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Insiderhandel Organisierte Kriminalität an der Wall Street

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Ins Visier der Ermittler sind offenbar auch so genannte Expertennetzwerke geraten, die bei der Weitergabe insider-relevanter Informationen von den Unternehmen an bestimmte bevorzugte institutionelle Investoren und Hedgefonds eine entscheidende Rolle gespielt haben könnten. Einer dieser Experten wurde nach eigener Auskunft von zwei FBI-Agenten besucht und bedroht. Man werde ihn verhaften, aber er habe die Chance zu kooperieren und könne dabei helfen jemanden zu überführen, wenn er zustimme, Gespräche mit dieser Person aufnehmen zu lassen.

Aber auch Goldman Sachs soll Gegenstand der Untersuchungen sein. Der Kurs der Goldman-Aktie gab darauf hin am Montag deutlich nach. Die Investmentbank hatte erst im vergangenen Frühjahr einem 550-Millionen-Dollar Vergleich mit der US-Börsenaufsicht zugestimmt, weil sie bei einem zweifelhaften Geschäft, von dem ein Hedgefonds profitierte, gegenüber anderen Investoren wesentliche Fakten verschwiegen hatte. Jetzt fragen sich die Ermittler, ob Mitarbeiter der Bank unberechtigt Informationen über Transaktionen wie Zusammenschlüsse und Übernahmen weitergegeben haben könnten. Laut Informationen des „Wall Street Journal“ soll die Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) zudem per Gerichtsbeschluss Unterlagen zu Kommunikationsvorgängen von weiteren Hedgefonds und von den Banken UBS und Deutsche Bank eingefordert haben. Ob es sich dabei um einen großen Rollgriff mit der vagen Hoffung auf weiteres Belastungsmaterial handelt, oder ob die Börsenaufseher konkreten Verdachtsmomenten nachgehen, ist unklar.

Mehr Insider-Trading als angenommen

In der Vergangenheit gingen US-Börsenaufseher in der Regel nur auffällig gewordenen Einzelfällen von Insidertrading nach. Doch mit der Galleon-Untersuchung und bei allen daraus folgenden Hinweisen auf mögliche weitere Vergehen geht es jetzt auch um die Frage, ob dahinter ein ausgeklügeltes geheimes – und illegales – Geschäftsmodell gestanden hat. Hedgefonds könnten sich im Zusammenspiel mit Investmentbanken und Insidern bei Unternehmen systematisch und regelmäßig geldwerte Informationen besorgt und diese dann an den Finanzmärkten ausgenutzt haben. Scott Friestatt, einer der mit den Fällen betrauten Direktoren bei der SEC, sagte dazu gestern auf einer Konferenz: „Was wir durch diese und andere Untersuchungen erkannt haben ist, dass es sehr viel mehr Muster und Serien-Insider-Trading gibt, als wir bisher angenommen haben.“ Organisierter Insiderhandel sozusagen – klingt fast schon wie organisierte Kriminalität.

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