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AirHelp, geblitzt.de und Co. Was Online-Anwälte taugen

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Barrieren für Verbraucher senken

Wer keine Rechtsschutzversicherung hat, scheut zudem das Kostenrisiko eines verlorenen Prozesses. Rechtsportale, die wie Abfindungsheld ins Risiko gehen, senken diese Barriere. „Wir wollen aber keinen Kunden in die Irre führen und lassen mit uns reden“, sagt Friedlein mit Blick auf seinen beanstandeten Werbeclaim. „Wenn auch nur ein Kunde sich veräppelt fühlt, ändern wir das“, verspricht der Gründer.

Eine Klage kassiert hat der Onlinedienst geblitzt.de, der laut einer Werbung „kostenlos Bußgeld los“ versprach. Ein Urteil des Landgerichts Hamburg dagegen ist allerdings noch nicht rechtskräftig, das Unternehmen äußert sich nicht zu dem laufenden Verfahren. Seit 2013 wehrt geblitzt.de Bußgeldforderungen gegen Autofahrer ab, wenn etwa der Blitzer nicht korrekt geeicht war oder wenn Behörden Daten falsch ausgewertet haben. Pro Tag arbeitet der Anbieter nach eigenen Angaben 300 Anfragen ab. In zwölf Prozent der Fälle könne eine Einstellung des Bußgeldverfahrens erreicht werden und in 35 Prozent eine Reduzierung der Geldbuße.

Verbraucher sollten sich trotz vollmundiger Werbeversprechen genau über die Konditionen der Online-Anwälte informieren. Bei den meisten steht klipp und klar auf der Webseite, was geboten und was verlangt wird. Nutzer wissen also vorher, worauf sie sich einlassen, auch wenn der eine oder andere Werbeclaim vielleicht etwas hart am Wind segelt.

In der Flugbranche hat die Werbung der boomenden Entschädigungsportale zunächst einmal dafür gesorgt, dass immer mehr Geschäftsreisende und Touristen sich über ihre konkreten Ansprüche bei Verspätungen und Ausfällen überhaupt klar geworden sind. Diese liegen nicht im Ermessen der Fluggesellschaften, sondern richten sich nach einem EU-Gesetz. Zwischen 250 und 600 Euro Entschädigung stehen einem Fluggast je nach Länge der Flugstrecke und der Dauer der Verspätung zu.

„Klageportale wie in der Flugbranche haben höchstrichterliche Urteile erkämpft, von denen alle Verbraucher profitieren, auch wenn sie die Online-Rechtsdienste gar nicht nutzen“, sagt Alexander Zolda, Gründer des seit April 2017 bestehenden Fluggastrechtsportals flightcomp. Es hat laut Zolda in den vergangenen zwölf Monaten rund 2500 Entschädigungsfälle geprüft und fordert aktuell 300.000 Euro von verschiedenen Airlines ein. Die größten Schuldner bei flightcomp sind Ryanair, TUIfly, Condor und Small Planet Airlines.

Ohne juristischen Beistand ist es für Normalverbraucher vor allem bei Billigflügen oft schwer, die Ansprüche geltend zu machen. „Die Lufthansa zahlt meist anstandslos, Ryanair dagegen reagiert nur auf Gerichtspost“, sagt Zolda. Die aggressive Billigairline aus Irland ist längst kein greller Nischenanbieter mehr, sondern neuer Marktführer in Europa und befördert auf dem Kontinent mittlerweile mehr Passagiere als die Lufthansa.
Die Fluggesellschaften sehen das anders. easyjet etwa bearbeitet gültige Ansprüche nach eigenen Angaben in weniger als 21 Tagen und will die Bearbeitungszeit im Laufe des Jahres noch reduzieren. "Wir möchten es unseren Passagieren so einfach wie möglich machen, direkt bei uns zu reklamieren, statt einen wesentlichen Teil ihrer Entschädigung unnötig an andere Organisationen wie Fluggastrechtsportale zu verlieren", sagt eine easyJet-Sprecherin.

Wenn flightcomp die Verspätung oder den ausgefallenen Flug vorgeprüft hat, kann der Nutzer seinen Erstattungsanspruch an das Unternehmen abtreten und erhält das Geld sofort ausgezahlt.

Der Branchenprimus AirHelp dagegen wartet mit der Auszahlung, bis das Geld von der Fluggesellschaft auch angekommen ist. AirHelp prüft automatisch, ob ein Kunde Ansprüche auf Verspätung hat. Die Datenbanken des Unternehmens sind dafür mit den entscheidenden Wetter- und Flugdaten gefüttert. Gibt der Computer grünes Licht, nehmen AirHelp-Anwälte sich des Falles an und erstreiten die Forderung des Passagiers notfalls vor Gericht. Geld dafür zahlt der Kunde nur bei Erfolg – und zwar 25 Prozent der eingetriebenen Entschädigung inklusive Umsatzsteuer.

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