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Kurssturz Sorge um Solar Millenniums Finanzen

Das Erlanger Solar Unternehmen kommt nicht zur Ruhe. Nach dem drastischen Kurssturz der vergangenen Woche sorgen sich Anleger um mögliche Finanzprobleme.

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Solaranlage im Quelle: dpa

Der Glaube an die Erfolgsaussichten von Solar Millennium ist in der vergangenen Woche zusammengebrochen. An der Börse straften Anleger die Aktie um 70 Prozent ab. Sie wollen nun nur noch rund vier Euro für eine Solar-Millennium-Aktie zahlen. Anfang 2010 stand die Aktie noch bei mehr als 40 Euro. 

Ein Mix aus operativen Problemen, schlechten Finanzdaten und überraschenden Personalabgängen hat vergangene Woche auch die wackersten Optimisten enttäuscht. So muss Solar Millennium beim geplanten Vorzeigeprojekt im kalifornischen Blythe kurzfristig die Technik komplett umstellen und das Projekt daher neu planen. Der Finanzvorstand ist nach nicht einmal anderthalb Jahren von Bord gegangen und  hat nicht einmal den Halbjahresabschluss unterzeichnet. Und dann fielen diese am vergangenen Freitag vorgelegten Halbjahreszahlen auch noch katastrophal aus. Aktionäre bangen nun nur noch um rund 50 Millionen Euro Börsenwert, Anleihezeichner haben dem Unternehmen hingegen 190 Millionen Euro anvertraut. Die Zeichner stecken fest in den Schuldscheinen, die ganz überwiegend nicht börsennotiert sind, und sorgen sich um mögliche Finanzprobleme.

Anlass dazu gibt der jüngste Halbjahresbericht. Das Gesamtergebnis in diesem Zeitraum fiel mit minus 45 Millionen Euro tiefrot aus. Das Eigenkapital schrumpfte um mehr als ein Drittel auf nur noch 83,4 Millionen Euro.

Die Situation ist "herausfordernd"

Kurzfristig hat Solar Millennium aber auch Liquiditätssorgen. Laut Halbjahresbericht befindet sich Solar Millennium "in Gesprächen mit namhaften Investoren für eine mittel- bis langfristige Finanzierungslösung". Bis diese gefunden ist, müsse "von einer Erhöhung des Liquiditätsrisikos ausgegangen werden". Das "momentane Chance-Risiko-Profil" stuft selbst das Management als "herausfordernd" ein. Bislang wurde es immer als "ausgewogen" bezeichnet, vor Antritt von Kurzzeit-Chef Utz Claassen schloss das Management "existenzielle Risiken" gar noch aus. Davon ist nun keine Rede mehr.

Ein Blick in die Bilanz zeigt warum: Der Bilanzposten "Flüssige Mittel und Wertpapiere" beträgt nur noch 85,5 Millionen Euro, nach 115,9 Millionen Euro sechs Monate zuvor. Davon sind aber 39,4 Millionen Euro als Kreditsicherheiten bei Banken hinterlegt. Frei verfügbar wären demnach nur 46,1 Millionen Euro.

Langfristig bleiben Fragezeichen

Zudem muss Solar Millennium am heutigen Montag eine 2006 emittierte Anleihe über 20 Millionen Euro zurückzahlen. Dies werde "planmäßig erfolgen", versicherte eine Unternehmenssprecherin. Das Cash-Polster schmilzt so weiter zusammen. Vom Geschäftsjahr 2011/2012 an wird die Belastung noch deutlich steigen: Dann muss Solar Millennium Jahr für Jahr mehr als 40 Millionen Euro an Anleihezeichner als Zins und Tilgung zurückzahlen. Am Freitag fragte ein Analyst bei einer Telefonkonferenz zu den jüngsten Halbjahresdaten kritisch nach: "Bekommt Ihr Unternehmen eigentlich noch Kredite bei den Banken? Wie viel?" Solar Millennium Chef Christoph Wolff reagierte mit einem langen Schweigen, dann ein paar beschwichtigenden Floskeln. Noch während der Analysten-Telefonkonferenz rutschte der Aktienkurs kräftig ab.

Beim spanischen Solarprojekt Ibersol hat Solar Millennium zur Zwischenfinanzierung auf ein Darlehen über 39,6 Millionen Euro des Kooperationspartners Ferrostaal zurückgegriffen. Für das gleiche Projekt soll ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 185 Millionen Euro gewährt werden, das die Finanzlage immerhin etwas entspannen dürfte.

Aber auch langfristig bleiben Fragezeichen: So sind die aktivierten Vorräte, bei Solar Millennium handelt es sich vor allem um Vorleistungen innerhalb der Kraftwerksprojekte in den USA und Spanien, bis Ende April auf 115,9 Millionen Euro gestiegen (+29 Prozent). Da Solar Millennium beim weltgrößten Solarkraftwerksprojekt im kalifornischen Blythe nun aber einen überraschenden Technik-Schwenk von Solartermie auf Photovoltaik ankündigte, könnten einige Vorleistungen wertlos sein. So bestätigte Solar-Millennium-Chef Christoph Wolff der WirtschaftsWoche vergangene Woche, dass ein Teil des Genehmigungsprozesses neu durchlaufen werden müsse. Drohten hier Wertberichtigungen auf die aktivierten Vorleistungen, würden diese das Ergebnis weiter belasten. Solar Millennium hofft aber, dass die Vorleistungen auch weiter werthaltig sind. Einige Ausgaben für Infrastruktur, etwa Zufahrtsstraßen, fielen schließlich unabhängig von der Technik an.

Trotz aller Probleme baut Solar Millennium auch weiterhin auf das Geld der Anleger. Der Absatz der geschlossenen Fonds für die spanischen Projekte Ibersol und Andasol 3 kommt jedoch schon jetzt nur schleppend und mit massiven Werbeanstregungen voran. Eine neue Unternehmensanleihe über 100 Millionen Euro, die etwa zur Hälfte gezeichnet sein soll, kam bei den Anlegern bislang besser an. "Die Anleihe läuft ganz gut", sagt Banken-Professor Wolfgang Gerke, der als Aushängeschild der Finanztochter Solar Millennium Invest dient. Er werde jedenfalls weiterhin an Bord bleiben - trotz aller Probleme. Über den Absturz der Aktie muss Gerke sich auch nicht ärgern, er hat keine Aktien mehr: "Die habe ich vor meinem Einstieg bei Solar Millennium Invest verkauft, um Interessenskonflikte auszuschließen." Glück für ihn.

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