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Aktuelle Entscheidungen Steuern und Recht kompakt

Haus- und Wohnungskäufer müssen mehr für die Beurkundung zahlen. Außerdem gibt es Neues zu Erbschaften, Krippenplätzen, Kündigungen und Scheidungen.

Wo sich Ferienhausbesitzer freuen dürfen
Nordseeküste:Sylt ist am teuersten, klar. Ein Ferienhaus mit 140 Quadratmetern kostet hier selbst im Durchschnitt der Gemeinden etwa eine Million Euro (1. Quartal 2013). Doch auch auf den kleineren ostfriesischen Inseln Norderney und Spiekeroog fallen die Hauspreise schon in die Spitzenkategorie. Hier müssen Käufer rund 700.000-750.000 Euro einplanen. Während der Sylter Immobilienmarkt seinen Zenit vermutlich schon erreicht hat, ist der Preisanstieg auf den ostfriesischen Inseln noch nicht beendet. Angebotspreise für Häuser in ausgewählten Ferienregionen. Jeweils für ein Haus mit 140 m² Wohnraum und 600 m² Grundstück
Nieblum, Insel Föhr: Hauspreise: +35 % seit 2009Bernd und Julia Wilkening, Mitte 50, steckten 2009 insgesamt 1,3 Millionen Euro in Kauf und Umbau des Reetdachhauses. Das Meer ist nur einen 100 Meter langen Dünenpfad entfernt. Nun kann das Ehepaar aus der Lüneburger Heide die zwei entstandenen Ferienwohnungen an 300 Tagen pro Jahr vermieten. Bei einer Miete ab 140 Euro pro Nacht bleiben ihnen unter dem Strich etwa drei Prozent Rendite. Der Wertzuwachs der Immobilie kommt noch obendrauf. Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Ostseeküste:Die besten Lagen auf Rügen und Usedom können mittlerweile mit den Preisen der Nordseeinseln mithalten. Auf Ebene der Gemeinden kann man das aber kaum noch sehen. Besonderheit der großen Inseln: Die Preise fallen schnell, sobald man sich von der Küste entfernt. Schon wenige Kilometer hinter der Küste gleichen die Preise eher denen auf dem Festland, die meisten Häuser sind kaum noch als Ferienhaus geeignet. Auf der relativ schmalen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sind die Durchschnittspreise daher höher. Mit 596.000 Euro für ein Haus mit 140 Quadratmetern hat zum Beispiel die Gemeinde Ahrenshoop nur ganz knapp die Spitzenkategorie verfehlt.
Born auf dem Darss: Hauspreise +19 % seit 2009Monika Credner, Anfang 60, machte sich schon in den Neunzigerjahren auf die Suche nach einem Standort, an dem sie ein Ferienhaus kaufen wollte. In Born auf dem Darß entdeckte sie 2001 ein altes Fischerhaus, damals noch ohne Wasseranschluss und Strom. Heute, nach der zweiten Renovierung, ist das reetgedeckte Haus modern ausgestattet. Credner und ihre Familie wohnen selbst im Dachgeschoss, zwei Ferienwohnungen im Erdgeschoss vermieten sie an Gäste (Übernachtung ab 50 Euro). Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Schönberger Strand: Hauspreise: +7 % seit 2009Carsten Anders, 49, baute mit dem familieneigenen Bauunternehmen die Ostseeresidenz, eine Anlage mit 40 Ferienwohnungen, direkt hinter der Strandpromenade. Insgesamt investierte das Unternehmen sieben Millionen Euro. Zehn Wohnungen sind bereits verkauft, zu Quadratmeterpreisen von bis zu 3000 Euro. Die übrigen 30 behält Anders dauerhaft im Familienbesitz. Sie werden an Feriengäste vermietet (ab 39 Euro pro Nacht). Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Baden-Württemberg und Bodensee:Ferienhäuser direkt am Bodensee bieten einen grandiosen Blick und waren auch eine solide Geldanlage. In Lindau sind die Preise seit 2009 um fünf Prozent pro Jahr gestiegen. Im Schwarzwald stechen einzelne kleinere Gemeinden hervor, etwa Merzhausen und Au. Sie zählen schon zum Freiburger Einzugsgebiet und sind deshalb nicht nur bei Ferienhauskäufern begehrt.
Bayern:Der Kreis Miesbach mit Gemeinden wie Tegernsee und Rottach-Egern ist für seine hohen Preise berüchtigt. In vielen der Orte tummeln sich Promis und Möchtegern-Promis: Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich. Aber auch beliebte Wintersport-Regionen wie Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf schaffen es mit den Hauspreisen in die teuerste Kategorie oder sind knapp davor - unter 600.000 Euro für ein Haus geht hier also kaum etwas.

