Kosten der Katastrophe Versicherer

Nach Naturkatastrophen kommen an der Börse zunächst die Erst- und vor allem Rückversicherer auf die Verkaufsliste. Doch es gibt für Aktien der Branche auch Chancen.

Rückversicherer wie die Quelle: dpa

In der unsicheren Gemengelage verkaufen Anleger Aktien von Erst- und Rückversicherern. Die Kurse sinken - allein die Aktie des weltgrößten Rückversicherers Munich Re sank am heutigen Dienstag um mehr als 2,5 Prozent. Anleger wünschen sich Klarheit über die versicherten Risiken in der Katastrophenregion. Die können ihnen die Versicherer aber noch nicht geben: "Angesichts der Komplexität und Schwere der Naturkatastrophe wird es noch eine Weile dauern, bis die Summe der volkswirtschaftlichen Schäden, der versicherten Schäden und der von einzelnen Rückversicherern wie Munich Re zu erbringenden Leistungen zumindest näherungsweise feststeht", teilten die Münchener mit. Ähnlich äußerte sich der Schweizer Rückversicherer Swiss Re: Man sei dabei, die versicherten Risiken zu bewerten. Aufgrund der massiven Zerstörung werde es einige Zeit dauern, die Schäden abzuschätzen.

Zahlreiche Versicherungsparten betroffen

Lediglich AIR Worldwide, ein Spezialist für Risikomodelle, wagte sich schnell mit einer ersten Schätzung vor: Auf bis zu 35 Milliarden Dollar prognostiziert AIR allein die Belastungen für die Branche aus dem Erdstoß mit einer Stärke von 9,0 am vergangenen Freitag. Es gab allerdings noch mehrere starke Nachbeben. Und auch der zehn Meter hohe Tsunami ist in dieser Kalkulation noch nicht drin. Fest steht bislang, dass zahlreiche Versicherungsparten betroffen sind. So werden Versicherer unter anderem für Feuer-, Wasser-,  und Gebäudeschäden zahlen müssen. Auch auf Lebensversicherer kommen hohe Auszahlungen aus Policen zu.

Die Schäden an mehreren Atomkraftwerken dagegen dürften die großen Assekuranzen der Welt nur bedingt treffen - dort sind primär der japanische Staat und lokale Anbieter in der Pflicht. Die massiven Atom-Probleme bringen auch aus Sicht der Munich Re keine signifikanten Belastungen für ausländische Versicherer. Die Betreiber der Meiler seien bei einem Atom-Pool aus zahlreichen Anbietern versichert, dessen Haftung limitiert sei, sagte eine Sprecherin. Oberhalb der Limits hafte der Staat. Von Erdbeben und Tsunami verursachte Schäden, wie in diesem Fall, seien ausgenommen.

In Japan, wo die Erde regelmäßig bebt, gibt es für Erdbeben auch einen staatlichen Hilfsfonds. Der Staat springt immer wieder ein. Nach dem Kobe-Erdbeben 1995 zum Beispiel: Damals entstanden volkswirtschaftliche Schäden von 100 Milliarden Dollar, die weltweiten Versicherer mussten aber nur drei Milliarden davon tragen. Die wirtschaftlichen Schäden der aktuellen Katastrophe veranschlagt der Chefvolkswirt von Credit Suisse Japan, Hiromichi Shirakawa, insgesamt auf rund 170 bis 180 Milliarden Dollar.

Risikobereite Anleger können Aktien der Rückversicherer halten, denn durch die massiven Kursverluste sind die größten Risiken bereits im Aktienkurs enthalten. Und traurig, aber wahr: Das Unglück könnte für die Branche jetzt gute Argumente liefern, nach mehr als zwei Jahren endlich wieder die Preise für Prämien zu erhöhen.

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