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Kapitalflucht Rette sich, wer kann

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„Die größeren Vermögen sind längst im Ausland“, sagt auch Vermögensverwalter Bert Flossbach. Für den Griechenland-Kenner ist es „kein Wunder, dass, wer kann, sein Geld längst ins Ausland geschafft hat. Es gibt eine wachsende Angst, dass die Drachme wieder eingeführt wird, die Inflation eskaliert und die Rentenversicherungen wertlos werden; als Folge gibt es dort so gut wie kein privates Millionenvermögen mehr, das nicht zumindest zum Großteil längst ins Ausland verbracht worden wäre.

Geld der Mittelschicht

Was jetzt in Deutschland, Österreich, Australien und anderswo ankommt, ist das Geld der Mittelschicht. “ Ein Privatbankier aus Genf bestätigt: „Die Reichen sind in jedem Land der Erde besser vernetzt als der Durchschnitt. Da gibt es den Ratschlag des Lokalpolitikers, den Tipp des Bankdirektors an die Unternehmer-Witwe aus dem Golfclub. Diese Leute haben nicht gewartet, bis die Lage eskalierte.“ So war es auch bei der Argentinien-Pleite 2001/02: „Während das Land in die Krise schlitterte, erlebten das Nachbarland Uruguay, Rio und Miami einen Immobilienboom, weil reiche Argentinier ihre Dollar-Vermögen dort investierten. Warum
sollte das ausgerechnet in Griechenland anders laufen?“

Gezahlt wird meist in bar

Tatsächlich berichten Makler in London, dass das Interesse von wohlhabenden Griechen an Luxusimmobilien in den letzten 18 Monaten deutlich zugenommen habe. „Reiche Griechen haben sich hier schon immer gern niedergelassen. Aber während sich bisher rund 20 Käufer im Quartal bei uns meldeten, sind es jetzt 40“, sagt Liam Bailey von der Maklerfirma Knight Frank. Besonders begehrt sind Häuser in den Edelvierteln Chelsea, Kensington und Knightsbridge mit einem Kaufpreis von drei Millionen Pfund und mehr. „Gezahlt wird meist in bar – die Griechen nehmen keine Hypothek in Anspruch“, sagt Bailey. Panos Koutso-Giannakis, ein Makler griechisch-australischer Abstammung, sagte dem US-Sender CNN: „Manche Griechen kaufen, ohne die Immobilie zu besichtigen. Einer meiner Kunden hat 1,3 Millionen Dollar für eine Wohnung überwiesen, die er nie gesehen hat.“ Aber auch Deutschland ist gefragt: „In den vergangenen zwei Jahren haben wir vermehrt Anfragen griechischer Mandanten nach Immobilien in Deutschland“, sagt Aris Kapsalis, Anwalt bei Kosmidis & Partner in Thessaloniki: Gründe seien die neue Immobiliensteuer in Griechenland, die Schuldenkrise und die immer noch hohen griechischen Preise: „Immobilieneigentümer zögern noch mit dem Verkauf, weil sie kein
Vertrauen in den Wert von Bargeld haben.“

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