Immobilien: Teuer, teurer, Notar

Beim Hauskauf, der Eintragung von Grundschulden, Testamenten, Patientenverfügungen und Gesellschaftsgründungen kommen Notare ins Spiel. Sie sollen den Willen der beteiligten Personen ermitteln und in rechtlich wirksamer Form in eine Urkunde aufnehmen. Zum 1. September wird ihr Aufgabenspektrum erweitert: Sie können bei zerstrittenen Erbengemeinschaften nun wie ein Gericht vermitteln. Und die Bundesländer können die Beurkundung von Erbscheinanträgen komplett den Amts- und Nachlassgerichten entziehen und Notaren übergeben.

Schon seit dem 1. August verlangen die Notare für all ihre Dienste allerdings auch mehr Geld. Ihre Vergütung stieg ebenso wie die für Rechtsanwälte und Gerichte, für die aber mitunter eine Rechtschutzversicherung aufkommt (WirtschaftsWoche 30/2013). Beim Kauf einer 300.000-Euro-Wohnung kostet die Beurkundung laut Bundesnotarkammer bisher (ohne Auslagen) 1014 Euro, künftig sind es 1270 Euro; für die zwei Millionen Euro teure Villa werden es 6670 Euro nach bisher 6114 Euro, obwohl sie dem Notar nicht viel mehr Arbeit macht. Aber eine Quersubventionierung ist staatlich gewollt. Die Eintragung einer Grundschuld von 150 000 Euro kostete bisher 282 Euro und wird künftig mit 354 Euro vergütet, die Löschung nur mit 20 Euro statt bis zu 130. Wem heimische Notare zu teuer sind, der dürfte ausländische Notare einschalten (Oberlandesgericht Düsseldorf, I-3 Wx 236/10). In der Schweiz sind die Gebühren verhandelbar.

Recht einfach: Richter begutachten Surfbretter nach Unfällen

Erbschaft: Deutschland übt Verzicht

Erben von Auslandskonten, mussten oft mit drastischen Steuerabzügen rechnen. Der Bundesfinanzhof hat jetzt entschieden, dass der deutsche Fiskus bei einer unverhältnismäßig hohen Besteuerung von Erben auf einen Teil seiner Forderung verzichten muss (II R 10/12). Das Urteil ist auch für viele Selbstanzeigen wichtig. Für zu hoch hielten die Richter die Steuer im Fall der verstorbenen Deutschen, die ein Vermögen auf Konten in Frankreich hatte, das ihr Neffe erbte. Die Franzosen behielten 55 Prozent Erbschaftsteuer ein, die deutsche Seite vom steuerpflichtigen geerbten Vermögen 30 Prozent. Eigentlich regeln Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), dass nur ein Staat Steuern kassieren soll. Bei Immobilien oder Firmenanteilen hätte Deutschland auf eine Besteuerung verzichten müssen. Doch für Bankguthaben und Depots muss ein spezielles Erbschaftsteuer-DBA geschlossen werden. Es existiert derzeit für die Schweiz, USA, Dänemark, Griechenland und seit 2009 auch für Frankreich, nicht jedoch etwa für Luxemburg oder Singapur. Für Österreich oder Schweden ist es nicht nötig, da sie Erben nicht besteuern.

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