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Krötenwanderung

Ist Ihre Lebensversicherung in Gefahr?

Anke Henrich
Anke Henrich Freie Autorin, Mittelstands-Expertin

Die deutsche Versicherungsaufsicht hat für alle deutschen Lebensversicherer zusätzliche Stresstests angeordnet. Sie befürchtet, dass es wegen der Finanzkrise für die Unternehmen noch schlimmer kommen könnte als es die seit Jahren erprobten Krisenszenarien in ihren Modellrechnungen durchkalkulieren. Ergo: Die Versicherungen könnten ihre Leistungszusagen an die Kunden nicht mehr halten. Zumindest für manchen Anbieter scheint diese Sorge berechtigt, meint WirtschaftsWoche-Reporterin Anke Henrich.

Anke Henrich: Krötenwanderung

Die Versicherungsunternehmen haben ein ernstes und keineswegs selbstverschuldetes Problem: Alle haben noch hunderttausende Altverträge im Bestand, die mit einem Garantiezins von 4,0 Prozent abgeschlossen wurden. Das bedeutet, sie haben sich dem Kunden gegenüber verpflichtet, zumindest den Sparanteil seiner Einzahlungen mit den damals gesetzlich vorgeschriebenen 4,0 Prozent zu verzinsen. Inzwischen, in Anbetracht sinkender Renditen auf den weltweiten Kapitalmärkten, wurde der Garantiezins häppchenweise auf 2,25 Prozent gesenkt. Im Schnitt über alle bestehenden Verträge liegt der Zins bei rund 3,5 Prozent und eben das ist auch haarscharf die Grenze dessen, was die besten unter den Versicherern derzeit selbst am Kapitalmarkt erwirtschaften können. Dass das nicht jahrelang gut geht, liegt auf der Hand. Zumal einige Versicherer auch schon ohne die aktuelle Niedrigzinsphase als knapp auf Kante genäht galten.  

Versicherungsaufsicht verordnet Stresstests

Doch nicht einmal dafür reichen die Erträge mancher Versicherungen. Ihr Dilemma: Für relativ sichere Geldanlagen wie Staats- oder Unternehmensanleihen gibt es kaum noch Renditegewinne. Zugleich ist ihnen der Aktienmarkt nach all den Blessuren zu riskant, alternative Finanzinstrumente ebenso - zumal sie in beiden Fällen gesetzliche Quoten haben, die ihr Investment in derlei Anlageprodukte nach oben begrenzen. Wo also sollen die Gewinne herkommen, mit denen sie die Guthaben der Kunden verzinsen sollen?

Die Versicherungsaufsicht hat nun zum ersten Mal außerplanmäßige Stresstests angeordnet, in denen sich die Renditen zum Beispiel von Aktien und Anleihen bis zum Jahr 2018 noch düsterer entwickeln, als es die Branchen-Kontrolleure in ihren alten Standardvorgaben selbst erwartet haben. Die bisherigen Stresstests scheinen den Wächtern zu optimistisch, könnte man sagen, auch wenn das Amt natürlich von einer reinen Vorsichtsmaßnahme spricht.

Selbst wenn es so düster nicht kommt, die Renditen der ausgezahlten Lebensversicherungen sinken, wie es der Branchendienst map-report belegt hat. Für alle, die ab 2007 einen Vertrag unterschrieben haben, dürfte häufig kaum mehr drin sein als der Garantiezins von 2,25 Prozent - wohlgemerkt nicht auf das gesamte eingezahlte Kapital, sondern nur auf den Sparanteil. Da können schon tausende Euro für Provision und Verwaltungskosten fehlen.

Ein Indikator für die Malaise ist die Höhe der Rückstellung für Beitragsrückerstattungen in der Branche. Laut Manfred Poweleit, Chef des map-reports, sinkt sie kontinuierlich. Während der Anteil im Jahr 2000 bei 30 Prozent der Beitragseinnahmen gelegen habe, seien es nun noch rund 7,5 Prozent.    

Fatal kommt hinzu, dass auch das Neugeschäft einbricht. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Neuabschlüsse um 12,2 Prozent.

Wer hat in der Vergangenheit gut gewirtschaftet?

Der map-report rechnet Jahr für Jahr akribisch die Ablaufleistungen der deutschen Versicherer nach. Er gibt zwar keine Zukunftsprognosen, aber erlaubt eine Einschätzung, wie gut welche Versicherungen bisher abgeschnitten hat. 

Seiner Musterrechnung liegt der Abschluss eines 30-jährigen Nichtrauchers zu Grunde, der 30 Jahre lang 1200 Euro Beitrag per anno eingezahlt hat.

Poweleilt's Klassenbeste: Europa, Debeka, Cosmos Direkt, Delta Direkt, Öffentliche Braunschweig, Asstel, R+V, LVM, HUK-Coburg, WGV-Schwäbische.Bei der Europa bekam der Kunde 84.315 Euro ausgezahlt, bei der WGV noch 73.423 Euro.

Schlau machen lohnt sich also.

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