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Schutzverein SdK Aktionärsschützer unter Manipulationsverdacht

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Grafik: Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard im Verlauf

Auch die SdK-Publikation „SdK-Aktionärs-News“ nannte damals Conergy wiederholt einen „klaren Verkaufskandidaten“, von dem Anleger tunlichst „die Finger lassen“ sollten. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt aktuell noch gegen mehrere ehemalige Conergy-Manager wegen angeblicher Bilanzmanipulation.

Neben Conergy, Wirecard und Thielert sollen vor allem Pennystocks von den Manipulationen betroffen sein. Das sind Aktien kleiner, unbekannter Unternehmen, die im kaum regulierten Freiverkehr der Börse notieren. Dank des geringen Börsenwerts können Manipulateure ihre Kurse leicht beeinflussen. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft zu den Aktien von Petrohunter und Nascacell; Gerüchten aus Frankfurter Börsenkreisen zufolge sollen auch Geschäfte mit Aktien von Duravest und Splendid Medien untersucht werden. Die Aktie von Duravest ist heute wertlos, eine Splendid-Sprecherin sagte, das Unternehmen wisse nichts von Ermittlungen.

Ermittlungen sind für die Anlegerschützer eine Katastrophe

Ziel der jüngsten Razzia ist es, Beweismittel dafür zu finden, dass die Beschuldigten ihre Kampagnen starteten, um davon finanziell zu profitieren. Wenn bewusst falsche Informationen gestreut werden, wäre dies strafbare Kursmanipulation. Ob sich SdK-Funktionäre auch mit der Verbreitung stichhaltiger Vorwürfe strafbar gemacht haben, etwa weil sie nicht auf finanzielle Interessen hingewiesen haben, ist juristisch umstritten.

Für die Anlegerschützer sind die Ermittlungen in jedem Fall eine Katastrophe. Die SdK ist mit 12 000 Mitgliedern der zweitgrößte deutsche Anlegerschutzverein, nach der Düsseldorfer DSW. Eigentlich sollten die Anlegerschutzvereine ausschließlich die Interessen ihrer zahlenden Mitglieder vertreten, zum Beispiel auf Hauptversammlungen. Sowohl SdK als auch DSW finanzierten sich aber zu großen Teilen aus Zahlungen genau jener Unternehmen, die sie kritisch beaufsichtigen sollten, sagt Hans-Martin Buhlmann, der 20 Jahre lang SdK-Vorstand war und heute gegen Bezahlung Großanleger wie Pensionskassen oder Hedgefonds vertritt.

DSW und SdK haben beispielsweise Verlage, die gegen hohe Gebühren die auf den Hauptversammlungen gehaltenen Reden der Unternehmen veröffentlichen. Eine wichtige Geldquelle der Vereine sind auch Spenden, die sie von den zu überwachenden Unternehmen bekommen.

Die SdK-Funktionäre Öfele, Schneider oder der SdK-Vorstand Harald Petersen sitzen zudem in vielen Aufsichtsräten, ebenso ihre Kollegen von der DSW. „Es wäre doch spaßig“, frotzelt Buhlmann, „wenn der Abgesandte der DSW oder SdK dem Aufsichtsrat und damit seinem Chef, auf der Hauptversammlung die Entlastung verweigerte“. Das gab es noch nie. SdK-Vize Petersen bestritt den Interessenkonflikt nicht: „Wir hätten auch gerne ein Geschäftsmodell wie der ADAC, das sich über Mitgliedsbeiträge alleine trägt“, sagte er der WirtschaftsWoche schon 2005.

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