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Abschaffung von Münzen und Scheinen Rettet das Bargeld!

Einige Ökonomen fordern die Abschaffung des Bargelds und werben mit der Erschwerung von Schwarzarbeit und kriminellem Handel. Doch das ist ein Angriff auf die Freiheit und das Privateigentum.

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Jemand nimmt eine Ein-Euro-Münze aus dem Portemonnaie Quelle: dpa

Haben Sie schon einmal versucht, Ihre Brötchen beim Bäcker hierzulande mit der Kreditkarte zu bezahlen? Wenn ja, dürfte das Unterfangen wohl kläglich gescheitert oder mit hörbaren Unmutsbekundungen des Verkäufers quittiert worden sein. Denn Deutschland ist Bargeldland. 78 Prozent aller wirtschaftlichen Transaktionen werden hierzulande mit Scheinen und Münzen abgewickelt. Bezogen auf den Wert der Käufe kommt das Bargeld auf einen Anteil von 53 Prozent.

Anders sieht es in den USA und den skandinavischen Ländern aus. In Amerika gehört es zum Alltag, seinen Kaffee bei Starbucks mit der Kreditkarte zu bezahlen. Gleiches gilt für Skandinavien, wo nur noch 25 Prozent aller Zahlungen im Einzelhandel mit Bargeld abgewickelt werden. Die zunehmende Nutzung der Kreditkarten oder anderer bargeldloser Zahlungsmittel beruht in diesen Ländern auf den freiwilligen Entscheidungen der Konsumenten.

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Offenbar empfinden viele Menschen es als bequemer, mit der Kreditkarte oder dem Smartphone zu zahlen als ein schweres, mit Münzen vollgestopftes Portemonnaie mit sich herum zu tragen. Dagegen ist nichts einzuwenden – solange ihnen die Option offensteht, jederzeit auf Bargeld zurückzugreifen.

Elektronische Abwicklung gefordert

Doch nun haben einige Ökonomen dem Bargeld den Kampf angesagt. Schon seit längerem fordern die Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff und Larry Summers (seines Zeichens früherer US-Finanzminister), Bargeld aus dem Verkehr zu ziehen und alle Zahlungen elektronisch abzuwickeln.

In Deutschland schlägt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in die gleiche Kerbe. Münzen und Scheine seien ein Anachronismus, so Bofinger. Sie erschwerten den Zahlungsverkehr,  verursachten hohen Aufwand und kosteten viel Zeit, vor allem dann, wenn die Menschen an der Kasse lange in ihren Portemonnaies wühlten, um die passenden Münzen hervorzukramen.

Vor allem aber könne ein Bargeldverbot dabei helfen, der Schwarzarbeit den Garaus zu machen und die Märkte für kriminelle Geschäfte wie Drogen- und Waffenhandel auszutrocknen. Dazu komme, dass die Zentralbanken in einer bargeldlosen Welt leichter Negativzinsen durchsetzen könnten, da die Bürger ihnen nicht mehr durch Bargeldhaltung ausweichen können.

Angesichts dieses etatistischen Eiferertums kann jedem freiheitsliebenden Menschen nur der Atem stocken. Was Rogoff, Bofinger und Co. fordern, ist nicht weniger als die Installation eines konfiskatorischen Überwachungsstaats. Nicht umsonst genießt das Bargeld den Ruf, „geprägte Freiheit“ zu sein.

Kein Staat, kein Unternehmen, kein Geheimdienst kann nachvollzuziehen, wer wann welche Zahlungen in welcher Höhe für welche Dinge getätigt hat. Und das ist auch gut so! Jedermann hat das Recht auf die Freiheit, sein Geld für die Dinge seiner Wahl auszugeben, solange er dadurch nicht die Freiheit anderer Menschen beeinträchtigt.

