Sonderdividende Börsenfusion: Druck auf die Aktionäre

Klappt die Fusion Deutsche Börse/Nyse, gibt es eine Sonderdividende. Klingt gut – ist aber unfair.

Annina Reimann

Die Börsen versuchen mit aller Gewalt, Aktionäre zur Fusion zu locken. „Das ist nichts anderes als Bauernfängerei“, wettert Henning Gebhardt, Leiter europäische Aktien bei der DWS, der Fondstochter der Deutschen Bank. Die Fusionspartner sind offensichtlich nervös, fragen sich, ob genügend Aktionäre Anteile tauschen. Das Interesse lässt nach: Binnen eines Monats fiel die Aktie der Deutschen Börse bereits von rund 57 auf etwa 53 Euro. Das deutet darauf hin, dass Investoren Anteile lieber verkaufen, statt mitzufusionieren.

Wer Aktionär der Deutschen Börse bleibt und nicht in Holdco-Aktien tauscht, bekommt die Extradividende nicht. Aktionäre der Deutschen Börse können nicht zum Tausch gezwungen werden. In den USA ist das anders: Wenn die Hälfte der Nyse-Aktionäre am 7. Juli dem Deal zustimmt, bekommen alle Nyse-Eigner Aktien der neuen Holding ins Depot.

Ungerechtigkeiten

Für die Aktionäre der Frankfurter aber birgt das Ungerechtigkeiten: Francioni strebt an, dass 75 Prozent der Aktien getauscht werden. Werden es weniger, ist der Deal aber nicht zwingend geplatzt. Die Vertragspartner können auf die 75-Prozent-Hürde verzichten – und die Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung trotzdem über einen Beherrschungsvertrag abstimmen lassen, der der Holdco den Zugriff auf die Deutsche Börse sichert. Für den Vertrag braucht Francioni 75 Prozent der Stimmen der anwesenden Aktionäre. Die Sonderdividende soll Anteilseigner auf beiden Seiten des Atlantik auf Fusionskurs bringen – ein bisschen Druck kann da nicht schaden.

Geld nicht für alle

Wer nicht tauscht, bekommt auch nichts. Das ist ungerecht: Um die Sonderdividende – bis zu 620 Millionen Euro, je nachdem wie viele Deutsche-Börse-Aktionäre tauschen – zahlen zu können, muss die neue Gesellschaft entweder einen Kredit aufnehmen oder das Geld aus den Kapitalrücklagen von Deutscher Börse und Nyse zahlen – also auch aus dem, was vor dem Deal von der „alten“ Deutschen Börse erwirtschaftet wurde. Am Erfolg der Vergangenheit aber sollten alle beteiligt werden – und nicht nur diejenigen, die Francionis Fusions-Visionen teilen. „Aktionäre der Deutschen Börse, die nicht umtauschen, sind finanziell schlechter gestellt – das ist bedenklich“, sagt Gebhardt.

Die Aktie der Börse würde weiter gehandelt, bis mit fünf Prozent so wenige Papiere auf dem Markt sind, dass die Börse Eigner zwangsweise herausdrängt. Wer nicht tauscht, wettet auf diesen Squeeze-out – und möglicherweise auf eine dann attraktivere Zahlung.

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