien konnte 2001 und 2002 seine Schulden nicht zurückzahlen, aber sonst galt ein Staatsbankrott als unwahrscheinlich. Die klammen Griechen haben den bösen Geist wieder aus der Flasche geholt. Auch Spanien, Portugal und Island wackeln bedenklich.

Der Index für Griechen-Bonds der Investmentbank JP Morgan büßte seit Jahresanfang etwa acht Prozent ein. Erst als die EU Anfang April den Griechen mit einem zinsgünstigen Milliardenkredit unter die Arme griff, stieg der Index in den folgenden Tagen leicht an. Restlich überzeugt scheinen die Anleger aber nicht zu sein, denn seit dem 12. April sinkt der Anleihen-Index wieder, während die Renditen griechischer Anleihen steigen. Zu tief sitzen bei den Anlegern die Zweifel, ob Griechenland seine Schulden tatsächlich zurückzahlen kann. Zu groß ist auch die Angst, dass die Gläubiger auf einem Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute etwa halten es in ihrem Frühjahrsgutachten für unwahrscheinlich, dass Griechenland sein Haushaltsdefizit in den Griff kriegt.

Gott sei Dank habe ich trotz verlockend hoher Zinsen oberhalb von sieben Prozent pro Jahr mein Depot von Griechen-Bonds sauber gehalten. Aber wenn andere um ihr Geld zittern müssen, möchte ich schon davon profitieren. Zwar lässt sich mit ETFs nicht ausschließlich auf den Untergang der griechischen Staatsfinanzen wetten, aber zumindest auf eine Schwäche der europäischen Staatsanleihen insgesamt.

Attacke auf Euro-Bonds

Der Amundi Short Government Bond EuroMTS Broad 10-15 zum Beispiel setzt auf Kursverluste von 10- bis 15-jährigen Zinspapieren. Gerade bei den länger laufenden Anleihen anzusetzen macht Sinn: Je länger die Laufzeit, desto größer ist bei steigenden Zinsen der Zinsabschlag der alten Papiere gegenüber neu aufgelegten und höher verzinsten Anleihen.

Bisher ging die Wette des Amundi-ETF allerdings nicht auf. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Staaten pumpen noch zu viel billiges Geld in den Markt, um die Folgen der Finanzkrise abzumildern. Und noch kaufen Investoren die Staatsanleihen, kein Staat außer Griechenland muss ihnen sehr hohe Zinsen bieten. Sobald die Inflationsrate aber wieder steigt und die EZB mit steigenden Zinsen reagiert – oder sobald Investoren nicht mehr bereit sind, Staatsdefizite zu Minizinsen zu finanzieren, bin ich mit Short-ETFs auf Anleihen Indizes auf der Gewinnerseite.

Gernot Griebling, Abteilungsleiter Anleihen-Research bei der LBBW, glaubt allerdings, dass ich mich noch in Geduld üben muss: „Solange Unternehmen und private Haushalte nur wenig Kredite nachfragen und die Kreditvergabe insgesamt rückläufig ist, sehe ich trotz wachsender Staatsverschuldung keine erhöhte Inflationsgefahr. Nur wenn die Konjunktur wieder anspringt und die Unternehmen ausreichend mit Kapital ausgestattet sind, steigt das Inflationsrisiko und damit auch die Gefahr von Zinserhöhungen und Kursverlusten bei Staatsanleihen.“

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