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Skimming-Betrugsfälle Die Angst am Geldautomaten

Manchmal bleibt nach dem Geldabheben ein mulmiges Gefühl. Was können Bankkunden tun, wenn Sie auf die Schnelle Gewissheit haben wollen, ob der Automat manipuliert wurde? Oft bleibt nur banges Warten – oder die sofortige Kontosperre. Ein Erfahrungsbericht von WiWo-Redakteur Mark Fehr.

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Angst vor Betrugsfällen: Eine Quelle: dpa

Ich habe meine Geheimzahl schon eingegeben, trotzdem will der Automat gleich noch mal die PIN wissen. Habe ich mich vertippt? Kann sein, doch eigentlich müsste die Zahlenfolge auch beim ersten Mal gepasst haben. Schließlich sind es ja nur vier Ziffern – und außerdem meldet das Gerät normalerweise, wenn die Eingabe falsch war. Jetzt klappt es endlich: Das Terminal spuckt die Scheine aus und gibt die Karte wieder frei. Ich kann mir mein Brötchen kaufen und zurück ins Büro.

Im Alltagsstress will sich niemand gern mit solchen vermeintlichen Kleinigkeiten aufhalten. Doch schon Minuten später stellt sich ein mulmiges Gefühl ein. War der Automat manipuliert? Das ist nicht auszuschließen. Denn verlangt ein Gerät zweimal hintereinander die Eingabe der Geheimzahl, kann das ein Hinweis auf eine Skimming-Attacke sein.

Beim Skimming kopieren Kriminelle die Kundendaten, spähen per Blick über die Schulter oder über versteckte Kameras die Eingabe der Geheimzahl aus und räumen dann mit Hilfe von blitzschnell erstellen Kartendubletten an ausländischen Automaten die Konten leer.

Kriminelles Skimming boomt

Vor dem Abheben hatte sich noch ein Passant ganz unverfänglich nach der Uhrzeit erkundigt und war mir dann in den Schalterraum gefolgt. Wollte er mich etwa dabei ausspähen, wie ich meine PIN eingebe? Natürlich soll man niemanden aus dem Bauch heraus verdächtigen, doch die Angst am Automaten ist nicht ganz unbegründet. Wie das Bundeskriminalamt vor einer Woche meldete, zählte die Statistik allein in der ersten Hälfte des zurückliegenden Jahres so viele Skimming-Fälle wie im gesamten Jahr 2009. Der Schaden: 40 Millionen Euro.

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    Obwohl deutsche Kreditinstitute massiv in die Sicherheit der Plastikkarten investieren, bleibt eine Achillesverse. Viele Karten, bei denen die Kundendaten auf einem kopiergeschützten Chip gespeichert sind, besitzen immer noch Magnetstreifen. Kriminelle können letztere mit entsprechender Technik leicht auslesen. Allerdings lässt sich nur mit Magnetkarten Geld im Ausland abheben, wo die sichere Chiptechnik noch nicht überall eingesetzt wird.

    Diese beunruhigenden Fakten führen dazu, dass die Unsicherheit an mir nagt – schließlich geht es um mein Geld. Was also kann ich tun, wenn ich nicht sofort mein Konto sperren aber das mulmige Gefühl loswerden will? Am einfachsten scheint auf die Schnelle ein kurzer Anruf bei der Filiale, die den Automaten betreibt. Die Mitarbeiter dort sollten doch rasch feststellen können, ob sich Unbefugte an den Geräten zu schaffen gemacht haben.

    Wenn die Bank Entwarnung gibt, kann ich mir den Aufwand einer polizeilichen Anzeige und der Kontosperrung sparen, denke ich. Doch so einfach ist es nicht. Die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung verspricht zwar, mein Anliegen zu überprüfen. Das Feedback werde ich allerdings nicht persönlich bekommen. Die Information geht stattdessen an die Bank, bei der ich mein Konto habe.

    Diesmal hatte ich bei einem fremden Kreditinstitut abgehoben, das wie meine 'Hausbank' zur Cash Group gehört. "Wenn der Automat wirklich manipuliert war, informieren wir ihre Bank", verspricht die Mitarbeiterin vom Telefondienst der Filiale. In der Zwischenzeit könne ich mich ja bei meiner Geschäftsstelle erkundigen, ob jemand im Ausland versucht hat, die Karte zu belasten. Denn die Betrüger starten mit dem Abheben schon Minuten, nachdem die Kundendaten ausgespäht wurden.

    Keine schnelle Entwarnung

    Noch zeigt mein online abgerufener Kontostand kein Minus, doch das verschafft mir nicht die gewünschte Beruhigung. Wer weiß, wie lange es dauert, bis die Umsätze nach dem Abheben tatsächlich gebucht werden? Also rufe ich – wie empfohlen – meine Geschäftsstelle an.

    Hier bestätigt man mir, was ich auch schon von der fremden Bank erfahren habe: Die Institute tauschen die Daten der von Betrügern manipulierten Automaten untereinander aus. Wenn eine kriminelle Attacke festgestellt wurde, können betroffene Kunden aus einem Sicherungsfonds entschädigt werden.

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      Das klingt beruhigend. Mein Wunsch, mal eben schnell Entwarnung zu bekommen, erfüllt sich damit aber nicht. Bei einem Verdacht auf Automatenmanipulation bleibt also nichts anderes übrig, als das Konto sofort zu sperren. Wer das nicht tut, riskiert die Entschädigung, wenn wirklich etwas passiert – und verbringt bange Stunden in Reichweite des Rechners, um ständig online die Umsätze zu überprüfen.

      Bei aller Alltagshektik sollte man sich deshalb selbst beim schnellen Geldabheben konzentrieren und sich Zeit nehmen, bewährte Sicherheitstipps zu beachten. Nur so spart man sich mulmige Gefühle oder lästige Kontosperrungen rein auf Verdacht.

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