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Rentenfonds Wo toxische Wertpapiere in Fonds schlummern

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Gleich gar nicht mehr an ihr Geld kommen Anleger vorerst bei dem Cominvest Genussscheinfonds. In ihm ist seit März ein Volumen von 113 Millionen Euro eingefroren. Im Oktober wurde bereits der HSBC Trinkaus Genüsse International geschlossen. Da HSBC keine aktuellen Preise ermittelt, weil es keine verlässlichen Kurse für Genussscheine gebe, wissen Anleger nicht einmal, wie es um ihr Geld bestellt ist.

Bei den derzeit kaum handelbaren oder im Kurs oft dramatisch abgestürzten Papieren handelt es sich um anleiheähnliche Konstrukte, deren Zinszahlungen oder Rückzahlungshöhe vom Gewinn einer Bank oder eines Unternehmens abhängt. Die Bedingungen dieser Genussscheine und Hybridanleihen sehen sogar zum Teil vor, dass die Investoren bei Verlusten einer Bank einen Abschlag auf ihren Einsatz hinnehmen müssen, wenn der Emittent das beschließt.

Zinsverluste bei Hybridanleihen

In der Finanzkrise machen manche von diesen Bedingungen Gebrauch. Zuvor haben sie Investoren mit schlechten Meldungen verschont, um sie nicht zu vergrätzen. Für die Emittenten haben die Papiere den Vorteil, dass ein Teil des Geldes als Eigenkapital angerechnet werden kann. Deswegen auch die Bezeichnung Hybrid: Ein Teil gilt wie herkömmliche Anleihen als Schulden, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zurückgezahlt werden müssen, ein anderer Teil zählt zum Eigenkapital, das bei Verlusten sinkt.

Hybridanleihen wurden in den vergangenen fünf Jahren vor allem zur Finanzierung kostspieliger Unternehmensübernahmen populär. Der Pharmariese Bayer brachte im Jahr 2005 eine 1,3 Milliarden Dollar schwere Hybridanleihe auf den Markt, um den Schering-Kauf zu finanzieren. Sie liegt derzeit 17 Prozent unter ihrem Ausgabepreis. 2005 lag das von deutschen Unternehmen ausgegebene Hybridvolumen bei 6,4 Milliarden Euro, 2006 und 2007 kamen je rund vier Milliarden zusammen, 2008 brach es auf 550 Millionen ein. Höhere Volumina zeichneten Fondsmanager bei den Banken. Allein die Commerzbank hatte Ende 2008 rund 15 Milliarden Euro an hybriden Papieren ausgegeben, ihre Neu-Tochter Dresdner Bank sieben Milliarden.

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    Nachdem die Dresdner 2008 einen Verlust eingefahren hat, bekommen die Hybridanleger nun die Quittung: Zinsen fallen aus. Bei der Skandalbank Hypo Real Estate und deren Tochter Depfa stehen Investoren hohe Verluste auf ihren Einsatz bevor. Kein Wunder, dass es von den Banken kaum neue Hybridemissionen gibt. Ausnahme war die DZ Bank, die Mitte Mai 500 Millionen Euro einsammelte – bei ihr wohlgesonnenen Genossenschaftsbanken.

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