WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Staatsbankrotte Als Argentinien die Sparguthaben einfror

Es war der größte Staatsbankrott der jüngeren Geschichte: Als Argentinien 2002 seine Schulden nicht mehr bedienen konnte, stand es mit umgerechnet 160 Milliarden Euro bei ausländischen Anlegern, heimischen Sparern und dem IWF in der Kreide.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Proteste gegen die Quelle: AP

Die Situation war Ende 2001 eskaliert, als sich vor den Banken Schlangen verunsicherter Sparer bildeten. Umgerechnet 500 Millionen Euro hoben die Argentinier damals pro Woche ab; das Geld wanderte ins Ausland oder unter die Matratze. Der damalige Wirtschaftsminister Domingo Cavallo zog die Notbremse und fror private Sparguthaben ein: Nur noch 250 Pesos (damals dank Dollar-Bindung noch 250, heute 75 Euro) durften Kontoinhaber pro Woche abheben.

Zwei Drittel an Kaufkraft verloren

Die brachiale Aktion hatte Folgen: „Klempnermeister, Ärzte und Lehrer – fast die gesamte Mittelschicht verlor ihre Ersparnisse“, so Horacio Gallo, Ex-Banker aus Buenos Aires. Dass das oberste Gericht das Einfrieren der Konten später verfassungswidrig nannte, half vielen nicht. Wer sich einen Anwalt leisten konnte, erstritt zwar oft sein Geld. Doch der Staat schloss die Banken später nochmals für elf Tage, als erneut Milliarden abflossen. Als die Argentinier 2003 wieder an ihre Guthaben konnten, hatten diese durch Peso-Abwertung und Inflation zwei Drittel an Kaufkraft verloren.

Skeptiker sehen Parallelen zu Griechenland oder Portugal. „Die Ursachen der Überschuldung gleichen denen vieler Euro-Länder“, meint Finanzkrisenforscher Alberto Müller von der Universität Buenos Aires. Etwa die schlechte Steuermoral und Vetternwirtschaft. Wie früher Argentinien hat Südeuropa mit dem Euro eine künstlich starke Währung, die die Industrie schwächt und Binnenkonsum und Verschuldung anheizt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%