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Solar-Anlagen Für die Sonnenkönige sieht es düster aus

Gekürzte Förderungen, Margenverfall und längere Laufzeiten der Atommeiler - für die Solarbranche sind die Zukunftsaussichten alles andere als sonnig. Nur wenige Unternehmen haben eine überzeugende Strategie. Das bekommen auch Investoren zu spüren, die auf Zertifikate setzen.

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Die Zukunftsaussichten der Solar-Branche sind alles andere als sonnig. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Wird Köln zur heimlichen Solar-Hauptstadt? Die Chancen stehen gut, seitdem der Hersteller von Solarmodulen Solarworld Fußball-Nationalstürmer Lukas Podolski aus der Domstadt als Werbeträger entdeckt hat. Statt "Wichtig ist auf'm Platz" soll es jetzt "Wichtig ist auf'm Dach" heißen. Denn dort installieren die meisten Hausbesitzer die Solaranlagen, mit denen mithilfe der Sonnen Strom oder Wärme erzeugt wird; entweder mit Photovoltaik- (Strom) oder mit Solarthermieanlagen (Wärme).

Das war gerade in der letzten Zeit ein lohnendes Geschäft - für die Hausbesitzer wie auch für die Solarbranche selbst. Denn das im März 2000 verabschiedetet Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert Besitzern von Solaranlagen, den damit erzeugten Strom zu einem festen, äußerst attraktiven Preis für die nächsten 20 Jahre ins Stromnetz einspeisen zu dürften. Das und die in den letzten Monaten stark gefallenen Preise für Solaranlagen haben zu einem regelrechten Boom geführt. Scheint die Sonne wie erwartet, sind jährliche Renditen zwischen fünf und sieben Prozent (nach Steuern) durchaus möglich - eine attraktive "Verzinsung" in Zeiten niedriger Renditen für Sparbücher oder Bundesanleihen.

Zusätzlichen Schwung brachten die Pläne der Bundesregierung, den festgeschriebenen Preis für den gelieferten Strom deutlich zu reduzieren. "Das hat zu Vorzieheffekten geführt, viele Hausbesitzer haben noch schnell eine Solaranlage bestellt und montieren lassen, um von der alten Regelung zu profitieren", schildert Karin Meibeyer, Branchenanalystin der NordLB.

Die Folge: Solarfirmen verdienten im ersten Halbjahr 2010 wieder besser. Solarworld, Aleo Solar oder Colexon - die deutschen Unternehmen haben die Erwarten im ersten Halbjahr 2010 übertroffen. "Wir haben ganz klar von der Sonderkonjunktur in Deutschland profitiert", sagte Andreas Hänel, Vorstandschef von Phoenix Solar, dem Handelsblatt. Das bayerische Unternehmen, das mit Solarmodulen handelt und Solarkraftwerke baut, steigerte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 138,7 Prozent auf 364 Mio. Euro. Beim deutschen Branchenprimus Solarworld etwa stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um gut 50 Prozent auf rund 608 Mio. Euro.

Erwartungen erfüllt - mehr nicht

Müsste in der Branche nicht eigentlich eitel Sonnenschein herrschen? "Die Börse hat sich über die schönen Zahlen gefreut, aber diese wurden erwartet. Deshalb gab es keine großen Kurssprünge nach oben", so Meibeyer. "Trotz der guten Ergebnisse haben sich die Aktienkurse eher nach unten entwickelt, weil die unsicheren Marktaussichten 2011 wieder mehr in den Focus gerückt sind." Das hat auch die Entwicklung der Solar-Zertifikate gebremst. Zwar haben viele von ihnen in den vergangenen drei Monaten mit einem Plus abgeschlossen. Über einen längeren Zeitraum war die Performance allerdings enttäuschend. Beispiel Solex-Indexzertifikat der Société Générale (WKN: ABN43J) oder das Solactive Global Solar TR Indexzertifikat von der Deutschen Bank (WKN: LBW3AC). Hier stehen zumindest auch für den Sechs-Monats- und den Ein-Jahres-Zeitraum positive Vorzeichen - sieben und 5,5 Prozent Kursplus. Insbesondere Centrotherm, Q-Cells und Solarworld haben dazu beigetragen. "Die zeitweise Über- oder Untergewichtung einzelner Titel im Basket hat die Wertentwicklung des Zertifikats positiv beeinflusst. Da alle Aktien in Euro notieren, haben Währungsschwankungen keine Rolle gespielt", erläutert Volker Honold von der Landesbank Baden-Württemberg.

