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Kapitalrücknahme beschränkt Hedgefonds frieren Kundengelder ein

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Massenhaft sitzen Investoren in Hedgefonds fest. Andrew Baker, Leiter des Branchenverbandes Alternative Investment Managers Association (AIMA), schätzt, dass bis zu 40 Prozent der etwa 1000 von London aus verwalteten Einzelfonds sogenannte Sperren („Gates“) gegen den Abzug von Kundengeldern verhängt haben. Die Sperren seien ein Schutz für verbleibende Investoren, sagt ein Berater für Hedgefonds-Investments bei einer deutschen Privatbank, „damit nicht die verbleibenden Anleger auf den illiquidesten Werten sitzen bleiben“.

Sperren zum Schutz der Anleger: Das kommt bei den Beschützten gar nicht gut an. „Jeder will derzeit Geld – und es ist unangenehm, darauf zu verzichten“, räumt der Banker ein. Die Konsequenz: „Die Kunden sind echt wütend“, sagt der für Hedgefonds-Investments zuständige Manager einer anderen deutschen Bank. „Sie haben in der Finanzkrise viel Geld verloren. Hedgefonds bewahrten sie teilweise vor Verlusten – doch jetzt, da sie Cash brauchen, bekommen sie es nicht.“ Noch dazu habe der Madoff-Betrugsskandal Investoren verunsichert. „Die Leute haben Angst, dass die Hedgefonds-Branche ein Problem hat und es mehr Betrug gibt“, sagt er. Diese Angst wächst durch den neuen Skandal um Stanford Financial.

Deutsche Anleger sind über Dachfonds investiert

Die Branche kämpft ums Überleben und – verprellt dabei ihre Kunden. Trotz der Sperren schrumpfte das in Dollar gerechnete verwaltete Vermögen der Hedgefonds weltweit durch Verluste und Mittelabflüsse im zweiten Halbjahr 2008 von 1900 Milliarden auf rund 1200 Milliarden Dollar, schätzt die Bank Morgan Stanley; im laufenden Jahr könne das Kapital auf 750 Milliarden Dollar sinken.

In Deutschland dürfen Privatanleger nur über Dachfonds in die Branche investieren. Die haben ebenfalls die Möglichkeit, Kundengelder zu sperren. Doch bislang machen die fünf deutschen Dach-Hedgefonds-Anbieter von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch, ergab eine Umfrage der WirtschaftsWoche. Viel Geld ist ohnehin nicht mehr in den nach der Reform des Investmentgesetzes 2004 aufgelegten Fonds, viele Gesellschaften schließen sie daher wieder. So zum Beispiel Union Investment oder die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, die noch 2004 eine Milliarde Euro mit Hedgefonds einsammeln wollte. Im DWS-Dach-Hedgefonds sind gerade noch 5,9 Millionen Euro, er wird im Mai abgewickelt.

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