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Soziales Investment mit "Sozialbörsen" Wie die Marktwirtschaft beim Spendensammeln hilft

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Im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen, deren Kapitalbeschaffungskosten an den Finanzmärkten, zum Beispiel in den USA, gut zwei bis vier Prozent betragen, liegen die Kosten des traditionellen Fundraising der sozialen Organisationen bei zehn bis 24 Prozent. 100 Dollar neue Spenden kosten also erst einmal zehn bis 24 Dollar. Hinzu kommt, dass das Führungspersonal 30 bis 60 Prozent seiner Arbeitszeit nur dazu verwendet, Spenden einzuwerben.

Dank der neuen Sozialbörsen kommen nun auch gemeinnützige Projekte genauso günstig an frisches Kapital, wie es an Finanzmärkten längst üblich ist. So kommt mehr Geld bei denen an, die es tatsächlich brauchen.

„Wären wir nicht an der Sozialbörse aufgenommen worden“, erzählt beispielsweise der brasilianische Geschäftsmann Fábio Rosa, „so wäre uns nichts anderes übrig geblieben, als von Haus zu Haus zu gehen und um Geld zu bitten. Ich hätte gar nicht gewusst, wo wir anfangen sollen.“

Doch seine Idee überzeugte die Börse in São Paolo: Rosa schlug vor, Solarlampen für Brasiliens Shrimpsfischer zu produzieren, die bisher Gaslampen auf ihren Booten verwendeten. Die Fischer könnten damit auf einen Schlag ihre Energiekosten und ihre jährlichen CO2-Emissionen von 15.000 Tonnen senken. Zusätzlich könnte das neu gegründete Unternehmen Arbeitsplätze für die arme Bevölkerung strukturschwacher Gegenden schaffen.

Auch die Vereinten Nationen fördern die Idee der Sozialbörsen

Nachdem Rosas Projekt im Dezember 2007 beim BVS&A gelistet worden war, fanden sich innerhalb weniger Monate genügend „soziale Investoren“, die die 70.000 Euro Startkapital aufbrachten.

Seit 2003 konnten über BVS&A 81 Projekte mit etwa sechs Millionen Euro komplett finanziert werden.

In Indien konnte "Give India" in den vergangenen zwei Jahren gut drei Millionen Euro an "sozialen Investitionen" beschaffen. Und in Südafrika, wo die Sozialbörse SASIX 2006 an den Start ging, wurden bisher 38 Projekte mit Investitionen in Höhe von rund 600.000 Euro finanziert.

"Es gibt eben doch Mechanismen des Marktes, die funktionieren“, kommentiert Tamzin Ratcliffe von SASIX, "trotz allem, was derzeit an den Finanzmärkten passiert."

Um die Idee der Sozialbörse auf eine globale Ebene zu heben, hat das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) Ende Dezember ein eigenes Pilotprojekt gestartet: den Human Development Stock Exchange (HDSX). Dort sind bislang zwar erst zwei Initiativen aufgelistet – laufen diese erfolgreich, soll der HDSX massiv ausgeweitet werden. „Die Börse kann zu einer Plattform werden, auf der Entwicklungsländer ihre Erfahrungen austauschen können“, sagt Francisco Simplicio von UNDP, "denn sie sind ein fruchtbarer Boden für kreative Lösungen und Innovationen."

Vom Erfolg motiviert gehen SASIX in Südamerika und BVS&A in Brasilien schon einen Schritt weiter: In Zukunft sollen soziale Unternehmen an den Börsen aufgenommen werden, die ihren Investoren zusätzlich zum guten Gefühl, armen Menschen geholfen zu haben, auch finanziellen Gewinn zurückgeben. „Je nach Investitionsmodell können die Zinsen dabei über gängigen Marktzinsen liegen“, sagt Ratcliffe von SASIX.

Celso Grecco aus Brasilien ist da noch ein bisschen zurückhaltender: „Im besten Fall erhält der soziale Investor sein Geld inklusive Zinszahlungen zurück“, sagt er. „Wenn es allerdings schlecht läuft und das Geld weg ist, sollte man sich immer denken: Es wäre ja sowieso eine Spende gewesen.“

Damit es dazu allerdings nicht komme, werde man auch in Zukunft mögliche Investitionsobjekte genau prüfen.

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