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Multimillionäre Große Vermögen in der Krise

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Dietmar Hopp Quelle: Robertino Nikolic für WirtschaftsWoche

Was viele Reiche nicht einsehen: In einem einzigen Anlegerleben gelingt es am Kapitalmarkt so gut wie nie, mit der Anlage von Geld ein Vermögen zu vervielfachen. „Wirklich große Vermögen entstehen zu 99 Prozent in erfolgreichen Unternehmen, nicht durch Geldanlage“, sagt Sommer. Der eine überragende Deal, das goldene Geschäft, die todsichere Börsenidee, aber auch der risikolos 15 Prozent abwerfende Beteiligungsfonds – all das gibt es nicht. „Ein Mythos“, meint Sommer, „und die Finanzkrise ist gerade dabei, ihn zu entzaubern.“

Erfolgreiche Unternehmer neigen dazu, sich selbst an der Börse zu überschätzen. Sommer: „Unternehmer sind oft sehr entscheidungsfreudige Menschen – sie sind gewohnt, dass es sich unter dem Strich auszahlt, Risiken einzugehen – und genau das wird ihnen in gefährlichen Märkten wie zurzeit zum Verhängnis.“ Anders ausgedrückt: Der erfolgreiche Unternehmer verlässt sich auf Erfahrungen und Methoden, die ihm in seinem angestammten Terrain Erfolg gebracht haben – er vergaloppiert sich damit aber auf fremden Feld und schätzt die Risiken oft falsch ein.

Dietmar Hopp zum Beispiel, einer der fünf Gründer des Software-Riesen SAP und einer der 15 reichsten Deutschen, hält offenbar die Biotechnologie für das, was Software zu seiner aktiven Gründerzeit war – für das nächste große Ding und den Megatrend des neuen Jahrtausends.

Mag sein, dass er damit sogar recht behält; ob sich seine zahlreichen Investments in der Biotech-Branche aber noch in diesem Anleger-Leben auszahlen, ist inzwischen mehr als fraglich, Verluste von mehr als 90 Prozent seit seinem Ersteinstieg bei GPC Biotech sprechen Bände.

Mühsam kauft Hopp dabei immer wieder nach, zuletzt stockte er bei Sygnis Pharma seine Beteiligung auf 36 Prozent auf und hat nun allen anderen Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht, darunter: BASF, Bayer sowie Hopps Co-Investor und Geschäftsführer seiner Holding dievini, Friedrich von Bohlen und Halbach. Ehemalige Freunde des Neues Marktes erinnern sich noch mit Grauen: Von Bohlen hatte einst die heutige Sygnis Pharma unter dem Namen Lion Bioscience gegründet, an die Börse gebracht und Aktionären mit dem Unternehmen, das seinerzeit als „SAP der Biobranche“ gefeiert wurde, anschließend fast den Totalverlust gebracht.

Kursverlauf der GPC Biotech-Aktie

Heute managt er Hopps Biotech-Investments – ein erfolgloses Paket von 16 Beteiligungen, die Milliardär Hopp geschätzt 100 Millionen Euro Verlust eingebracht haben. Bei einer ursprünglichen Investmentsumme von gut 300 Millionen Euro wäre das rund ein Drittel des Einsatzes.

Noch erfolgloser als die Selfmade-Milliardäre agieren viele Erben. Wella-Spross Immo Ströher, der sehr früh bei Solarunternehmen einstieg und sich auf dem Höhepunkt des Booms von Q-Cells trennte, ist eher die Ausnahme. Gea-Erbe Happel verbrennt gerade Millionen in der Solarbranche. Rund 90 Prozent hat der Kurs des Tec-Dax-Wertes Conergy seit seinem Ersteinstieg verloren. Mit im Boot sind die Hexal-Brüder Strüngmann. Happel und die Strüngmanns verfahren dabei ähnlich wie Dietmar Hopp: Sie werfen schlechtem noch gutes Geld hinterher. Vor Monatsfrist stockten sie ihre Anteile an Conergy erneut auf jeweils 15 Prozent auf.

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