Kein Argument gegen Münzen und Scheine

Dass auch Kriminelle sich des Bargelds als Zahlungsmittel bedienen, ist kein Argument gegen Münzen und Scheine. Der Staat hat genügend Mittel und Wege, um der organisierten Kriminalität auf andere Weise zu Leibe zu rücken als durch ein Bargeldverbot. Zudem dürfte in Zeiten der geheimdienstlichen Überwachung  und der Cyberkriminalität das Missbrauchs- und Verbrechenspotenzial durch den Diebstahl elektronischer Zahlungsdaten um ein Vielfaches größer sein als der Sicherheitsgewinn für die Bürger durch das Abschaffen des Bargelds.

Auch der Kampf gegen die Schwarzarbeit rechtfertigt nicht die Abschaffung des Bargelds. Zwar gilt Schwarzarbeit als illegal, weil Schwarzarbeiter keine Steuern und Sozialbeiträge zahlen. Doch wer die Schattenwirtschaft wirksam bekämpfen will, sollte zuvorderst Steuern und Abgaben senken. Statt Bargeldverbote einzufordern, sollten die Ökonomen lieber die Legitimität von Steuern und Abgaben kritisch hinterfragen. Steuern sind Zwangsabgaben, die keinen  Anspruch des Besteuerten auf Gegenleistung darstellen. So heißt es in Paragraph 3 der Abgabenordnung: „Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen…“. Mit anderen Worten: Der Staat nimmt und verspricht nichts. Für den großen liberalen Ökonomen Murray Rothbard stand daher fest, dass „Steuern Diebstahl sind“.

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Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass der Staat mit den erzielten Einnahmen „öffentliche Leistungen“ finanziert, also Dinge wie Straßen, Schulen und die Landesverteidigung. Denn es existieren keine Verträge zwischen den Bürgern und dem Staat, in denen Erstgenannte die besagten „öffentlichen Leistungen“ bestellt haben. Der Staat produziert ungefragt Güter und Dienstleistungen und kassiert dafür Steuern. Das ist so, also würde Volkswagen alle Deutschen mit einem VW-Golf zwangsbeglücken und dafür 20.000 Euro kassieren. Wen wundert es da, dass sich die Menschen in stillem Protest vom Staat abwenden und sich via Schwarzarbeit dessen konfiskatorischem Zugriff entziehen?

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Mindestens ebenso erschütternd ist die Absicht der Bargeld-Feinde, durch die Abschaffung von Münzen und Scheinen den Menschen die Flucht vor Negativzinsen zu verbauen, die die Zentralbanken in vielen Ländern bereits jetzt von den Geschäftsbanken erheben. Können die Menschen ihr Geld nicht mehr bar abheben, wäre es für die Banken ein Leichtes, auf die Einlagen ihrer Kunden Negativzinsen, also Strafgebühren, zu erheben. Durch den oktroyierten schleichenden Vermögensverlust drängen der Staat und seine Notenbank die Menschen in den Konsum. Das Sparen, das Fundament gesunder Investitionen, bleibt auf der Strecke. Unser Wohlstand erodiert.

Die Forderung nach der Abschaffung des Bargelds ist ein unerträglicher Angriff auf die Freiheit und das Privateigentum der Bürger. Es ist kein Ruhmesblatt für die Nationalökonomie, dass ausgerechnet aus ihren Kreisen diese Forderungen erhoben werden. Vielen Bürgern dürfte die Zornesröte ins Gesicht steigen, dass staatlich bestallte und mit Steuergeldern alimentierte Ökonomieprofessoren sich zum Fürsprecher etatistischer Enteignungsstrategien machen.

Aber was soll man von einer Profession erwarten, die mit ihren intellektuellen Produkten außerhalb staatlicher Abnehmerschaft auf dem freien Markt kaum eine Chance zum Überleben hätte? Die Bürger sollten sich fragen, wie lange sie diese Vorreiter der Konfiskation und Freiheitsberaubung in den Elfenbeintürmen noch mit ihren Steuergeldern finanzieren wollen.

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