Margenverfall belastet Ergebnis

Nun machen sich die sinkenden Margen für die deutschen Hersteller durch die zunehmende ausländische Konkurrenz bemerkbar. Beispielsweise konnte bei Solarworld das Ergebnis nach Zinsen und Steuern (Ebit) dem Umsatzsprung nicht mithalten. Es sank sogar noch geringfügig auf 81 Mio. Euro. Die Ebit-Marge fiel so im Vergleich zum Vorjahr von 20,7 auf nur noch 13,3 Prozent. Im Jahr 2009 sanken die Preise für Solarmodule um 30 bis 50 Prozent. Insbesondere der Einbruch des spanischen Photovoltaikmarktes und das wachsende Überangebot an Solarmodulen verursachten den Preisverfall. Aus dem Verkäufermarkt wurde ein Käufermarkt, beschreibt die Bank Sarasin in ihrer aktuellen Studie zu erneuerbaren Energien die veränderte Marktsituation.

Außerdem dürfte die Lust vieler Europäer, Solaranlagen entweder auf den Hausdächern oder als sogenannte Freiflächenanlagen auf Wiesen oder Äckern aufzubauen, deutlich abnehmen. Der Grund dafür ist, dass vielen Staaten die Solarförderung schlichtweg zu teuer geworden ist und sie deshalb die Fördermaßnahmen teilweise drastisch senken. Marktkenner erwarten für Deutschland beispielsweise einen Rückgang der neu installierten Module von fünf statt von sieben Gigawatt. Ein Gigawatt entspricht einer Milliarde Watt. "Mit einem Gigawatt Photovoltaik-Strom kann man in Deutschland etwa 300 000 Haushalte versorgen. Im sonnigen Südbayern etwas mehr, im nebligen norddeutschen Flachland etwas weniger", erklärt Prof. Rolf Wüstenhagen, Inhaber des Lehrstuhls für Management erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen. Da auch der Kampf um die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken entbrannt ist, ist derzeit nicht absehbar, wie hoch der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien im Jahr 2020 tatsächlich sein wird. Die zukünftige Energiepolitik wird entscheidend für den Erfolg der Solarbranche sein.

Maschinenbauer überzeugen

Experten sehen eine deutlich schwächere zweite Jahreshälfte 2010. Die gleiche Einschätzung gilt für das Folgejahr. "Wir müssen in der Solarbranche aber differenzieren", wendet Lars Dannenberg, Analyst für Solarunternehmen bei der Berenberg Bank, ein. "Die Produzenten werden sich schwertun, sich im Spannungsfeld zwischen fallenden Preisen und zunehmender Konkurrenz zu behaupten. Ich gehe hier von weiterhin fallenden Margen aus." Positiv sieht er dagegen Zulieferer sowie Unternehmen, die Maschinen für die Herstellung zum Beispiel von Solarzellen oder Modulen bauen. Hier sind seiner Meinung nach deutsche Unternehmen wie Manz Automation oder Centrotherm Photovoltaics die erste Wahl, wenn es um Qualität und Zuverlässigkeit geht. Auch Roth & Rau gehört zu diesen sogenannten Systemdienstleistern.

Auch die Produzenten von Silizium, dem Grundstoff für die Solarzellen und späteren-module, konnten von dem Boom profitieren. Beispiel Spezialchemieanbieter Wacker Chemie: Das Siliziumgeschäft macht jetzt schon gut ein Viertel des Konzernumsatzes aus, der 2009 auf 3,72 Mrd. Euro schrumpfte. Während die Erträge des Konzerns 2009 um 16 Prozent einbrachen, legte das Geschäftsfeld Polysilizium um 35 Prozent zu. Lediglich die Produktion von Silikonstoffen, die vor allem für die Bauindustrie genutzt werden, ist noch größer - vorläufig. Denn die neuen Kapazitäten dürften schon sehr bald dazu führen, dass polykristallines Silizium mit Abstand der wichtigste Umsatz- und Ertragsträger von Wacker wird. Für Wacker Chemie ist es daher nicht unbedingt von Nachteil, wenn ausländische Anbieter von Solarmodulen ihre Geschäftstätigkeit ausweiten.

