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Solar Millennium Ex-Chef Claassen teilt aus

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Solar Millennium

Analysten glaubten daran. Karsten von Blumenthal, damals Analyst bei SES Research, erneuerte nach dem durch den Artikel bedingten Kurssturz seine Kaufempfehlung mit neuem Kursziel 48 Euro, die WestLB riet ebenfalls zum Einstieg und sah 40 Euro in Reichweite. Solche Kurse erreichte die Aktie nie wieder (siehe Grafik). Nach einer Sonderprüfung infolge der Vorwürfe musste Solar Millennium 2010 den Konzernabschluss 2008/2009 korrigieren. Auch die Vergangenheit von Aufsichtsrat und Gründer Kuhn droht ihn nun einzuholen. Seine Anwältin ging 2009 davon aus, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ihre Ermittlungen wegen seiner Rolle im Schneeballsystem der DM Beteiligungen bald einstellen würde. Sie täuschte sich.

Die Staatsanwälte haben jetzt Anklage gegen Kuhn und zwei weitere Personen wegen Betrugs in besonders schwerem Fall erhoben. Kuhn lässt mitteilen, die Vorwürfe seien „nicht berechtigt“. Seine Funktion bei DM Beteiligungen habe sich auf die „steuerliche Beratung“ beschränkt, „im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften“.

Der Insolvenzverwalter fordert 3,7 Millionen Euro

Der Insolvenzverwalter von DM Beteiligungen, Horst Piepenburg, fordert vor dem Düsseldorfer Landgericht dennoch 3,7 Millionen Euro Schadensersatz von Kuhn und seiner Steuerberatung, auch geprellte Anleger haben ihn verklagt. „Er ist einer der wenigen, bei dem noch etwas zu holen ist“, sagt eine Berliner Anwältin. In Deutschland hat Kuhn nach Informationen der WirtschaftsWoche keine Meldeadresse mehr. In Nürnberg hat er sich abgemeldet und als Wohnort London angegeben, Hamilton Place, Park Lane – ein feines Pflaster. Kuhn sei für die Behörden jederzeit zu erreichen, teilt sein Anwalt mit.

In der Tat könnte er flott zur Stelle sein. Für Reisen, auch zu einer Finca auf Mallorca, soll Kuhn gern auf einen Firmenjet Typ Cessna Citation CJ2+ zurückgreifen, Flugzeugkennung D-IPCC. Das Kürzel IPCC steht eigentlich für den Weltklimarat. Zu schön, um wahr zu sein? Sein Anwalt verneint die Frage nach einem privat genutzten Firmenjet und sieht dahinter Informationen, „die abseits jeder Realität liegen“.

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