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Schutzverein SdK Aktionärsschützer unter Manipulationsverdacht

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Conergy AG Geschäftsbericht: Quelle: dpa

Noch problematischer ist, dass sich SdK-Funktionäre direkt oder über Vermögensverwaltungs-Gesellschaften an einer Vielzahl von Unternehmen beteiligt haben. 2008 verschärfte die SdK deshalb ihre Regeln. So dürfen SdK-Sprecher nicht auf Hauptversammlungen auftreten, wenn sie die betreffende Aktie leerverkauft haben. Haben sie die Aktie gekauft, müssen sie dies offenlegen.

Als Verein mag die SdK mit Pennystocks nichts zu tun haben, privat spekulierten einige ihrer Funktionäre aber mit solchen Papieren. Straub und Öfele beteiligten sich im Jahr 2000 vorbörslich am Biotech-Startup Nascacell. Auch der angebliche Öl- und Gasförderer Petrohunter tauchte in Funktionärsdepots auf. So stieg Ex-SdK-Sprecher Bosler 2006 in großem Stil dort ein, auch die früher von Öfele geführte Vermögensverwaltung Max8 kaufte.

"Goldrichtig"

Flankiert wurden die Käufe von euphorischen Empfehlungen des immer gleichen Kolumnisten des Münchner Anlegermagazins. Auch die Wohnung des Journalisten in Schwabing hat die Staatsanwaltschaft durchsucht. Im Januar 2006 bescheinigte der Mann Petrohunter ein Kurspotenzial von exakt 163 Prozent. Kurz darauf schrieb er: „Volltreffer. Der Rat erwies sich als goldrichtig.“ Ein anderer Artikel desselben Mitarbeiters zu CellCyte Genetic fiel so unkritisch aus, dass Kurstreiber aus der Schweiz ihn verkürzt massenhaft als Werbefax verschicken.

Eine zentrale Figur in der Münchner Anlegerszene ist Bosler. Er organisierte in Kitzbühel eine jährliche Kapitalmarkt-Konferenz, auf der sich Unternehmen vorstellen. Über seinen Brief „Der Börsendienst“ verschickte er per E-Mail und SMS Empfehlungen. Sein Slogan: „Börsengewinne sind kein Zufall.“

Bosler war bis 2002 Sprecher der SdK, bis 2001 arbeitete er als Manager der VEM Aktienbank. In früheren Jahren saß auch SdK-Chef Schneider im VEM-Aufsichtsrat. Diesen Posten legte er jedoch nieder, da „die Kombination SdK und VEM nicht unbedingt ideal“ gewesen sei, gab Schneider 2003 in der „Süddeutschen Zeitung“ zu.

Dass die SdK in alter Besetzung als Anlegerschützer weitermachen kann, ist ungewiss. In den Sternen steht auch, wann Ex-SdK-Sprecher Bosler das nächste Mal auf der „Excalibur 1“ in See sticht. Im Internet präsentierte er sich bis vor Kurzem noch mit nacktem Oberkörper am Strand und seinem bayrischen Motto „Mei Ruah wui i ham“. Den Wunsch nach Ruhe wird ihm die Staatsanwaltschaft aber auch zum 40. Geburtstag am kommenden Donnerstag nicht erfüllen.

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