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Rohstoffmärkte Wie Spekulanten mit Lebensmitteln zocken

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Feuerwehrmänner vor Quelle: dpa

Eigentlich, so die Einschätzung vieler Experten, wirken sich diese Wetten und Versicherungen kaum auf die Endpreise für die Verbraucher aus, es sei denn, Produktionsmenge und Nachfrage nach Rohstoffen geben den Geschäften mit der zukünftigen Preisentwicklung recht. Selbst Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman betont, Termingeschäfte hätten keinerlei direkte Auswirkungen auf die Preise von Gütern. Aber die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre nährt Zweifel an der reinen Lehre. Der Grund: Den Akteuren an den Rohstoffbörsen genügen Terminkontrakte und Absicherungsgeschäfte längst nicht mehr. Hedgefonds parken inzwischen volle Öltanker vor den Küsten, Banken wie Goldman Sachs , Barclays und JP Morgan kontrollieren laut Handelsblatt-Recherchen physische Rohstoffe im Wert von 16 Milliarden Pfund. Ein britischer Hedgefonds kaufte ganze sieben Prozent der weltweiten Kakao-Ernte, der Kakaopreis stieg dadurch auf das höchste Niveau seit 33 Jahren. Und selbst so mancher Bauer lässt sein Korn in Hoffnung auf steigende Preise länger im Speicher. Kommen diese Vorräte dann irgendwann doch an den Markt, drückt dies den Preis.

Strittig sind die Folgen, wenn die Spekulation auf steigende oder sinkende Preise Dimensionen annimmt, die ein Vielfaches des realen Volumens der Waren übersteigen. Dann spielt die Psychologie bei der kurzfristigen Preisbildung eine weitaus größere Rolle als das physische Angebot und die tatsächliche Nachfrage. So klagte der US-Finanztheoretiker William J. Bernstein schon 2006, dass am Rohstoffmarkt in New York inzwischen vor allem große Investmentfonds agierten - und nicht die Produzenten oder die Abnehmer.

Psychologie im Spiel

Jede Meldung, die Auswirkungen auf die Entwicklung des Rohstoffangebots hat, wirkt sich sofort auf die Preise aus, auch wenn die Ernten normal und die Lager noch gut gefüllt sind. Bricht in Russland eine Dürre aus, lässt dies wie jüngst geschehen die Preise für bereits produzierten Weizen steigen. Und leiden die Orangenbäume in Florida unter Pilzbefall, wird auch in Europa der Orangensaft teurer. Die Unsummen spekulativen Geldes im Rohstoffsektor werden unmittelbar umgeschichtet und verursachen so die Achterbahnfahrt bei den Preisen.

Weltbankpräsident Robert Zoellick warnte gestern die Weizen produzierenden Staaten daher, Ausfuhrverbote zu verhängen. Dies würde die "Unsicherheit an den Märkten" verstärken. Das Welternährungsprogramm (WFP) spricht bereits von einer gefährlichen Preisspirale. Die Erinnerung an die Lebensmittelkrise 2008 sind noch lebhaft: Damals erreichte der UN-Preisindex für Nahrungsmittel ein Rekordniveau. Noch liegt der Index 15 Prozentpunkte und dem alten Höchststand. Damals hatte es in Ländern wie Haiti und Ägypten wegen der steigenden Lebensmittelpreis Unruhen gegeben. Gerade Ägypten ist von russischen Weizenexporten abhängig, weil es damit fast zwei Drittel seines Importbedarfs deckt. Inzwischen will Russland eine Rücknahme des Exportverbots prüfen, sobald die Schäden aus den verheerenden Bränden quantifizierbar sind.

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    Reserven reichen

    Für den Fall einer wachsenden Weizenknappheit kündigte die Weltbank an, einen Nahrungsmittelfonds wieder aufleben zu lassen, wie er 2008 geschaffen wurde. Derzeit stehen dafür 615 Millionen Euro zu Verfügung. Gemessen an den Summen, die an den Rohstoffmärkten umgesetzt werden, klingt das nach wenig.

    Aber der Hysterie um den Weizenpreis fehlt die fundamentale Basis: Laut Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank könnte Russland sogar zehn Jahre lang als Exporteur ausfallen, ohne dass das Weizenangebot knapp wird – so viel liegt noch in den Weizenspeichern. Einiges davon müsste nur nach Ägypten.

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