Isländische Großbank Kaupthing-Kunden: Kampf um Geld und Gerechtigkeit

Ihre Spargelder haben deutsche Kunden der isländischen Kaupthing-Bank zwar zurück, aber sie fordern noch etwa 20 Millionen Euro an Zinsen und wehren sich mit großem Einsatz gegen Nachteile. Jetzt steht die Bank in Frankfurt vor Gericht.

Die Zentrale der im Oktober Quelle: dpa

Ein Sparer hat Forderungen in Höhe von zwei Euro gegenüber der früheren Kaupthing-Bank aus Island angemeldet. Bei einem anderen sind es 40 Euro, bei manchem einige hundert Euro. Insgesamt werden die Forderungen der einst rund 30 000 deutschen Privatsparer gegenüber den Isländern noch auf zehn bis 20 Millionen Euro geschätzt. Und egal ob ein paar Euro oder einige Hunderte ausstehen: Das monatelange Zittern um ihre Spargelder hat die Kaupthing-Sparer zusammengeschweißt. Jetzt kämpfen sie um jeden Groschen und vor allem um Gerechtigkeit. Und sie wehren sich dagegen, mit gierigen Spekulanten in einen Topf geworfen zu werden, nur weil sie ein paar Prozentpunkte mehr gewollt haben. „Wir haben Tages- oder Festgelder abgeschlossen mit einer nach europäischen Standards regulierten Bank“, sagt ein Kaupthing-Geschädigter.

Die deutschen Sparer fühlen sich benachteiligt beispielsweise gegenüber den österreichischen Kaupthing-Kunden, die ihre Spareinlagen und die aufgelaufenen Zinsen bereits noch im Jahr 2008 ausgezahlt bekamen und für die der Fall damit erledigt war.

Heimisches Pfandrecht benachteiligt Sparer

In Deutschland hingegen verhinderte das hiesige Pfandrecht eine ähnlich schnelle Abwicklung. Im Oktober 2008 geriet Kaupthing in Zahlungsschwierigkeiten. Erst Mitte 2009 wurden die deutschen Spareinlagen in Höhe von rund 350 Millionen Euro zurückgezahlt.

Kaupthing hätte die deutschen Spareinlagen viel früher bedienen können, ein Zahlungsverbot (Moratorium) bestand nur vorübergehend und Geld war offenbar vorhanden. Die Isländer konnten es nur nicht zugunsten der Kleinsparer nach Deutschland überweisen. Großbanken wie die DZ-Bank, die als Transferstelle für die Gelder fungieren müssen, hatten ein Pfandrecht auf Gelder, die über ihre Konten liefen – egal für wen sie bestimmt waren. Viele deutsche Großbanken hatten selbst milliardenschwere offene Forderungen gegenüber den Isländern.

„Dass die Verrechnung von Forderungen zwischen den Banken auch den normalen Sparer treffen kann und die für ihn bestimmten Gelder ihn mitunter gar nicht erreichen, ist eine deutsche Eigenart und im Rest Europas unbekannt“, sagt ein Kaupthing-Sparer. Eine Lösung wurde erst nach Monaten gefunden. Die Auszahlung der Gelder lief über die Bundesbank, die kein Pfandrecht besaß.

Bei den jetzt noch ausstehenden millionenschweren Zinsforderungen geht es einerseits um Beträge, die bei Tages- oder Festgeldern für das Jahr 2008 aufgelaufen waren und nicht ausgezahlt wurden und andererseits um Zinserträge, die durch die Verzögerungen bei der Auszahlung entstanden sind. Denn Kaupthing hat monatelang mit den zurückgehaltenen 350 Millionen Euro arbeiten können.

Die Kaupthing-Sparer drängen jetzt darauf, dass Politiker die deutschen Pfändungsregeln im Clearingverkehr zwischen den Banken ändern, damit nicht irgendwann wieder deutsche Sparer den Kürzeren ziehen, wenn eine europäische Bank in Geldnöte gerät.

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