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Russland Der Putin-Faktor: Russlands Börsenrisiko

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Kreml-Chef Medwedew und sein Quelle: dpa

Riskantere Wetten bietet der Finanzsektor. Die Kurse der Aktien von Sberbank und VTB haben sich 2009 fast verdoppelt, dieses Jahr kam es zu deutlichen Kurskorrekturen. Jetzt stellen die meisten Analysten den Ausblick wieder auf „Buy“. Die Sberbank etwa, bei der der frühere Wirtschaftsminister Germann Gref am Ruder sitzt, steuert dieses Jahr auf ein Rekordergebnis zu. Gerade sein Bankhaus ist gestählt aus der Krise gegangen, denn in Zeiten von Bankenpleiten und Verunsicherung vertrauen die Russen jener Sparkasse, bei der sie schon zu Sowjetzeiten ihr Geld parkten. Zwar behaupten Öl- und Gasaktien im russischen Handel seit Jahren ihre Position als meistgefragte Wertpapiere. Doch der Anteil dieser Branche am Gesamthandel fiel im vorigen Jahr erstmals unter 50 Prozent, wie die russische Finanzaufsicht ausgerechnet hat. Nach Börsenwert stellen Banken derzeit fast 25 Prozent des RTS-Index.

Am Parkett stellt sich langsam ein, wovon Russlands Präsident Dmitri Medwedew träumt: die Diversifizierung der Wirtschaft. Der Kremlchef möchte das Land aus dem Würgegriff der Öl- und Gasindustrie befreien, von deren Exporten nicht nur der Staatshaushalt abhängt, sondern auch das Wirtschaftswachstum. Darum beschwört er seit Monaten das angeblich positive Investitionsklima seines Landes, schiebt den Bau von IT-Zentren an, verspricht die Bekämpfung der Korruption und den Abbau von Bürokratie.

Gute Fundamentaldaten

Börsianer schenken dem aber wenig Glauben: „Die Modernisierungspläne des Präsidenten sollten nicht der Grund für den Einstieg in Russland sein, sondern die überzogenen Risikoabschläge bei guten Fundamentaldaten“, sagt Peter Bodis von Pioneer Investments.

Langfristig hängt das Potenzial russischer Aktien davon ab, ob dem Land der Sprung in die Zukunft gelingt: Weg von Putins autoritärem Staatskapitalismus – hin zur Marktwirtschaft, in der Unternehmen transparent agieren. Bis dahin steckt in jedem Kurs das Risiko, dass sich Premier Putin einmischt. Das erahnt nur, wer vor Ort aufmerksam das Staatsfernsehen schaut – oder sich im Gebüsch vor Putins Datscha auf die Lauer legt.

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