WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Russland Der Putin-Faktor: Russlands Börsenrisiko

Seite 2/3

Abgehängt. Der Russischen RTS-Index im Vergleich zur Weltmarktentwicklung

Eingetrübt wird der positive Ausblick allerdings von den Folgen der Brandkatastrophe: Die Tageszeitung „Kommersant“ schätzt unter Berufung auf russische Experten, dass sich die Schäden auf bis zu 15 Milliarden Dollar belaufen könnten. Wochenlange Dürre und großflächige Brände zerstörten mindestens ein Drittel der Getreideernte, was nun auf die Lebensmittelpreise durchschlägt. US-Ökonom Nouriel Roubini etwa schätzt, dass die Inflation statt auf die bisher prognostizierten fünf Prozent auf bis zu acht Prozent steigen könnte. Die Aktienkurse bewegten diese Prognosen bisher kaum.

Einige Analysten fürchten, die Preissteigerungen könnten den Nachfrage-schub verzögern. Aber niemand rechnet damit, dass die Feuerkatastrophe in den Wäldern Zentralrusslands das Wachstum ausbremst.

Getragen wird der Aufschwung auch vom stabilen Ölpreis. Seit Jahresbeginn pendelt er bei knapp 80 Dollar pro Fass. „Damit können russische Förderer ihre Kosten decken, ohne dass eine neue Blase entsteht“, sagt Peter Bodis von Pioneer Investments. Außerdem zögen Investitionen in die Realwirtschaft merklich an, auch dank Putins Wirtschaftspolitik. Die Abwrackprämie, die in Russland „Geld für Autoschrott“ genannt wird, zieht die Autoindustrie sichtbar in die schwarzen Zahlen. Nicht zuletzt, so Bodis, sei ausreichend Liquidität im Markt, damit das Wachstum anhält.

Konsumwerte kommen

Bis Jahresende könnte die Wirtschaft gar weiter an Schub gewinnen: Der Binnenkonsum – bis zur Finanzkrise neben den Gewinnen aus Rohstoffexporten die Triebfeder des Booms – gewinnt an Fahrt. Die Zinsen sinken, die Inflationsrate ist, selbst wenn Ernteausfälle die Preise um zwei bis drei Prozent zusätzlich steigen lassen, auf einem für russische Verhältnisse niedrigen Niveau.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Stabile Beschäftigung und steigende Löhne „dürften die Binnennachfrage stark antreiben“, heißt es in einer Marktstudie von Pioneer Investments. Konsumgüter-Unternehmen haben schon einen Satz nach oben gemacht: Im RTS-Index stiegen deren Aktien seit Januar um mehr als 30 Prozent. Auf den Listen der Broker stehen unter anderem die Fluggesellschaft Aeroflot, die dieses Jahr wohl einen Passagier- und Umsatzrekord einfliegen wird, und Telekomriese MTS, der auch in Indien expandiert. Ein spannender Nebenwert ist Pharmstandard, ein junger Player im russischen Pharmamarkt, der von Putins Protektionismus profitiert.

    Verglichen mit denen der Rohstoffriesen, sind diese Papiere aber Außenseiter. Weil Anleger gerade bei Rohstoffunternehmen staatliche Einflussnahme fürchten, sind die meisten Aktien extrem billig. Das zeigt sich etwa am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – das von Gazprom etwa liegt bei nur vier und damit etwa bei der Hälfte westlicher Papiere.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%