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Multimillionäre Große Vermögen in der Krise

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Hugh Grant Quelle: AP

Schauspieler Hugh Grant gibt auf der Leinwand meist den schusseligen Helden, doch im echten Leben ist er ein kühl kalkulierender Investor. Nach seinen ersten Filmerfolgen in den Achtzigerjahren begann er, gezielt in den britischen Immobilienmarkt zu investieren, der damals am Boden lag. Er kaufte mehrere Häuser an Top-Adressen in den Londoner Edelvierteln wie Chelsea, Kensington und Notting Hill.

„Er erwarb stets nur die besten Investments“, erinnert sich Lulu Egerton von der Maklerfirma Lane Fox. 2007 besaß Grant 17 Häuser in der britischen Hauptstadt – wie viele davon heute noch in seinem Besitz sind, ist nicht bekannt. Experten schätzten, dass der Wert seines Portfolios allein von 2006 bis 2007 um 40 Prozent zulegte – insgesamt dürfte er damals Immobilien im Wert von 35 Millionen bis 50 Millionen Pfund besessen haben. Zwar sind die Immobilienpreise in London nach Berechnungen der Bausparkasse Halifax im vergangenen Jahr um 16 Prozent gefallen – doch Grant dürfte mit den meisten seiner Investments seit den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren noch immer mehrere Hundert Prozent im Plus liegen. Auch am Kunstmarkt agiert er geschickt: Für 21 Millionen Dollar verkaufte er im Herbst 2007 ein Andy-Warhol-Porträt der Schauspielerin Elizabeth Taylor, das er sechs Jahre zuvor für nur 3,6 Millionen Dollar erworben hatte.

Königin Elizabeth II. hingegen ist eines der bisher prominentesten Opfer der Finanzkrise: Ihre Königliche Hoheit hat allein in den vergangenen Wochen laut einigen für gewöhnlich gut informierten britischen Medien mit ihrem Aktienportfolio rund 37 Millionen Pfund verloren. Das gesamte Vermögen der Queen belief sich im April einer veröffentlichten Schätzung zufolge auf 320 Millionen Pfund.

Die Queen macht Verluste

Zudem ist der Wert ihres Immobilienbesitzes an Londons feinster Einkaufsstraße Regent Street, der im April noch auf rund 100 Millionen Pfund taxiert wurde, inzwischen um mehr als ein Drittel geschrumpft. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Investitionen der Königin hart getroffen wurden“, sagt Philip Beresford, der Autor der renommierten Rich List, die jedes Jahr im Frühjahr in der „Sunday Times“ veröffentlicht wird. Doch der RTL-Schuldenberater Peter Zwegat muss deswegen nicht im Buckingham Palace mit seinen Flipcharts anrücken – die Königin wird nicht verhungern, sie bekommt noch Geld vom Steuerzahler. Über die sogenannte Civil List erhält die Monarchin seit 1990 jedes Jahr 7,9 Millionen Pfund für Personal, Haushalt und Staatsbesuche plus 15 Millionen Pfund für ihre Schlösser.

Nicht nur Blaublüter leiden. Wegen der Krise muss auch Investment-Legende Kirk Kerkorian bluten. Der ehemalige Pilot und Casino-Mogul aus Las Vegas konnte seine Finger noch nie von Investments in US-Autokonzerne lassen. Mit gemischtem Erfolg: Mitte der Neunzigerjahre kaufte er sich bei Chrysler ein – ein gutes Geschäft, denn der Konzern wurde von Daimler teuer übernommen. Im Frühjahr 2008 stieg der 91-Jährige für rund eine Milliarde Dollar bei Ford ein, dessen Kurs fortan in den Keller ging. Da gleichzeitig seine Beteiligung am Casinobetreiber MGM Mirage binnen Jahresfrist von knapp 14 Milliarden Dollar Kurswert auf weniger als zwei Milliarden einbrach, musste er, um sich Liquidität zu besorgen, seine Ford-Anteile abstoßen – die letzten versilberte er am 29. Dezember mit einem Verlust von 70 Prozent.

Rechtzeitiger Verkauf für illustre Kunden

Derart schlechtes Timing kann man einer Gruppe reicher Investoren aus Österreich und Deutschland sicher nicht vorwerfen, die im Mai 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, die Mehrheit an der Klagenfurter Bank Hypo Alpe Adria an die Bayern LB verkaufte. Drahtzieher des Verkaufs war Tilo Berlin, eine der interessantesten Gestalten im deutschen Geldwesen. Bevor er die Vermögensverwaltung Berlin & Co gründete, arbeitete er unter anderem für die Traditionsbank M.M. Warburg und die Deutsche Bank, wo er als Ziehsohn von Konzernchef Alfred Herrhausen galt.

Die Kunden und Geldgeber Berlins sind nicht minder illuster: Neben der Familie Piëch, die an seiner Vermögensverwaltung beteiligt ist, gehören unter anderem die Erben des Kosmetikkonzerns Schwarzkopf dazu. Berlin hat beste Kontakte in die deutsche, vor allem aber in die österreichische Hochfinanz. Als die Hypo Alpe Adria 2006 zum Verkauf steht, lässt Berlin die Drähte glühen; er sammelt Geld unter den Reichen ein, wittert eine Gelegenheit. Auch Heuschreckenfonds wie Cerberus sind damals hinter der Hypo Alpe Adria her; doch Berlin setzt sich durch. Für 250 Millionen Euro sicherte er seiner Investorengruppe gut neun Prozent an der Bank. Im Mai 2007 verkauft er die Anteile an die Bayern LB und wird kurz darauf Vorstandschef der Hypo Alpe. Die Bayern zahlten 1,63 Milliarden Euro für gut 50 Prozent an der Hypo Alpe. Für Berlins Kunden bedeutete dies eine zweistellige Rendite binnen Monaten.

Dass die Hypo Alpe Adria Anfang Dezember 2,2 Milliarden Euro brauchte, um die Löcher zu stopfen, die die Finanzkrise gerissen hat, war dann nicht mehr das Problem von Berlins reichen Kunden, sondern das der Bayern LB – und damit letztlich des Steuerzahlers.

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