WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Spekulation Aktien im Übernahmefieber

Seite 2/5

Die Hälfte oben drauf

Übernahmen, Übernahmeangebote und -gerüchte bieten Anlegern die Chance auf schnelles Geld. 2010 lagen die bei Übernahmen gebotenen Preise im Schnitt 50 Prozent über den Aktienkursen. Laut Alexander Roos, Experte für Übernahmen bei BCG, zahlen Aufkäufer in 98 Prozent aller Fälle eine solche Prämie. „Aus Anlegersicht lassen sich im Schnitt 25 Prozent Rendite einstreichen, meist in wenigen Monaten“, sagt Roos.

Investoren müssen sich, um auf der Gewinnerseite zu stehen, nicht nächtelang durch Bilanzen wühlen, um unterbewertete Unternehmen zu finden. Sie sollten ein Gespür dafür besitzen, in welchen Branchen sich Jäger und Gejagte tummeln. Zudem ist es wichtig, zu wissen, wann es sich lohnt, noch einzusteigen – und wann der Moment zum Ausstieg gekommen ist. Wer etwa beim Kampf zwischen Porsche und VW den Ausstieg verpasste, sitzt heute auf hohen Verlusten.

Schnelles Geld

„Vor allem im Chemiesektor, bei Pharma und Energie werden wir dieses Jahr Übernahmen sehen. Dazu ist der Maschinenbau interessant, unter Umständen auch die Telekommunikationsbranche“, sagt Michael Ulmer, Experte für Übernahmen (Mergers and Acquisitions/M&A) bei der Anwaltssozietät Allen&Overy in Frankfurt. Wie viele Übernahmen es geben wird, hängt vor allem von der Börsenentwicklung ab. Der Datenanbieter Bloomberg hat ausgerechnet, dass bei einem Kurszuwachs von zehn Prozent bei Dow Jones oder Dax das Übernahmevolumen um 24 Prozent anziehen müsste. Steigende Kurse heizen das Übernahmefieber an: Mit 671 Milliarden Dollar im vierten Quartal stieg das M&A-Geschäft 2010 auf ein Zweijahreshoch.

Strafe für Milliardenpolster

Die Firmenchefs stehen unter Druck. Ihnen geht es mit ihren Milliardenpolstern an Cash nicht anders als Privatanlegern: Mehr als ein, zwei Prozent sichere Rendite sind für schnell verfügbares Geld nicht zu holen. Naturgemäß können sie damit weder den Unternehmenswert steigern noch eine hohe Dividende erwirtschaften. Bleibt die Alternative, ins eigene Geschäft zu investieren – oder es über eine Übernahme zu erweitern. Wer nicht handelt, sondern Geld nur ewig parkt, bekommt an der Börse Probleme. So strafen Anleger Unternehmen mit hohem Cash seit Jahren ab – etwa Microsoft, die mit ihren Reserven von zeitweise über 60 Milliarden Dollar nichts anzufangen wissen. Der Microsoft-Kurs stagniert seit acht Jahren – trotz glänzend laufendem Geschäft.

Geld sucht auch deshalb Übernahmeziele, weil die Finanzierung des Kerngeschäfts bei den meisten Unternehmen gesichert ist. „Die Unternehmen haben ihre Kreditlinien bei Banken inzwischen erneuert und ausgebaut, weitere Verbindlichkeiten sind nun langfristig finanziert worden“, sagt Mark Oline, Kreditanalyst bei der Ratingagentur Fitch in New York. Das japanische Brokerhaus Nomura hat in einer Studie 30 übernahmegefährdete Unternehmen aufgelistet, darunter Nobel Biocare, den Rohstoffkonzern Xstrata, Imperial Tobacco und den Windanlagenbauer Vestas. Aus Deutschland stehen Nivea-Hersteller Beiersdorf und Lkw-Bauer MAN auf der Liste.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%