Aktuell (27.08.) geben beim Handelsblatt-Analystencheck 13 Analysten für Wacker Chemie eine Kaufempfehlung ab, acht haben eine neutrale Einschätzung und vier raten zum Verkauf. Der Spezialchemiekonzern könnte von steigenden Polysiliziumpreisen in China profitieren, erwartet unter anderem Kepler Equities-Analyst Ingo Queiser.

Wacker Chemie ist nach Angaben der Raiffeisen Centrobank (RCB) auch für die vergleichsweise gute Performance des RCB Silizium Basketzertifikats (WKN: AA0QLB), das insgesamt zehn Unternehmen ausmacht.

Vielen deutschen Solarherstellern wird nichts anderen übrig bleiben, als auf die Konkurrenz von Yingli und Co. mit einem Strategiewechsel zu reagieren. Die Solarbranche gerät immer stärker in Bewegung. Wüstenhagen erwartet insgesamt eine weitere Konsolidierung unter den Herstellern von Solaranlagen und ihrer Komponenten. "Wir sehen eine Analogie zur Windkraftbranche vor etwa acht Jahren, als mit General Electric und zwei Jahre später Siemens zwei Goliaths in den vorher von Davids dominierten Markt eingestiegen sind", so Wüstenhagen. "In naher Zukunft könnten durchaus auch große Unternehmen, die sich bislang noch zurückgehalten haben, in den Markt einsteigen." Das sieht die Bank Sarasin ähnlich: Der wachsende Wirtschaftssektor werde sich zu einer reiferen und etablierten Industrie entwickeln - die Photovoltaik verstärkt in Richtung Elektronikindustrie. Das könnte dem Aktienkurs einiger Solarmodulhersteller im Zuge von Übernahmephantasien wieder auf die Sprünge helfen.

"Es gibt eigentlich nur zwei erfolgversprechende Strategien für die Zukunft von Solarunternehmen: Qualitäts- oder Kostenführer", meint Lars Dannenberg. "Firmen wie Solarworld haben dies rechtzeitig erkannt und setzen dies seit Jahren erfolgreich um. Der Markt der Kostenführer wird ganz klar dominiert von den asiatischen Firmen, insbesondere den Chinesen wie Yingli, Suntech, Solarfun oder JA Solar. Hier haben deutsche Solarunternehmen auf mittlere Sicht keine Chance mitzuhalten."

NordLB-Analystin Meibeyer hält eine Verlagerung der Produktion nach Asien für sinnvoll, um Kosten zu sparen. "Die Kürzung der Förderung ist gefährlich. Das Beispiel Japan zeigt, dass eine solche Senkung schnell die Technologieführerschaft kosten kann", so Meibeyer. Einige Unternehmen konzentrierten ihre Produktion bereits auf Märkte, für die in den kommenden Jahren mit einem hohen Wachstum beim Absatz von Solarzellen und-modulen gerechnet wird. So zum Beispiel in Asien oder den Vereinigten Staaten, wo der Solarmarkt bislang eine langsamere Entwicklung vollzogen hat, als ursprünglich mit dem politischen Programm von Präsident Barack Obama erwartet wurde. Solarworld hat den Schritt Richtung Amerika schon gemacht: Larry Hagman alias J.R Ewing aus der Fernsehserie "Dallas" wirbt für das Bonner Unternehmen.

Nur wenige neue Zertifikate

Auch die Zertifikatebranche hat zuletzt Zurückhaltung bei den Solar-Produkten geübt. Gab es vor Jahren noch viele Neuemissionen, wurden 2009 und 2010 nur wenige neue Solarzertifikate auf den Markt gebracht. Im März hat die WestLB mit einem Solarthermie-Basketzertifikat (WKN:

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