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Anleger sind sich der Schiffsmarktkrise nicht bewusst

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Vielen Anlegern war die Krise auf dem Schiffsmarkt jedoch nicht bewusst. Sie verließen sich auf die Angaben in den Hochglanzprospekten der Emissionshäuser. Die Hamburger Kanzlei Bremer und Heller hat Strafanzeige gegen den Dortmunder Initiator Dr. Peters bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft eingereicht. Anwalt Arne Heller stützt seine Anzeige auf vermeintlich falsche Angaben im Prospekt des Schiffsfonds DS-Rendite-Fonds Nr. 132. Im Prospekt auf Seite 21 steht: „Der Containerschiffs-Chartermarkt bewegt sich derzeit auf einem hohen Niveau. Es sind keine Faktoren sichtbar, die auf eine grundlegende Änderung dieser Situation hinweisen.“ Heller wirft dem Initiator Dr. Peters vor, bereits vor Emissionsstart gewusst zu haben, dass die beiden Schiffe, in die der DS-Rendite-Fonds Nr. 132 investierte, ihre Kosten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einfahren und für die Anleger keinen Gewinn abwerfen würden. Der Hamburger Anwalt sieht seine Anzeige durch die Entwicklung des Index für Charterraten Harpex bestätigt. Um die Betriebs- und Finanzierungskosten abzudecken, hätten die Schiffe 9000 Dollar pro Tag an Charterrate verdienen müssen, so ein von Heller beauftragter Gutachter.

Die Charterraten lagen laut Harpex bei Emissionsstart im Juli 2008 noch bei 12.300 Dollar pro Tag für Schiffe, die genauso groß sind wie die aus dem Fonds von Dr. Peters. Zu diesem Zeitpunkt ist Hellers Vorwurf demnach nicht haltbar. Anders sieht es im März 2009 aus, als Dr. Peters die zweite Tranche an Anlegergeldern einsammelte: Die Charterrate war auf 4400 Dollar pro Tag gesunken. „Der Fonds hätte niemals aufgelegt werden dürfen“, sagt Anwalt Heller. Weil die Schiffe aber bereits von Dr. Peters zwischenfinanziert worden seien, hätte der Initiator den Fonds auflegen müssen, um die Anschlussfinanzierung über Privatanleger zu sichern.

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Anselm Gehling, Vorstandschef der Dr. Peters Group, weist die Vorwürfe Hellers zurück. Noch Ende 2007 hätte das Emissionshaus die beiden Schiffe deutlich über dem Einstandspreis verkaufen können. Es sei daher nicht notwendig gewesen, einen Fonds aufzulegen. Die Einschätzung des Marktes beruhe auf dem Gutachten eines Schiffssachverständigen aus Mai 2008. Im Februar 2009 seien die Neuanleger über einen Nachtrag zum Fondsprospekt auf die veränderte Lage am Chartermarkt hingewiesen worden. Die Anleger, die bereits im Fonds investiert waren, erhielten diesen Nachtrag nicht. Dr. Peters hat lediglich die Vertriebspartner über die Änderungen im Prospekt informiert. Die 9000 Dollar Gesamtkosten pro Tag und Schiff will Gehling nicht bestätigen. Tatsächlich lägen die Betriebskosten derzeit bei etwa 4500 Dollar pro Tag und Schiff. Allerdings, so Gehling, seien die Schiffe bei der derzeitigen Charterrate nicht in der Lage, Zins und Tilgung für die Finanzierung zu erwirtschaften. Das Emissionshaus verhandele daher mit der finanzierenden Bank und denke über eine Kapitalerhöhung oder den Verkauf der beiden Schiffe nach. Ein Verkauf würde derzeit pro Schiff etwa 14 Millionen Dollar (umgerechnet 10,2 Millionen Euro) erlösen, so Gehling. Im Fonds wurden insgesamt 41,6 Millionen Euro investiert. Bei einem Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt wären demnach 21,2 Millionen Euro futsch. Ob die Anzeige wegen Betrugs Anlegern rasch Geld verschaffen wird, ist ungewiss.

Im Fall des Initiators Wölbern Invest, der auch Schiffsfonds aufgelegt hat, haben staatsanwaltschaftliche Ermittlungen das Kartenhaus zum Einsturz gebracht. Nur wenige Monate nachdem zwei Manager des Hamburger Emissionshauses wegen Betrugsverdachts festgenommen wurden, meldeten Wölbern Invest und deren Fondstochter Insolvenz an.

Gerichtsverfahren wegen Betrugs gegen Verantwortliche der Schiffsfondsbranche können sich über Jahre hinziehen. So wird seit 2011 gegen den ehemaligen Chef der Bremer Reederei Beluga wegen Kreditbetrugs ermittelt. Geklagt hatten ein Finanzinvestor, der an Beluga beteiligt war, und eine Bank, die Beluga-Schiffe finanziert hatte. Allein das Hamburger Emissionshaus HCI Capital hatte 20 Schiffe aus 17 Fonds an die Beluga Reederei verchartert. Um weitere Verluste für die Anleger abzuwenden, kündigte HCI im März 2011 die Charterverträge mit Beluga. Die Hamburger Reederei soll unter anderem Umsätze in falscher Höhe ausgewiesen haben. Bisher hat im Verfahren gegen den ehemaligen Beluga-Chef noch keine Hauptverhandlung stattgefunden, so die Staatsanwaltschaft Bremen. Der Betrugsverdacht konnte also noch nicht abschließend geklärt werden.

Dass sich die Situation im Frachtgeschäft schnell verbessern werde, sei nicht zu erwarten, so Schiffsfinanzierungsexperte Gerhard. Auch im kommenden Jahr sei mit einem Überangebot an Frachtraum zu rechnen. Die Fondsanleger müssen daher wohl weiter um ihr Geld zittern.

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