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100 Prozent Grupp

Gier und Größenwahn müssen gestoppt werden

Was Uli Hoeneß getan hat, war falsch. Dennoch ist er kein typischer Steuerhinterzieher. Die Probleme sind weitaus vielschichtiger, als die Politik bereit ist zuzugeben. Welche das sind, beschreibt Trigema-Chef Wolfgang Grupp in seiner neuen Kolumne.

Uli Hoeneß muss sich wegen Steuerhinterziehung verantworten. Wolfgang Grupp, Geschäftsführer der Textilfirma Trigema schreibt auf WirtschaftsWoche Online über seine Meinung im Fall Hoeneß und die strafbefreiende Wirkung der Selbstanzeige. Quelle: dpa

Ich habe zunächst Mitleid mit Uli Hoeneß. Er hat sehr viel geleistet. Er hat Arbeitsplätze in seinem Unternehmen geschaffen und zahlt in dieser Funktion sicher sehr viele Steuern. Er hat mit Bayern München einen Verein aufgebaut, der zu den Ausnahmeerscheinungen in Deutschland und in Europa zählt und übrigens auch der Stadt München sehr viele Steuern beschert.

Ich verstehe aber nicht, weshalb so jemand sich dann in eine solche Situation begeben konnte. Ich registriere immer häufiger, dass Menschen, die eigentlich ausgesorgt haben, meinen, sie müssten stille Reserven außerhalb Deutschlands anlegen und das, obwohl sie es überhaupt nicht nötig haben. Uli Hoeneß hat sicher so viel Geld, dass er es gar nicht ausgeben kann. Ich glaube nicht, dass er sich der Trageweite seines Handelns bewusst war. Der typische Steuerhinterzieher ist er sicher nicht!

Die größten Steuersünder
Uli HoeneßMitte März 2014 wurde der Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, wegen seiner millionenschweren Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Hoeneß hat dem Fiskus mit seinem Schweizer Geheimkonto mindestens 28,5 Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Quelle: REUTERS
Anton HofreiterDer Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, hat jahrelang keine Steuern für seine Zweitwohnung in Berlin abgeführt und muss nun mit einer Geldbuße rechnen. „Das ist ein Fehler, den ich bedaure“, sagte Hofreiter über das Steuervergehen. „Ich kann ihn leider nicht ungeschehen machen, sondern nur schnellstmöglichst beheben.“ Quelle: dpa
Niels AnnenAuch der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen (rechts im Bild) hat eingeräumt, keine Zweitwohnungssteuer bezahlt zu haben. Sein Berliner Büro bestätigte einen entsprechenden Bericht der Hamburger „Morgenpost“, wonach der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion jahrelang für seine Zweitwohnung in der Hauptstadt keine Steuern bezahlt hat. Annen selbst sagte dem Blatt: „Ich will das gar nicht entschuldigen und ärgere mich über dieses Versäumnis. Ich werde jetzt selbstverständlich alles nachzahlen.“ Quelle: dpa
Oktoberfestwirt Sepp Krätz Quelle: dpa
Helmut LinssenDer ehemalige CDU-Bundesschatzmeister trat wegen Geldes in Steueroasen zurück. Erst nach dem Tod seines Vaters habe er von dem Konto in Luxemburg erfahren, seine Mutter habe auf dem Verbleib des Vermögens im Ausland bestanden, sagte der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister. Quelle: dpa
André Schmitz„Ich habe einen schwerwiegenden Fehler begangen, den ich sehr bedauere“, erklärte der damalige Berliner Kulturstaatssekretär und räumte ein, ein Konto mit fast einer halben Million Euro in der Schweiz nicht versteuert zu haben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wusste seit 2012 von dem Steuerbetrug, ließ Schmitz aber im Amt. Schmitz kündigte seinen Rücktritt an. Quelle: dpa
Theo SommerFreiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten zur Bewährung für den ehemaligen Herausgeber der Zeit - außerdem eine Geldbuße von 20.000 Euro in einen Förderfonds für Wissenschaft, Bildung und Kunst. Laut Anklage hat der 83-Jährige zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649 000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären. Der Publizist bezeichnete die Strafe als „schmerzlich, aber angemessen“. Quelle: dpa

Wer sich in der Öffentlichkeit präsentiert, darf generell Dinge, die er kritisiert, unter gar keinen Umständen selber machen. Herr Hoeneß hat leider etwas getan, das er selbst in der Hand hatte und damit es auch zu verantworten hat. Es war kein Zufall oder eine Krise von außen, die ihn dazu gezwungen haben. Es war sicher sehr unüberlegt.

Die Medien reagieren allerdings jetzt zweifelsohne sehr übertrieben, so wie das 2008 auch beim damaligen Post-Chef Herrn Zumwinkel war, als er ebenfalls wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde.

Weshalb regt sich eigentlich niemand groß auf über die Millionen, die zum Beispiel das Oberlandesgericht München verursacht hat, indem es sichtlich die ausländische Presse benachteiligt hat? Wo bleibt die Empörung über die Arroganz des Richters, der das zu verantworten hat? Bei Herrn Hoeneß wird dagegen vorgerechnet, wie viele Schulen oder ähnliches man von den hinterzogenen Steuern bauen könnte.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als ich noch zur Schule ging, war es etwa für gut verdienende Personen fast selbstverständlich, dass man ein Konto in der Schweiz hatte! Das ist sicher heute weniger, nicht zuletzt durch die aktuellen Entwicklungen.

15 Dinge, die Sie noch nicht über Wolfgang Grupp wussten

Uli Hoeneß hat ja offenbar auf das Steuerabkommen mit der Schweiz spekuliert. Wäre das nicht von der SPD im Bundesrat verhindert worden, hätte er seine Rechnung bezahlt und niemand hätte etwas von seinem Konto in der Schweiz bemerkt.

Hier schlagen aber, ehrlich gesagt, zwei Herzen in meiner Brust. Ich kann die CDU verstehen, die mit dem Abkommen Ruhe haben wollte und nach dem Motto handelte: Lieber den Spatz, sprich: die zehn Milliarden Euro, in der Hand als die Taube, also ein viel größere aber unsichere Summe, auf dem Dach. Ich kann aber auch die Opposition verstehen, die verhindern wollte, dass Leute straffrei ausgehen, die Millionen hinterzogen haben.

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