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Öl-Katastrophe Vorbei mit lax und lässig

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Erst vor wenigen Tagen stellten dann immerhin drei von rund 40 bei Bloomberg aufgeführten BP-Analysten den Wert auf Verkaufen - viel zu spät. Der Analyst Michele Della Vigna von der Investmentbank Goldman Sachs, der am 10. Mai noch eine Kaufempfehlung mit dem Kursziel 770 Pence ausgesprochen hatte, stellte BP nun immerhin auf „neutral/attractive“ zurück, mit einem neuen Kursziel von 600 Pence. Der aktuelle Kurs liegt bei 380 Pence.   

Das Verhalten der Analysten belegt, dass es nicht nur zwischen der mächtigen Ölbranche und den  amerikanischen Regulierungsbehörden recht kuschelig zuging. Die Ölindustrie mit ihrem gigantischen Kapitalbedarf und noch größeren Vermögenswerten hat auch die Finanzbranche bestens im Griff. Kein Analyst traute sich, BP oder die gesamte Branche frühzeitig und öffentlich abzustrafen. Dabei rollt wie auf die Finanzbranche nun auch auf die Ölindustrie eine neue Regulierungswelle zu, die das Bohr- und Fördergeschäft deutlich verteuern dürfte.

Die Folgen des BP-Desasters gehen aber weit darüber  hinaus. Bereits das Versagen der Aufsichtsbehörden des Finanzsektors im Vorfeld der Finanzkrise hat in den USA zum Umdenken geführt. Die Politik der neoliberalen Deregulierer gilt als gescheitert. Das Vertrauen in Selbstregulierung und verantwortliches Handeln von Großkonzernen ist tief erschüttert, wenn nicht zerstört. Das werden auch andere Branchen zu spüren bekommen. Aufsichtsämter von Pharmakonzernen und Nahrungsmittelherstellern,  Kontrolleure von Telekomgiganten, Umweltbehörden und Institutionen, die für Sicherheitsfragen verantwortlich sind - sie alle dürften sich bereits intensiv Gedanken darüber machen, ob sie zu nachsichtig sind. Lax und lässig – diese Zeiten sind seit Subprime und Deepwater Horizon für die Aufseher vorbei.

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