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Hoeneß steht für ein Versagen des Rechtsstaats

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Steuerverschwendungen des Staates sind viel größer

Die Steuern sprudeln - und werden verschwendet
Schweine Quelle: AP
Flughafen Kassel-Calden Quelle: dpa
Nürburgring Quelle: dpa
Elbphilharmonie Quelle: dpa
Ein Straßenverkäufer in Kuba Quelle: AP
Euro Hawk Prototyp Quelle: dpa
Tamiflu Quelle: AP

Jedes Jahr veröffentlicht der Bund der Steuerzahler, wofür Millionen und Milliarden sinnlos ausgegeben wurden; die Verantwortlichen werden aber nicht zur Rechenschaft gezogen. Das Verhalten der Medien im Fall Hoeneß will ich nicht kritisieren. Wer sich öffentlich weit aus dem Fenster lehnt und zuvor gegen Steuersünder redet, darf selbstverständlich nicht verwundert sein, wenn dann sein eigenes Fehlverhalten entsprechend auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Auch ich bin mir bewusst, dass wenn ich die Vernichtung von Arbeitsplätzen in unserem Heimatland kritisiere, ich nicht selber Mitarbeiter entlassen darf. Deshalb ist es mir klar, dass ich auch als erster auf dem Schafott stehen würde, wenn ich Mitarbeiter entlassen würde. Wer in die Öffentlichkeit tritt, wird selbstverständlich potenziert anders behandelt, wenn er gegen seinen eigenen Anspruch verstößt und Fehler begeht.
Für mich kratzt das Urteil gegen Hoeneß allerdings auch noch aus einem anderen Grund an der Oberfläche. Ich kann mir vieles von dem, was durch das Verfahren an die Öffentlichkeit kam, einfach nicht vorstellen und frage mich: Wieso erhielt Hoeneß vor vielen Jahren vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zig Millionen, ob als Überweisung oder als Darlehen? Wieso schloss Hoeneß mit Adidas später einen langfristigen Ausrüstungsvertrag, obwohl Konkurrent Nike ein besseres Angebot gemacht haben soll? Was geschah mit den vielen, vielen Millionen? Sind Gelder abgeflossen? Und wenn ja, wofür? Hat Hoeneß mit den Riesenbeträgen wirklich nur gezockt, wie er vorgibt?
Ich weiß keine Antwort. Ich bin mir nur sicher, dass niemand von jemandem solche gigantischen Beträge bekommt, nur damit er zocken kann. Ich glaube Hoeneß einfach nicht, dass er ein solcher Zocker ist, wie er es der Öffentlichkeit weiß machen will. Da ist für mich ein tiefes schwarzes Loch in der ganzen Affäre. Vielleicht werden Ermittler sich irgendwann einmal daran machen, Licht ins Dunkle zu bringen. Möglicherweise wäre das verdienstvoller, als mit so viel Einsatz Hoeneß der Steuerhinterziehung zu überführen.

Steuern & Recht



Unser Gesetz muss also selbstverständlich Steuerhinterziehung ahnden. Ob dafür aber eine Gefängnisstrafe notwendig ist, glaube ich nicht, denn Steuerhinterzieher mit Messerstechern und Räubern gleichzustellen und sie vielleicht auch noch zusammen in eine Zelle zu stecken, ist für mich nicht angebracht.
Ich würde vorschlagen, die Zehn-Jahresfrist bei der Verjährung der Steuerhinterziehung aufzuheben, die Schuldigen alle Steuern einschließlich Zinsen unbegrenzt nachbezahlen zu lassen und auch weiterhin durch Ankäufe von CDs und anderen Daten der Steuerhinterziehung Einhalt zu gebieten.

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