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Rentenfonds Wo toxische Wertpapiere in Fonds schlummern

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Für die maue Stimmung auf dem Markt ist ausgerechnet Bankenretter Peer Steinbrück mitverantwortlich. Besonders dort, wo der Steuerzahler mit Milliarden einspringen musste, dringt der Bundesfinanzminister darauf, dass Banken Investoren stärker an Verlusten beteiligen und Zinszahlungen aussetzen. Die Anleihebedingungen machen dies ja möglich. Die Investoren sind jahrelang wegen der für sie nachteiligen Bedingungen bei Hybrids mit einem Aufschlag von rund zwei Prozentpunkten auf den Zinssatz herkömmlicher Anleihen belohnt worden. Jetzt, da die finanzielle Lage vieler Unternehmen und Banken bedrohlich wird, wiegt dieser Zinsaufschlag das Risiko kaum mehr auf. Die Hybridpapiere gehören zum sogenannten Nachrangkapital: Im Fall einer Pleite werden sie erst nach allen anderen Krediten bedient – dann ist meist nichts mehr übrig.

Zu allem Übel findet in dem Segment der Hybridanleihen und Genussscheine auch nur noch wenig Börsenhandel statt. Die Folge sind große Kurssprünge nach oben und unten. In der Vergangenheit gab es immerhin eine Alternative: „Der Eigenhandel von Banken hatte den Markt mit den Hybrids in Schwung gehalten und für Liquidität gesorgt“, sagt Mark Pellemeier, Leiter Handel Credits bei der WGZ Bank, „aber die Banken haben sich nun fast komplett aus diesem Feld verabschiedet.“

Staatsspritzen helfen nur begrenzt

Durchgeschüttelt haben den Markt auch die Ratingagenturen. Standard & Poor’s und Moody’s haben die Noten für Bankhybrids in diesem Jahr vielfach so weit heruntergestuft, dass viele Profi-Investoren gar nicht mehr in die Papiere investieren dürfen – selbst wenn sie es wollten, weil sie steigende Kurse erwarteten. Papiere von Großbanken wie Dresdner Bank, Commerzbank, Fortis, RBS rangieren mittlerweile in den schwächsten Bonitätskategorien – trotz mannigfaltiger Staatsspritzen.

Viele Fondsmanager mussten nach den Herunterstufungen zu Tiefstkursen verkaufen. Eine Hybridanleihe der Commerzbank verlor zwischenzeitlich 85 Prozent ihres Nennwerts. „Die Verluste in dem Markt wurden so hoch, weil Papiere aller Ratingklassen in den letzten Monaten über einen Kamm geschoren wurden und Ratingagenturen für Hybridkapital in Gänze den Daumen gesenkt haben“, sagt Cominvest-Fondsmanager Ulrich Teutsch.

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