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Solarprojekt Desertec Die Geldkollektoren von Solar Millennium

Dank dem Wüstenprojekt Desertec hat der Kurs von Solar Millennium abgehoben. Doch Vorsicht: Hinter der Firma stecken einige Akteure vom grauen Kapitalmarkt.

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Solarthermieprojekt Andasol. Staatliche Förderung für weitere Kraftwerke unsicher

Es ist das wohl ambitionierteste Energieprojekt aller Zeiten: Zwölf europäische Unternehmen wollen die Hitze der Sahara als Ökostrom nach Europa holen – und so die Energieversorgung der Zukunft sichern. 350 Milliarden Euro wollen sie bis zum Jahr 2050 in riesige Solarkraftwerke in der Wüste investieren, weitere 50 Milliarden Euro in Stromkabel, um die Energie aus Nordafrika nach Europa zu transportieren. 15 Prozent des europäischen Strombedarfs soll das Projekt eines Tages liefern.

Mit an Bord ist die Erlanger Solar Millennium, die sich als Projektentwickler beteiligen wird. „Desertec ist eine der spannendsten Visionen unserer Zeit, und wir müssen jetzt mit der Umsetzung beginnen“, sagt der Vorstandsvorsitzende von Solar Millennium, Christian Beltle. Solche Visionen hört die Börse gern. Der Kurs der im wenig regulierten Freiverkehr der Frankfurter Börse notierten Aktie hat sich angesichts dieser und weiterer Erfolgsmeldungen seit März dieses Jahres fast vervierfacht, von 6,25 auf derzeit 23 Euro.

Fragliches Projekt

Wer hinter die Kulissen der fränkischen Solarfirma blickt, stößt allerdings auf Ungereimtheiten, die so gar nicht zu den Erfolgsmeldungen passen. Ob das Geschäft von Solar Millennium – die Erstellung von sogenannten Parabolrinnen-Kraftwerken – erfolgreich betrieben werden kann, ist fraglich. Zudem ermitteln Staatsanwälte gegen Personen aus dem Unternehmen und aus dessen Umfeld. Dabei geht es um einen der größten Skandale des unregulierten sogenannten grauen Kapitalmarktes, von dem zwar Solar Millennium nicht direkt betroffen ist, jedoch Akteure, die mit dem Unternehmen eng verbunden sind.

Es steht viel Geld auf dem Spiel

Bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geht es um die Pleite der Düsseldorfer DM Beteiligungen, die gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Leipzig West zu einem im Sommer 2006 geplatzten Schneeballsystem gehört haben soll, so der Vorwurf. DM und Leipzig West hatten Anlegergelder aus hochverzinsten Anleihen zunächst in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien gesteckt, die sich später als weitgehend wertlos erwiesen. Neues Anlegergeld wurde nach kurzer Zeit nicht mehr nur in solche dubiosen Geschäfte gesteckt, sondern auch für Auszahlungen an Alteigner verwendet. Bis der Geldfluss versiegte. Rund 35.000 Privatinvestoren verloren darüber fast 600 Millionen Euro.

Auch bei Solar Millennium sind Anleger stark engagiert. Rund 170 Millionen Euro haben private Investoren allein über Anleihen in das Unternehmen gesteckt – in der Hoffnung auf Rückzahlung und jährliche Zinsen von 6,75 Prozent. An Börsenwert stehen zudem 290 Millionen Euro auf dem Spiel.

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