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Spekulation Aktien im Übernahmefieber

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Aktien mit Übernahmefantasie

Der Kurs von MAN legte vergangenen Dienstag zu, nachdem Fiat-Chef Sergio Marchionne gen Wolfsburg getönt hatte, die Italiener könnten Volkswagen deren Anteile an MAN und Scania abkaufen. Bei der Münchener Rück könnte Großaktionär Warren Buffett seinen Zehn-Prozent-Anteil aufstocken. Selbst eine Komplettübernahme könnte Buffett mit seiner Holding Berkshire Hathaway stemmen. Berkshire hat 34,5 Milliarden Dollar Cash und die Münchener Rück kostet an der Börse nur 28 Milliarden Dollar.

Als gefährdet gilt auch SAP. Sollten die Gründer, die noch immer knapp 25 Prozent halten, ob der schwachen Kursentwicklung die Geduld verlieren, stünden wohl Bieter parat. Der Softwarekonzern könnte von Microsoft oder Hewlett-Packard aufgekauft werden, so Sachin Shah, Übernahmespezialist bei Capstone Global Markets in New York.

Kandidaten im Dax

International werden die angeschlagenen Riesen Yahoo (Kampf gegen Google verloren) und BP (Öldesaster im Golf von Mexiko) als Übernahmekandidaten gehandelt. Das Gerücht, Shell habe Interesse an BP, trieb am 5. Januar den BP-Kurs um fünf Prozent. Bereits bestätigt haben sich Gerüchte um den US-Biotechniker Genzyme. Der lehnte gerade eine 18,5-Milliarden-Dollar-Offerte des Pharmariesen Sanofi-Aventis ab. Die nächste Offerte dürfte bald folgen. „Ein Unternehmen muss vernünftig bewertet sein, darf nicht zu viele Schulden haben und muss über eine lukrative Kundenbasis oder eine spannende Technologie verfügen, die es als Übernahmeopfer interessant machen“, sagt Tillmann Galler, Portfoliomanager bei J.P. Morgan Asset Management.

Anleger müssen aber nicht nur potenzielle Übernahmeobjekte früh identifizieren und kaufen, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt wieder verkaufen. Meist genügt schon das bloße Gerücht, um den Aktienkurs des vermeintlichen Übernahmeopfers kräftig anzuheizen. Je plausibler es klingt, desto höher der an einem Tag realisierbare Kursgewinn. Oft aber treiben Spekulationen den Kurs der mutmaßlichen Übernahmeziele über Monate, wie bei den Maschinenbauern Aixtron (62 Prozent in fünf Monaten) oder Gildemeister (100 Prozent in sechs Monaten). In beiden Fällen wetten Anleger hartnäckig auf Übernahme durch Konkurrenten oder bestehende Großaktionäre; offizielle Absichtserklärungen eines Kaufinteressenten oder gar verbindliche Übernahmeangebote gibt es (noch) nicht.

„Das Risiko bei solchen Wetten ist sehr hoch, materialisiert sich das Gerücht nicht, drohen eklatante Kursverluste“, warnt der Pariser Hedgefondsmanager Lionel Melka. Die Trefferquote bei rein auf Gerüchten basierenden Spekulationen sei sehr gering, so Melka. Sein Fonds, der Bernheim Dreyfus Diva Synergy, ist explizit auf Übernahmesituationen spezialisiert. Dennoch kaufe er „von zehn Gerüchten maximal drei und erst nach aufwendiger Einzelfallprüfung“, behauptet Melka. Nur ein kleiner Teil seiner rund 100 Millionen Dollar steckt in potenziellen Übernahmezielen, für die Melka ein Angebot erwartet. Seit Herbst hat er in Tiffany investiert. Die Juweliere könnten für Luxuskonzerne wie LVMH den „günstigsten und schnellsten Einstieg in den nord- und südamerikanischen Luxusmarkt darstellen“, spekuliert er.

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