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Rentenfonds Wo toxische Wertpapiere in Fonds schlummern

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So entwickelte sich der Anleihemarkt mit Hybrids, aber auch mit ABS-Anleihen, mit denen Immobilienkredite oder Kreditkartenforderungen verbrieft wurden, zu einem Debakel für Rentenfondsmanager. Besonders hart traf es die, die in Phasen niedriger Zinsen mithalten wollten und dazu mit Spezialanleihen in die Vollen gegangen waren. „Es war schwierig, mit Rentenfonds den Markt zu schlagen, wenn man nur mit der Laufzeit von Staatsanleihen und deren Zinsunterschieden operieren konnte.

Viele Fondsmanager haben dann neue Anleihetypen beigemischt. Aus den Beimischungen wurden jedoch häufig wesentliche Teile des Portfolios“, sagt Bernd Früh von der Schweizer Investmentboutique Tiberius. Früh hat nicht mitgemacht und mit seinem Staatsanleihenfonds in einem Jahr ein Plus von 14 Prozent erzielt. Auch Johannes Führ, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung und einer der führenden europäischen Anleiheexperten, erteilt den Papieren eine Absage: „Bis vor einigen Jahren hatten Genussscheine steuerliche Vorteile. Inzwischen sind sie unkalkulierbar. In schwierigen Zeiten werden die Kapitalgeber ausgebremst.“ Für ihn gibt es zwischen Zocken im Kasino und der Investition in spezielle Bankanleihen kaum einen Unterschied: „Eine Anleihe der Depfa notiert zwar bei einem Kurs von 60 Prozent, aber wer sie am Markt verkaufen will, erzielt vielleicht 20 Prozent. Es gibt keine Liquidität, und niemand weiß, welche Risiken noch in dem Institut schlummern.“

Die Wette läuft

Und dennoch: Seit Jahresanfang haben Anleger neuen Renten-Laufzeitfonds der DWS wie dem Renten Direkt 2013 mehr als eine Milliarde Euro anvertraut. Dafür bekommen sie all das in den Korb, was manchem anderen DWS-Rentenfonds Verluste beschert hatte. Mitunter kamen die neuen Fonds besonders günstig an die Papiere. Mit einem im Jahresbericht ihres ABS-Fonds als „Korrekturposten“ bezeichneten Wertabschlag von 6,7 Millionen Euro hat der DWS-Verwaltungsrat die Kurse der Papiere zum Stichtag Ende Dezember reduziert. Das sollte der niedrigen Liquidität am Markt Rechnung tragen, heißt es. Gleichzeitig schafft die kreative Buchung für die neuen Laufzeitfonds, die sich auch aus dem Bestand des ABS-Fonds bedienen durften, bessere Start-Voraussetzungen. Die Wette, dass sich die Kurse von Hybrids sowie strukturierten Anleihen in einigen Jahren erholen, läuft also.

Ihre unrühmliche ABS-Vergangenheit beendet die DWS: Sie lässt den ABS-Fonds verschwinden, indem sie ihn mit dem Kurzläuferfonds DWS Euro Reserve fusioniert. Bei den verlustreichen SEB-Geldmarktfonds sollen jetzt unter anderem Tages- und Festgelder die „Grundlage für eine positive Wertentwicklung schaffen“.

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    Bleibt die Frage, ob Anleger dafür einen Fondsmanager brauchen. Knapp 30 Prozent Verlust dürfte auch der beste Fondsmanager der Welt mit mickrigen Festgeldzinsen kaum wieder aufholen.

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