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Spekulation Aktien im Übernahmefieber

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Wette geht auf

Den größeren Teil seiner Mittel investiert Melka aber erst, wenn es ein konkretes Angebot eines Käufers gibt. Hier ist das Risiko für Anleger deutlich kleiner, dass sich eine Übernahmespekulation wieder in Luft auflöst und die Kurse kollabieren. „Die Gewinnchancen sind dabei gar nicht schlecht, man muss nicht unbedingt vor einem offiziellen Angebot drin gewesen sein“, sagt Melka. Denn: „Das erste Übernahmeangebot ist meist nicht das letzte Wort, fast immer wehren sich die Manager – und sei es nur, um das Angebot im Interesse der Aktionäre zu verbessern; meistens muss der Käufer dann nachlegen“, sagt Christian Krahe, der zusammen mit dem Londoner Fondsmanager Albrecht von Witzleben den Deutsche Aktien Total Return managt. „Meist ist das Zeitfenster für die Spekulation zwei bis drei Monate, in denen wir eine Rendite von 20 bis 30 Prozent anstreben“, so Melka.

Cash ist König

Ein aktuelles Beispiel ist der Immobilienhändler Colonia Real Estate. Nachdem die vom ehemaligen Star-Banker Rolf Elgeti geführte Konkurrentin TAG Tegernsee am 14. Oktober 2010 meldete, sie strebe eine „strategische Beteiligung“ an Colonia an, schoss der Kurs binnen Stunden um 18 Prozent nach oben. Einen Monat später rückte Elgeti mit seiner wahren Absicht heraus und meldete, er wolle Colonia ganz übernehmen, für 5,55 Euro je Aktie; der Kurs kletterte danach von 4,80 auf eben jene 5,55 Euro.

Nun beginnt das übliche Spiel: Das Management des Übernahmeziels sagt, das Angebot sei zu niedrig; der Kaufinteressent sagt, mehr zahle er aber nicht. Unabhängig vom konkreten Beispiel Colonia können Anleger an diesem Punkt das Spiel oft getrost beenden. „Vielleicht gibt es noch einen kleinen Schnaps mehr, aber das Beste ist in dieser späten Phase meist gelaufen“, sagt Krahe.

Serge Ragotzky, Managing Director bei der Investmentbank Kepler Capital Markets, favorisiert Übernahmen, bei denen der Aufkäufer statt eigener Aktien Cash bietet. „Der Anleger muss sich dann nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob er die Aktie des Aufkäufers auch kaufen würde, wenn es das Tauschangebot nicht gäbe.“

Außerdem lehre die Erfahrung, so Roos von BCG, dass die getauschten Aktien nach einer Übernahme meistens nachgeben: „Die Synergien, die sich nach einer Fusion oder Übernahme heben lassen, werden von den Käufern systematisch überschätzt, die Kosten einer Übernahme eklatant unterschätzt.“

Wer Aktionär von Hochtief war, möchte deshalb nach einem Aktientausch nicht unbedingt Aktionär von ACS bleiben.

Bargeld ist attraktiv, auch an der Börse.  

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