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Solar Millennium Utz Claassen: "Seine Leistung war kaum zu messen"

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Claassen stellt Kontakte zu Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Aussicht, zu Jürgen Grossmann, dem Chef des Stromgiganten RWE. Zumindest erinnert sich Kuhn an derartige Versprechungen. Auch soll Claassen von guten Kontakten zum künftigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas gesprochen haben. Das habe ihn beeindruckt, sagt Kuhn. Wer bitte ist der künftige Vorsitzende der KP in China, fragt Claassen heute mit leicht spöttischem Unterton.

Doch im Dezember 2009 werden die beiden handelseinig. Die Persönlichkeit Utz Claassen schien Kuhn so attraktiv, dass er die neun Millionen Euro allein für den Antritt von Claassen aufbringt. Vier Millionen Euro davon seien für angebliche Verdienstausfälle von Claassen bei vorherigen Arbeitgebern gewesen, fünf Millionen eine Vorab-Erfolgsprämie für die projizierte Performance von Solar Millennium unter Claassen. Als Monatsgehalt erhält er 100 000 Euro, als Dienstwagen einen Mercedes S 400 Hybrid. Solar Millennium übernimmt auch Vorsorgeleistungen für das Jahr 2010 - noch einmal 180.000 Euro. Und weil Claassen neben einem Fahrer auch einen Leibwächter wünscht, zahlt das Unternehmen ihm auch dafür noch einen Zuschuss von 100 000 Euro pro Jahr. Nie zuvor hat Solar Millennium einen Manager in auch nur annähernder Weise entlohnt.

Börse reagierte begeistert auf Claassens Engagement

Claassen selbst bestreitet diese Angaben zum Teil, nennt aber keine anderen Zahlen. Solar Millennium jedoch bleibt bei der Summe von 9,18 Millionen Euro brutto für den Antritt von Utz Claassen. Die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall aus Hamburg, die Claassen vertritt, sagt, dienstvertragliche Regelungen unterlägen der Vertraulichkeit.

Zunächst schien sich das Investment in Claassen zu lohnen. Als Solar Millennium den Vertragsabschluss verkündet, reagiert die Börse begeistert. Schon vor Claassens Start steigt der Kurs um 20 Prozent, danach weiter. "Insgesamt war das ein Plus von 175 Millionen Euro an Unternehmenswert", sagt Kuhn. "Alles sah hervorragend aus."

Der Vertrauensvorschuss der Börsianer hatte keine Grundlage, meint Kuhn heute zu wissen. Drei Monate lang hat das Kontrollgremium die Unterlagen von Claassen durchkämmt, seit der Vorstandschef am 15. März abrupt kündigte. Nicht ein einziges Neugeschäft habe man gefunden. Stattdessen: Beraterverträge für Claassens Umfeld.

Leistung unbekannt

Mit 10.000 Euro schlägt allein der Vorschuss für PR-Berater Jürgen Hogrefe zu Buche. Er und Claassen sind lange befreundet. Was Hogrefe für die 10.000 Euro leistete, ist dem Aufsichtsrat laut Kuhn unbekannt. Es existiere keine Dokumentation. Claassen sagt, die Konditionen der Beraterverträge seien ihm nicht bekannt.

Das muss dann auch für die 25.000 Euro gelten, die der über 70 Jahre alte Klaus Menge pro Monat erhielt. Auch er ist ein langjähriger Freund von Claassen. Dass Menge sich erst von Solar Millennium als Berater bezahlen ließ, und seine Kanzlei Claassen dann gegen Solar Millennium vertrat, gehört zu den besonderen Facetten dieses Falles.

Auf Anfrage des Handelsblatts lässt Claassen über einen anderen Anwalt ausrichten, die Beratervertrag seien nicht von ihm unterschrieben worden, Konditionen kenne er auch nicht. Der Vertrag mit Menge sei nicht auf seine Anregung hin entstanden. Aufsichtsrat Kuhn behauptet das Gegenteil. Menge äußert sich nicht.

Über rund 10.000 Euro pro Monat von Solar Millennium durfte sich Hans Karl Mucha freuen. Mucha kam wie Jürgen Hogrefe während der Amtszeit von Utz Claassen zur EnBW, zwischen ihm und Claassen-Freund Hogrefe gibt es eine weitere Verbindung: Auf einer Patentanmeldung der EnBW im März 2008 tauchen die beiden gemeinsam als Erfinder auf. Die enge Verbindung zu Claassen zahlte sich auch für Peter Christ aus. Der ehemalige Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung hatte sich in jener Zeit mehrfach mit juristischen Attacken des EnBW-Chefs auseinander zu setzen. Das aber hielt Christ nicht davon ab, sich nach seiner Zeit als Chefredakteur als PR-Berater von EnBW anheuern zu lassen.

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