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Nervöse Börsen Euro-Krisenländer prüfen Verbot von Leerverkäufen

Italien, Spanien und Frankreich erwägen offenbar ein Verbot von Leerverkäufen. Damit wollen sie die Kursstürze an den Börsen stoppen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Methode verspricht wenig Erfolg.

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Leerverkäufe sollen verboten werden Quelle: dapd

Griechenland machte den Anfang, nun folgt Spanien – und offenbar auch schon bald Italien und Frankreich. Mit dem Verbot von Leerverkäufen wollen die Euro-Krisenländer die Talfahrt an den Börsen stoppen.

Der US-amerikanische Fernsehsender CNBC berichtete mit Verweis aus Regierungskreisen, dass am Abend ein Verbot von Leerkäufen in Italien und Frankreich verkündet werden soll. Ein Sprecher der Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) äußerte sich hingegen widersprüchlich. Er bestätigte, dass es Gespräche über ein etwaiges Verbot gebe. Dieses trete aber weder „heute, noch morgen, noch nächste Woche“ in Kraft.

In Griechenland sind ungedeckte Leerverkäufe seit Dienstag verboten, in Spanien soll das Treiben heute eingegrenzt werden. Damit versuchen die Länder, den Spekulanten das Wasser abzuschöpfen und die Börsen zu beruhigen.

Hoch spekulative Strategie

Leerverkäufe sind eine hoch spekulative und riskante Strategie, die vor allem Hedgefonds verfolgen, um Gewinne in stark schwankenden Märkten zu erzielen. Dabei werden zum Beispiel Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft. Das drückt in der Regel den Kurs der Papiere. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Akteure die Aktien zurück und reichen sie mit hohen Gewinnen an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Dem wollen die Regierungen der Euro-Krisenländer nun einen Riegel vorschieben, um so die Märkte, die seit Tagen hoch nervös auf jede Verkaufs- und Finanznachricht reagieren, zu beruhigen. Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der gewünschte Effekt zumindest fraglich ist.

So verbat die griechische Regierung im Frühjahr und Sommer 2010 Leerverkäufe. Dennoch stürzte der Index ASE in der Zeitspanne um 14 Prozent ab und performte damit deutlich schlechter als die europäische Konkurrenz. Im gleichen Zeitraum etwa fiel der Stoxx Europe 600 Index nur um 1,4 Prozent.

Auch deutsche Unternehmen waren bereits betroffen

Ähnliche Erfahrungen machten die USA im September 2008. Obwohl die Börsenaufsicht Leerverkäufe verbat, stürzten die Kurse in die Tiefe. In Deutschland kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Leerverkäufe vorübergehend einschränken oder komplett untersagen, wenn eine erhebliche Marktstörung droht.

So der Fall im Mai 2010. Zehn Unternehmen waren von dem Verbot betroffen, unter anderem die Allianz, die Commerzbank und die Deutsche Bank. Die Börsen reagierten mit Verlusten auf die Regulierungsmaßnahmen.

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